Weinseminar in München

Gestern waren wir in München im Glockenbachviertel spontan bei einem Weinseminar bei „einfach genießen“. Thema war Südtirol und Trentino. Um es vorweg zu nehmen, es war ein schöner Abend mit Weinen, die auch überwiegend meinen Geschmack getroffen haben. Der Abend wurde durchaus kurzweilig und sachkundig moderiert, alles top!

Insgesamt wurden 11 Weine verkostet. Von einfach bis gehoben, von weiß bis rot. Die Weinchen stelle ich nachfolgend alle kurz vor. Das erste mal, daß ich hier in einem Beitrag mehr als einen Wein beschreibe. Die Weine wurden uns jeweils blind eingeschenkt und wir sollten dann unsere Eindrücke zu dem Wein beschreiben. Ein paar habe ich tatsächlich erkannt (nicht den Wein, aber immerhin die Rebsorte)…

1. Ferrari Trentodoc Brut, Ferrari, Trentino

Der Empfang erfolgte mit dem nach der Champagnermethode hergestellten Spumante, den ich schon in guter Erinnerung hatte. Sehr schön trocken, in Nase und am Gaumen Aromen von Äpfeln und Hefe, sehr geschmeidig, keinerlei Bitterkeit.

Meine Wertung: 2

2. 2014er Mastri Vernacoli – Pinot Grigio, Cavit, Trentino

Hier war mein erster Eindruck, daß es sich um einen leichten Sauvignon handeln könnte, die Zitrusnoten und eine gewisse Grasigkeit führten mich zu dieser Einschätzung. In der Tat war es dann ein Grauburgunder, auf den ich nun gar nicht getippt hätte. Leicht zu trinken, schöne, nicht aufdringliche Säure, aber insgesamt eher einfach, mittellanger Abgang. Ich war schon etwas erstaunt, daß es sich um einen Massenwein für ca. 5 EUR aus dem Lebensmittelhandel handelte. Ist durchaus gut trinkbar, dennoch hielt sich der Spaß in Grenzen. Ist nichts, mit was ich mich auf Dauer anfreunden kann.

Meine Wertung: 0

3. 2011er Andrius – Sauvignon, Kellerei Andrian, Südtirol

Mein Tip war hier wieder Sauvignon, aber hier war ich mir erheblich sicherer. Der Spaß ging mit diesem Wein richtig los. Ein sehr komplexer Duft nach exotischen Früchten, deutliche mineralische Noten, ein paar Kräuter, die den Sauvignon trefflich definieren, kein Holz, sehr kraftvoll und gleichzeitig elegant am Gaumen, sehr lang anhaltender Abgang. Die 14 PS sind sehr gut eingebunden, durch die prägnante Säure ist der Wein trotz seines Gehalts sehr frisch.

Meine Wertung: 2

4. 2012er Eichhorn – Weißburgunder, Manincor, Südtirol

Hier dominiert der Pfirsich den ersten Eindruck, ebenfalls sehr mineralisch, schöne Säure, leichte Holznoten, aber nicht dominierend. „Nur“ 13,5 Umdrehungen, auch diese spürt man nicht, sehr trinkanimierender Wein mit komplexer Struktur.

Meine Wertung: 2

5. 2013er Praesulis – Gewürztraminer, Gumphof – Markus Prackwieser, Südtirol

Den Gewürztraminer habe ich gleich erkannt. Ich bin ja kein ausgewiesener Fan von Weinen, die nur aus dieser Rebsorte gekeltert wurden, ist mir bezüglich der würzigen Noten einfach too much. Allerdings kann diese Rebsorte als kleine Beimengung in diversen Cuvées für ganz tolle Geschmackserlebnisse sorgen.

Immerhin muß ich speziell diesem GT attestieren, daß er für mich deutlich angenehmer zu trinken war, als die meisten anderen Vertreter dieser Rebsorte, da er erheblich mehr Säure zu bieten hat als die Gewächse, welche aus dem südlicheren Tramin und Umgebung stammen. Der Praesulis war für mich somit durchaus interessant und machte tatsächlich Freude beim Trinken, trotz der stattlichen 14,5 PS. Allerdings bin ich dann doch nicht gleich zum ultimativen Fan geworden.

Meine Wertung: 1

6. 2013er Vernatsch, Gumphof – Markus Prackwieser, Südtirol

In der Pause gab’s zu Schüttelbrot, Speck und Käse den dazu passenden bzw. gehörenden Vernatsch. Der Wein ist aber -was zu erwarten war- nicht besonders vielschichtig, ein bißchen Kirsche, mehr konnte ich nicht ausmachen. Man kann ihn zwar gut trinken, aber das ist mehr dem generell geringen Gehalt zuzuschreiben. Nicht wirklich mein Ding…

Meine Wertung: 0

7. 2013er Lagrein, Kellerei St. Michael – Eppan, Südtirol

Der Lagrein ist deutlich gehaltvoller, was ebenfalls zu erwarten war, aber komplexer als der Vernatsch ist er nicht. Die Tannine sind eher sperrig, eine leichte Bitterkeit liegt über der dunklen Kirschfrucht, der Abgang wirkt ein bißchen gekocht. Ebenfalls nicht wirklich was zum glücklich werden.

Meine Wertung: 0

8. 2010er Foradori – Teroldego Rotaliano, Elisabetta Foradori, Trentino

Jetzt wieder was, was Spaß macht, auch wenn ich’s nicht erkannt habe. Der Teroldego bietet wie die vorangegangenen Weine schöne Kirscharomen, aber auf einem völlig anderen Niveau. Zum einen in den Fruchtaromen viel komplexer, zum anderen eine geschmeidige Säure, viele mineralische und kräuterige Töne, dezentes Holz, kein bißchen aggressiv am Gaumen. Füllt den ganzen Mund geschmacklich aus und verharrt eine halbe Ewigkeit. Super Stoff für vergleichsweise wenig Geld!

Meine Wertung: 2

9. 2007er Blauburgunder Riserva, Weingut Stroblhof, Südtirol

Schöne Blauburgunder für meinen Geschmack zu finden, ist gar nicht so einfach, wie ich immer wieder feststelle, egal in welchem Land ich suche. Dieser hier hat mich aufgrund seiner Kombination von Kraft und Eleganz in den Bann gezogen. Eigentlich ein typischer Blau- respektive Spätburgunder mit den erwarteten Kirsch- und Brombeeraromen, die jedoch aufgrund der Reife schon etwas zugunsten der Sekundäraromen zurücktreten. Dazu noch schöne kräuterige Noten, etwas Kardamom, Lakritz und Vanille aus Holz und Reifung. Einer der besten Blauburgunder, die ich bis jetzt im Glas hatte.

Meine Wertung: 3

10. 2011er Cassiano – Cuvée, Manincor, Südtirol

Der Cassiano ist eine Cuvée aus (laut Manincor-Website) 50 % Merlot, 40 % Cabernet Franc, 6 % Tempranillo und 4 % Syrah: Aromen ähnlich wie beim vorigen Blauburgunder  Kirschen, dunkle Beeren, Lakritze, Vanille, Estragon und Oregano. Sehr dicht, aber durch das Säurespiel dennoch elegant, die Gerbstoffe sind präsent, aber unglaublich geschmeidig. Auch das Holz ist spürbar, aber nicht dominierend. Eine sehr runde Sache, toll!

Meine Wertung: 3

11. 1990er Cabernet Sauvignon, Letrari, Trentino

Außerhalb des eigentlichen Programms wurde uns vom Seminarleiter noch dieser sehr alte Wein aus dem Trentino präsentiert, der aus seinem privaten Keller stammte und nach seinen Angaben eine Einzelflasche war. Er wollte diesen Wein einfach in Gesellschaft ausprobieren, ohne die Gewißheit, ob er überhaupt noch genießbar wäre.

Er war es! Trotz des Alters nur dezente Brauntöne. In der Nase und am Gaumen eine ganz eigene Mischung aus intensiver Rauchigkeit und grüner Paprika, eine ganz wilde Mischung, die ich so auch noch nicht hatte. Die Fruchtaromen waren praktisch alle verschwunden, geblieben ist dieses umwerfende Aroma, das sich seidenweich seinen Weg bahnte. Der Höhepunkt des Abends. Auch wenn ich wohl kaum eine Chance haben werde, den Wein nochmals irgendwo zu kaufen:

Meine Wertung: 3

Insgesamt kann ich diese Weinseminare nach dieser schönen Erfahrung nur weiterempfehlen!

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