Oranges Abenteuer

Seit ich angefangen habe, die Farbe Orange näher kennenzulernen, bin ich diesbezüglich aus dem Staunen nicht herausgekommen. Vor Allem habe ich bis jetzt festgestellt, daß diese Gattung extrem vielfältig zu sein scheint, jedenfalls habe ich bis jetzt keine zwei Weine dieser Farbe getrunken, die einander irgendwie ähnlich bzw. vergleichbar gewesen wären. Ich habe zwar noch nicht so sehr viele von der Sorte im Glas gehabt, aber trotzdem…

Der aktuelle „Orange“ mit dem sehr minimalistisch gehaltenem Etikett

2011er Weißburgunder – Breitenbrunn Edelgraben – trocken – Qw, Claus Preisinger, Neusiedlersee

wird teils mit sehr ursprünglicher Methodik hergestellt. Die Trauben werden z.B. mit den Füßen getreten, die Maische wird ca. 2 Monate in der Amphore vergoren und in der Folge in gebrauchten Fässern ausgebaut. Wie ich mitbekommen habe, gilt den Offiziellen des Weinbaus auch dieser Orange Wine als atypisch bis fehlerbehaftet, er paßt einfach nicht in standardisierte Schubladen. Allerdings hat er in 2011 dennoch die Qualitätsweinprüfung gewuppt. Späteren Jahrgängen wurde die „Ehre“ allerdings nicht mehr zuteil, deshalb prangt zukünftig der Lagenname nicht mehr auf dem Etikett, zumindest nicht als Klarname. Als ob es nichts Wichtigeres auf der Welt gäbe. Ist mir aber letztlich egal, entscheidend ist, was aus der Flasche rauskommt.

Ich könnte mir vorstellen, was zu der Bewertung „fehlerhaft“ geführt haben könnte: In der ersten Stunde nach dem Öffnen ist ein intensiver Sherry-Geruch wahrnehmbar, der in ähnlicher Form auch ein Indikator dafür sein kann, daß der Wein seine besten Zeiten bereits hinter sich hat. Das ist aber hier wohl kaum der Fall. Denn alle Fruchtaromen sind vorhanden, allerdings sind diese von recht reifer Natur. Äpfel und Birnen, später auch Bananen machen sich breit. Trotz der Opulenz sehr frisch wirkend. Schon in der Nase ist auch die kernige Mineralik zu spüren, etwas Tabak, anfangs auch etwas rauchig. Am Gaumen sind die Gerbstoffe aus den Schalen insbesondere in den ersten zwei Stunden sehr intensiv zu spüren. Trotzdem habe ich den Wein nicht karaffiert und würde es auch bei einer weiteren Flasche nicht tun, da man sich sonst um die sehr interessante Entwicklung des Weins über die Zeit bringt. Mit der geschmeidigen Säure kommen am Gaumen auch zitrusartige Aromen auf, der intensive mineralische Eindruck in der Nase setzt sich hier eindrucksvoll fort. Der Abgang fordernd und unendlich lang, im Laufe der Zeit samtiger werdend.

Zusammenfassend gesagt: ein sehr spannender Wein, absolut polarisierend, man liebt ihn oder lehnt ihn grundweg ab. Aber wenn man offen ist für geschmackliche Erfahrungen jenseits des Bekannten, sollte man sich so ein Fläschchen unbedingt mal gönnen. Oder besser mehrere und sie über den Lauf der Jahre beobachten.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Ich hatte es fast schon vermutet, daß der Wein sich im Laufe der Zeit mit Luft noch weiter positiv entwickelt. Anscheinend sollte man bei Orange Weinen die Regel befolgen, die Flasche nie gleich auszutrinken, sondern sich die Hälfte für den nächsten Tag aufzuheben.

Wie bei einem tanninreichen und hochwertigen Rotwein auch, oxidieren die Gerbstoffe und machen den Wein dabei deutlich weicher und zugänglicher, die Fruchtaromen treten etwas zurück, Vanille und Tabak treten mehr hervor, insgesamt wächst die Komplexität. Blind könnte man auch auf einen seidigen, aber dennoch gehaltvollen Rotwein tippen, kein Wunder, er ist ja letztlich in ähnlicher Weise gekeltert. Heute noch deutlich schöner als gestern, Klasse!

Neue Wertung: Nachkauf 3/3

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