Jesus aus dem Rheingau – Nachtrag 2

Noch ein Weinchen, das durch alle Raster fällt und deshalb „nur“ ein Landwein ohne Prüfnummer und Verschlußkappe ist, weil er wohl als untypisch gilt:

2011er Jesus – Riesling – Landwein, Weingut Ankermühle, Rheingau

Es gibt von der Ankermühle auch noch einen weiteren „Jesus“ mit grünem Etikett, der dann allerdings eine Prüfnummer hat und sich Qualitätswein nennen darf. Kommt auch noch irgendwann dran. Der Wein stammt in beiden Fällen von der Lage Winkeler Jesuitengarten. Intern im Weingut wird der Wein aus dieser Lage schon lange kurz nur „Jesus“ genannt, daher der Name auf dem Etikett. „Hölle“ und „Hase“ heißen aus ähnlichen Gründen so.

Dieser Jesus wurde 24 Stunden auf der Maische vergoren und dann 2 Jahre im Barrique ausgebaut. Das Etikett in der Farbe Orange weist auf den gewollten Typus hin. Tatsächlich ist der Jesus tief gelb, ins bernsteinfarbige gehend, aber nicht so orange wie manche andere Weine dieser Kategorie. Dafür ist alles andere orange: In der Nase kräftige und vielfältige Aromen nach Mandarine, reifer Pfirsich, Mandeln, etwas Quitte, Maracuja, opulent, aber nicht überladen! Die lange Zeit im Holz belastet die Aromen erstaunlicherweise gar nicht, da war ich anfangs doch eher skeptisch. Am Gaumen zuvorderst wieder die Mandarine, neben den oben genannten Aromen noch Mango, ein kräftiger Schuß Mineralik. Die 13,5 PS spürt man kaum, die Säure ist schön abgefedert und gibt dem gehaltvollen Wein eine erstaunliche Frische. Der Jesus scheint nicht ganz trocken zu sein (also nicht im kleiner 4 g/l RZ-Bereich), steht ihm aber äußerst gut.

Fans von „typischem“ Riesling sollten besser einen Bogen um diesen Wein machen, denn das ist er einfach nicht, dazu ist er einfach zu „orange“. Dann bleibt auch mehr für mich übrig! Denn ich liebe solche polarisierenden Weine, für mich ein ganz großer Riesling, auch wenn es offiziell nur ein Landwein ist.

Meine Wertung: 3

Nachtrag nach einem Tag mit Luft:

Die gelben Fruchtaromen treten etwas zurück, bittere Zitrusnoten nach Grapefruit und Bergamotte treten mehr hervor. Interessante Entwicklung, aber gestern war der Jesus etwas gefälliger am Gaumen und hat mir noch besser gefallen. Einen Schluck lasse ich noch für morgen übrig.

Zweiter Nachtrag nach 48 Stunden Luft:

Die bitteren Noten von gestern haben sich wieder verflüchtigt. Langsam setzen sich mehr Sekundäraromen durch, z.B. Leder. Aber auch Rosmarin. Bei den Fruchtnoten dominieren die Zitrusfrüchte, vor allem Blutorange. Wieder deutlich geschmeidiger am Gaumen.

Wahrscheinlich hätte der Jesus in den weiteren Tagen noch eine schöne Reise hingelegt, aber heute war er dann alle. Selten, daß ich mal einen Wein hatte, der zuerst etwas abbaut um dann neu zu kommen. Tut der Qualität insgesamt aber keinen Abbruch…

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