In Memoriam…

Eine Diskussion auf einem anderen Blog hat mir mal wieder vor Augen geführt, wie nahe in der Musik häufig Genie und Wahnsinn liegen. Ich habe den Eindruck, daß ein Gutteil der heute als genial bzw. wegweisend bewerteten Musik nie entstanden wäre, wenn die Musiker sich nicht zeitweilig oder beständig unter Zuhilfenahme verschiedenster Substanzen aus der Realität abgesetzt hätten. Nicht wenige haben ein bemerkenswertes Werk hinterlassen, haben aber dafür den Preis mit einem frühen Tod bezahlt.

Janis Joplin ist hierfür ein gutes Beispiel. In ihrer kurzen, aber heftigen Musikkarriere, die noch dazu von dauernden Umbrüchen gekennzeichnet war, hatte sie anscheinend niemanden um sich, der / die in geeigneter Weise durch tatsächliche Zuneigung Einfluß nehmen konnte, daß sie in ihrem no-limits-Leben ein paar natürliche Barrieren erkennen konnte. Statt dessen stieg mit dem musikalischen Erfolg die Tiefe der Depressionen, die letztlich zu ihrem Tod mit 27 Jahren führte. So jedenfalls die Essenz der Doku „Die letzten 24 Stunden von Janis Joplin“, die vor einiger Zeit in Arte zu sehen war.

Janis Joplin – Pearl

ist das letzte Album von Janis Joplin, welches sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mit der Full Tilt Boogie Band aufgenommen hat und das nicht ganz fertig wurde, da am Tag nach ihrem Tod noch ihre Stimme zu „Buried Alive in the Blues“ aufgenommen werden sollte. So bleibt dieses Stück instrumental. 4 x Platin bekam das Album von 1971 posthum in den USA, im Rest der Welt war es wohl nicht viel weniger erfolgreich.

Praktisch alle Stücke auf diesem Album kann man als legendär, als ungemein dicht, selbstbewußt und kraftvoll einstufen, als wollte sie mit der Musik einen Widerpart zu ihrem Leben schaffen. Wenn sie also zu der Zeit glücklich und zufrieden gewesen wäre, was wäre da wohl heraus gekommen? Vielleicht auch was Großes, aber sicher was ganz anderes.

Meine Wertung: 4

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