Der fünfte Werlitsch – Nachtrag 3

Nach dem Morillon (Chardonnay) war jetzt der

2012er Sauvignon Blanc vom Opok, Werlitsch, Steiermark

dran, sich im Glas zu bewähren.

Dazu eins vorweg: dies ist der erste Sauvignon seit langer Zeit, den ich blind nicht als solchen erkannt hätte. Die Herstellungsweise ist ja auch nicht so ganz alltäglich für einen SB. Der Wein wird immerhin einige Tage lang mit den Schalen eingemaischt und dann spontan im offenen Holzfaß vergoren und weiters für 2 Jahre im großen Holzfaß ausgebaut.

In der Nase ganz zu Anfang erst mal ein intensiver Geruch nach Silage. Und krass überreifes Gemüse. Und etwas Sherry. Da war klar: hier brauchen wir mal wieder etwas Zeit. Und zwar nicht nur ein paar Minuten oder Stunden. Was jetzt folgt, ist der Eindruck nach zwei (Gabriel-) Gläsern bzw. 1 1/2 Stunden. Nach etwa 15 Minuten dann ein Schwenk in der Nase zu nassen Steinen, eine deutlich erdige Komponente. Am Gaumen erste Anzeichen von überreifen Äpfeln. Wird schon…

Nach weiteren 15 Minuten sind die Äpfel etwas weniger reif, die Steine werden trockener, fast rauchig, Zesten einer Mandarinenschale tauchen auf, leicht bittere Bergamottenoten. Dabei schön trocken, angenehme, samtige Säure. Aber gewiss nichts für Sauvignon-Liebhaber, die genau das schmecken wollen, was sie erwarten. Auch sonst nichts für eingefahrene Weinnasen, hier muß man akzeptieren, daß man was völlig anderes ins Glas bekommt.

Nach 90 Minuten dann bereits eine deutlich fruchtige Nase nach Ananas, Papaya, noch die Mandarine und etwas Rauch. Am Gaumen ist die Säure jetzt etwas präsenter, die Zitrusaromen machen sich stärker bemerkbar. Und jetzt macht sich auch die Opok-Mineralik das erste Mal deutlicher bemerkbar. Insgesamt immer noch ein deutlich reduktiver Charakter, da geht also noch was…

Schaut wieder so aus, als ob der Wein jetzt gerade am Anfang einer interessanten Reise steht. Fortsetzung folgt!

Meine aktuelle Wertung: 2

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Immer noch keine Spur von typischer Sauvignon-Aromatik. In der Nase frische Äpfel, Marille und eine kernige Säure, etwas Limette vielleicht, nix mehr von überreifen oder welken Bestandteilen. Am Gaumen noch Johannisbeere, schön mineralisch, zupackende Säure, sehr lang am Gaumen. Leichte Bitterkeit, aber nicht unangenehm. Nach wie vor sehr schön, ich bin schon gespannt auf die weitere Entwicklung!

2. Nachtrag nach 48 Sunden mit Luft: Das mit dem typischen Sauvignon wird wohl nix mehr. In der Nase entwickelt sich der Wein deutlich in die burgundische Richtung. Am Gaumen erste phenolische Noten, etwas Leder, aber nur ganz leicht. Die Äpfel reifen wieder etwas, ein paar Rosinen kommen zum Vorschein, auf der saueren Seite Andenbeeren. Bis jetzt hat sich der Wein stetig nach oben entwickelt. Ich habe noch was…

3. Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: Seit gestern hat sich so drastische Veränderung mehr ergeben. Die Sekundäraromen treten wieder etwas zurück. Dafür kommen ein paar leichte Zitrusaromen zum Vorschein, das macht ihn heute frischer als gestern. Schade, daß die Flasche jetzt leer ist, der Wein war mit seiner Entwicklung sicher noch nicht am Ende. Es ist schon erstaunlich, welche Reiselust durch die Aromenvielfalt die Werlitsch-Weine allesamt entwickeln, wenn sie erst mal offen sind. Wehe, wenn sie losgelassen…

Ich schraube die Wertung doch noch etwas hoch:

Meine finale Wertung: 3

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