GR – Weißwein des Jahres 2008 – Nachtrag

Um die Jahreswende 2007 / 2008 hatte ich die Gelegenheit, die damaligen (italienischen) Weine des Jahres aus dem Gambero Rosso 2008 zu probieren. Ich habe damals dann ganz begeistert 6 Flaschen gekauft (mehr gab’s nicht, max. 3 Flaschen pro Person, Dario Raccaro machte damals insgesamt max. 25.000 Flaschen im Jahr, wahrscheinlich ist es auch heute nicht viel mehr). Die ersten 5 Flaschen sind im Laufe von 3 bis 4 Jahren von uns gegangen, die letzte Flasche habe ich dann für bessere Zeiten beiseite gelegt. Die sind heute spontan angebrochen und so wurde der

2006er Tocai Friulano – Vigna del Rolat – Collio DOC, Raccaro, Friuli

von seinem ellenlangen Korken befreit. Der Vigna del Rolat ist kein Leichtgewicht, seine 15 PS deuten schon unmißverständlich an, daß man es nicht mit einem leichten Sommerweinchen zu tun hat. Das war schon in jungen Jahren so und ich konnte mir nicht vorstellen, daß der Wein mit der Zeit leichter wird.

Die sehr intensive Bernsteinfarbe kündigt bereits an, was da auf einen zukommt. In der Nase als allererstes Honig – Thymianhonig. Dick und fett. Dazu Kümmel und Rosmarin. Etwas Nelke. Auf der fruchtige Seite Quittengelee und Pfirsichkompott. Alles sehr opulent, leicht phenolig, aber doch nicht belastend, eher betörend. Am Gaumen dann Leder, das oben beschriebene Kompott, etwas Rauch. Sehr trocken, aber mit gehöriger Extraktsüße, die aber von der immer noch präsenten Säure gut im Zaum gehalten wird. Wie gesagt, absolut kein leichter Sommerwein, aber auch kein Wein, der einen mit seiner schieren Kraft erschlägt. Man nimmt automatisch kleinere Schlucke und genießt die komplexe Struktur immer wieder aufs Neue. Dabei hat man jeweils zwei bis drei Minuten Zeit, sich an dem Wein zu freuen. Inclusive einer ganz leichten Bergamotte-Bitterkeit.

Von der geschmacklichen Intensität her geht der Vigna del Rolat schon ein bißchen in Richtung Gewürztraminer, allerdings sind mir solche Weine rebsortenrein in der Regel dann doch too much. Dieser Tocai Friulano schafft es dagegen, trotz aller Intensität eine gewisse Eleganz zu behalten. Absolut kein Schüttelreflex. Nicht unbedingt was für jeden Tag, aber für ein / zwei Mal im Jahr absolut genial.

Meine Wertung: 2

Ob der 2006er jetzt ein Ausnahmejahrgang war oder ob die Qualität und Stilistik der jüngeren Jahrgänge ähnlich ist, weiß ich allerdings nicht.

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Statt Thymian- jetzt eher Edelkastanienhonig. Insgesamt einerseits noch ein bißchen intensiver, dafür aber auch etwas cremiger. Das leichte Bitterchen beim Abgang ist weg. Immer noch gleiches Niveau, vielleicht sogar geringfügig besser…

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