Hochamt light – Nachtrag

Nach dem Domkapitel gab es heute mal den Kapitel I. Kostet weniger als die Hälfte. Ist er dann auch nur halb so gut? Im Glas war der

2011er Rotweincuvée – Kapitel I – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

der eine Cuvée aus Zweigelt und Cabernet Franc ist. Wobei Zweigelt ja nicht unbedingt eine meiner Lieblingstrauben ist. Aber wie ich schon so oft erfahren konnte, muß das nichts heißen, denn ein guter Winzer kann eigentlich aus jeder Traube was Großes machen.

Farblich ist der Kapitel I relativ hell, könnte fast als Spätburgunder durchgehen. In der Nase Kirsche, ein bißchen Brombeere, etwas reife Pflaume, auch Johannisbeere, Lakritz und etwas Kakao vom Holz. Am Gaumen das Gefühl von 14 Umdrehungen, sind aber nur 12,5 PS drin. Wie bei den meisten Tschida-Weinen. Juxigerweise sind die Tannine anfangs gar nicht zu spüren, nach einer viertel Stunde machen sie sich dann deutlich bemerkbar und führen dann zu diesem fast krampfartigen Gefühl im Unterkiefer, nach ca. einer Stunde ist das aber wieder komplett vorbei. Dann entwickelt sich langsam die samtige Seite des Kapitel I. Er hat dann eine wunderbare und prägnante Säure. Dazu einige kräuterige Noten. Der lange Abgang offeriert ein paar schöne Grapefruitnoten, das finde ich bei einem Rotwein doch eher selten.

Ich denke, der Wein entwickelt sich noch mit Luft, daher habe ich etwas übrig gelassen, vielleicht gibt es einen Nachtrag.

Wer jedenfalls versucht, die Charakteristika von Zweigelt oder Cabernet Franc herauszuschmecken, der wird sich wahrscheinlich schwer tun. Der Wein hat deswegen möglicherweise einen nicht einfachen Stand, weil er schwer einzuordnen ist. Also nichts für Traditionalisten. Ich finde ihn bis jetzt sehr interessant, er verliert aber doch deutlich gegenüber dem Domkapitel. Allerdings ist der auch mehr als doppelt so teuer. Dennoch würde ich, wenn die roten Tschida-Bestände alle sind, wohl eher wieder beim Domkapitel zugreifen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Ein Tag offen schadet dem Kapitel I nicht. Die Gerbstoffe werden ein bißchen weicher, keine Entwicklung von unangenehmen Bitterstoffen, etwas Grapefruitzesten im Abgang. Sonst keine signifikante Änderung. Nach wie vor ein schöner Wein.

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