Hauptsache Bio

Eigentlich wollte ich ja nichts über diesen vergorenen Traubensaft schreiben, obwohl ich ihn neulich auch tapfer probiert habe. Aber das Thema Biowein kam noch ein paarmal auf und jetzt habe ich mir gedacht, daß ich das mal als Anlaß nehme, mich über das Thema „Biowein aus Bioläden“ generell mal ein bißchen auszulassen. Wir hatten einen sizilianischen Fiano im Glas, aber jemandem in der Runde war der Fiano „zu anstrengend“. Ok, kein Problem, die Geschmäcker sind schließlich verschieden. Deshalb wurde dann aus den Fremdbeständen noch eine Literflasche hervorgezaubert, die dann in Konkurrenz zum Fiano stand. Der wurde dann auf der anderen Seite des Tisches als „echt lecker“ bezeichnet. Vor allem aber ist das ein Biowein aus dem Bioladen im Ort! Das war natürlich auch ganz wichtig!

Es handelte sich um den

2014er Becco – Chardonnay, Cooperativa Olearia Orsogna, Italia (Abruzzo?)

der wohl vornehmlich in Bioläden verkauft wird. Ist also kein Discounterwein, auf dem das Bio-Label groß prangen muß, denn im Bioladen gibt’s ja eh nix anderes als Bio. Hoffentlich. Und da Bio ja per se gut ist, muß natürlich auch der Wein gut sein.

Auf dem Rückenetikett steht übrigens beschrieben, daß „Becco“ Schnabel heißt und daß man für die Rebsortenweine die Erzeuger nach speziellen Qualitätsstandards „herausgepickt“ hat. Ausgebaut wurde der Wein durch die Cooperativa Olearia Orsogna, welche in den Abruzzen liegt. Der Wein selbst muß aber nicht unbedingt von da kommen, sonst würde ja nicht nur „Wein aus Italien“ drauf stehen. Dann heißt es noch:

Ein sortentypischer Weißwein mit tropischen Fruchtaromen. Dieser Chardonnay zeigt sich als ausdrucksstarker und stilvoller Genußwein.

Dann noch das Öko-Label und der Hinweis auf insgesamt 11 Umdrehungen. Und der Wein kommt in einer Mehrwegflasche. Was ich persönlich jetzt als positiv empfinde. Aber 11 PS bei einem Chardonnay? Da würde ich jetzt eher auf nicht ausgereifte Trauben tippen. Oder halbtrocken ausgebaut? Und tropische Aromen beim Chardonnay?

Genug gerätselt: Im Glas ist der Wein farblich unauffällig, ein relativ helles Gelb. Die Nase erinnert eher an einen mittelmäßigen Sauvignon, da einige grasige Töne aufsteigen. Also doch kein reifes Lesegut? Viel mehr gibt die Nase nicht her. Am Gaumen dann ebenfalls zuvorderst die eher grasigen Töne. Ein bißchen Johannisbeere vielleicht noch, aber mit einem künstlichen Fruchtbonbon-Touch. Recht trocken, wenig Extrakt, aber wenigstens eine schön frische Säure. Insgesamt aber einfach dünn und sehr simpel strukturiert. Zum Glück dauert der Abgang nur ein paar Sekunden.

Ich habe mich dann nach zwei Schlucken wieder dem Fiano zugewandt und war dann wieder glücklich.

Nicht daß ich jetzt was gegen Bio hätte. Ganz im Gegenteil. Aber es gibt hier mittlerweile bei vielen Leuten so eine Einstellung, daß kritiklos alles, auf dem „Bio“ draufsteht, eingeworfen wird und es damit automatisch das Nonplusultra ist. Auch wenn’s fast nix kostet, bei Bio ist automatisch immer alles super. Aber man kann alles gut und schlecht machen. Auch und gerade Bio. Und hier haben wir -meiner Meinung nach- ein eher beschämendes Beispiel für ein Lebens- und Genußmittel, an das ja eigentlich eine gewisse Erwartung geknüpft wird.

Ich brauche sowas jedenfalls nicht und freue mich auf den nächsten Biowein, der wirklich Spaß macht! Aber den bekommt man eben nicht im Bioladen (hab‘ hier extra nachgeschaut). Geht lieber zum Winzer oder zum Fachhandel!

Meine Wertung: 0

Aber den Mehrweggedanken finde ich gut!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s