Nochmal Arschjahr, diesmal in Rot… – Nachtrag

So, jetzt nochmal ein Wein aus dem Bashing-Jahrgang 2010, aus dem ich persönlich bis jetzt keinen schlechten Wein getrunken habe. Vielleicht kaufe ich ja einfach bei den falschen Winzern ein. Aber vielleicht schaffe ich es ja heute endlich mal, mit dem

2010er Spätburgunder – S, Meyer-Näkel, Ahr

einen richtig schön mißlungenen Wein ins Glas zu bekommen.

Der „S“ hat eine Maischestandzeit von bis zu 3 Wochen. Der Ausbau erfolgt komplett in Barriques, wobei jeweils zur Häfte neue und gebrauchte Fässer verwendet werden.

Im Glas eine schöne Spätburgunderfarbe, bei genauem Hinsehen kann man erste leichte Brauntöne erkennen. In der Nase gleich ein sehr opulenter Duft nach den unvermeidlichen Kirschen, aber auch Heidelbeere und Granatapfel. Dazu Kakao, Vanille, Nelken und etwas Muskat aus dem oben beschriebenen Holzeinsatz, sehr fein dosiert. Ein paar florale Noten noch ergänzen die ausnehmend schöne Nase. Am Gaumen anfangs eine leichte Bitterkeit, die jedoch nach ca. 20 Minuten im Glas vollständig verflogen ist. Danach bleibt geschmacklich eine samtig elegante Mischung aus den oben genannten Aromen, von denen keine danach trachtet, die Oberhand zu gewinnen. Nach einiger Zeit ein leichter Touch ins kompottige. Die Tannine von Beginn an ziemlich zahm, sehr trocken, eher wenig, aber schön strukturierte Säure. Es braucht auch gar nicht so viel davon, weil die schöne Balance der an sich sehr intensiv vorhandenen Frucht- und Holzaromen den Wein so schon von sich aus sehr geschmeidig am Gaumen macht.

Mist, jetzt wird das wieder nichts mit dem 2010-Bashing. Jetzt weiß ich leider nicht, wie sich die anderen Jahrgänge dieses Weins so zeigen. Aber wenn der hier laut CaptainCork-Jahrgangstabelle zum wegschütten ist, dann müßten die anderen Jahrgänge ja wahrhaft göttliche Gewächse sein. Das einzige, was man dem Wein vielleicht ankreiden könnte, wäre, daß er jetzt nach 5 Jahren sachte anfängt, die ersten Alterungstöne zu entwickeln. Aber sonst…

Na ja, ich werde mich wohl damit abfinden müssen, daß ich mit der 2010er-Erfahrung der Weinwisser-Elite diesbezüglich nicht mithalten kann…

Meine Wertung: 2

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: Ich lasse ja häufig ganz bewußt etwas in der Flasche zurück, um nach einiger Zeit nochmal zu probieren, ob und was sich am Geschmack entwickelt hat. Je nachdem, wie ich das Entwicklungspotential einschätze, ist das mal mehr, mal weniger. Ich habe auch schon Weine gehabt, die ich bewußt in 4 Etappen probiert habe. Da ist dann Disziplin gefragt…

Der „S“ hat mich nun insofern erstaunt, als daß er innerhalb der 2 Tage mit Luft in der Flasche eine Reifung hingelegt hat, für die er in geschlossenem Zustand wohl noch einige Jahre benötigt hätte. Die Farbe ist deutlich mehr durch Brauntöne geprägt. Die Frucht ist deutlich zugunsten der Sekundäraromen zurückgetreten. Aber es hat sich keine störende Bitterkeit oder sonst irgendein „abgestandenes“ Aroma gebildet. Nach wie vor vielschichtig und elegant, langer samtiger Nachhall. Schmeckt jetzt einfach wie ein guter, gereifter Spätburgunder. Ich weiß natürlich auch hier nicht, ob das bei den anderen Jahrgängen des „S“ ebenso ist. Jedenfalls ist es schön, diese interessante Entwicklung mit zu verfolgen.

Werbeanzeigen

2 comments on “Nochmal Arschjahr, diesmal in Rot… – Nachtrag

  1. Tja Pech (oder Glück) gehabt und das 10er Desaster schon wieder nicht erlebt.
    Geht mir eigentlich auch so, allerdings hab ich aus 2010 nur wenig deutschen Wein getrunken (bei mir hatte der Captain wohl mehr Erfolg mit seiner „bloß nichts davon kaufen Warnung“). Und alles aus Frankreich (Burgund, Rhone, Loire, Bordeaux,.. ) was ich aus 2010 getrunken und noch im Keller hab, ist schon sehr geil 😉 .
    PS: Der 04er One-Point-Five von Shafer war heute Abend nach immerhin 11 Jahren auch noch ziemlich jugendlich und passend zum Rip-Eye 🙂 .

    Liken

    • Moin moin,
      jemand hat mal gesagt, daß die allgemein als schlecht bzw. „schwierig“ titulierten Jahrgänge einfach die Spreu vom Weizen scheiden. Gute und engagierte Winzer machen so ziemlich aus jedem Jahrgang was Schönes, wenn auch nicht immer das Gleiche. Vor Allem ist das Ganze dann in der Regel mit immens viel mehr Arbeit verbunden, wie es mir mal von Stephan Sölva aus Kaltern erläutert wurde. Bei den hochpreisigeren Tröpfchen ist das kalkulatorisch dann eher machbar als bei der Basisware, und die säuft dann halt qualitativ ab. So sinngemäß die Worte von Hr. Sölva.
      Meinen letzten Ami habe ich -glaube ich- 2009 getrunken. Als ich damals in Amiland war…
      Schöne Woche!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s