C9dP in weiß

Mit Châteauneuf-du-Pape habe ich auch lange Zeit ausschließlich die Farbe Rot verbunden. Aber es gibt auch weiße, wenn auch nur ca. 6 % der Gesamtproduktion oder so. Ich hatte dieses Weinchen früher schon mal im Glas und habe einen Freund, der jetzt in Frankreich unterwegs war, gebeten, mir nach Möglichkeit wieder ein paar Fläschchen davon mitzubringen, was er dann auch getan hat. Ich habe ein bißchen überlegt, ob ich den

2014er Châteauneuf-du-Pape Blanc – Cuvée Roussanne, Patrice Magni, Rhône

jetzt schon aufmachen soll, denn ich dachte, daß es jetzt eigentlich zu früh für diesen Wein sein könnte. Aber dann habe ich mir gedacht „Was soll’s!“, ich habe ja schließlich nicht nur eine Flasche davon. Einen weißen C9dP kann man ja aus einer ganzen Menge an Rebsorten machen: Bourboulenc, Clairette Blanc, Grenache Blanc, Oeillade Blanc (aka Picardan), Piquepoul Blanc sowie aus der vom weißen Hermitage bekannten und eher seltenen Roussanne, aus der dieser Wein reinsortig gemacht ist. 1.200 Flaschen gab es davon. Wer weiß, wieviele davon noch übrig sind. Das habe ich mich übrigens schon mal gefragt: Ob ich tatsächlich von irgendeinem Wein schon mal die allerletzte Flasche überhaupt getrunken habe. Ich denke, ich werde es nie erfahren. Schade eigentlich…

Schönes Goldgelb im Glas. In der Nase gleich ein recht opulenter und komplexer Duft nach einem ganzen Früchteladen. Reife Ananas, Marula, sehr reife Kochbanane und Rosinen, Gewürzstrauß mit Nelke, Zimt und Anis, Löwenzahn und ein paar glasierte Nüsse. Da weht einen der Geruch schon fast weg. Am Gaumen kommen auch zusätzlich ein paar Bratäpfel und Williams-Christ-Birnen durch. Viel Säure findet man vordergründig nicht bzw. sie wird durch die 14,5 Umdrehungen und den ordentlichen Extrakt ziemlich in Schach gehalten. Oder sie wirkt sehr ausgleichend, wie auch immer. Jedenfalls flutscht der Wein runter wie Öl. Auch die holzbedingten Aromen sind spürbar, aber relativ zum Gehalt doch wohltuend dezent. Dieser C9dP ist ein ziemliches Kaliber, es macht einem aber nichts aus. Zumindest mir nicht. Nicht mal bei der Wärme gestern Abend. Von der Trinktemperatur her stehen ihm 13 bis 14 °C deutlich besser als die Kühlschranktemperaturen von unter 10 Grad. Der Abgang ist mittellang und befriedigt einen vornehmlich mit der exotischen, reifen Fruchtaromatik.

Ich bereue es in keinster Weise, daß ich jetzt schon ein Fläschchen geopfert habe, auch wenn der Wein noch ein bißchen ungestüm wirkt. Die anderen Flaschen werde ich mal ein paar Jahre liegen lassen, die ein oder andere Kante schleift sich da sicher noch ab. Aber eins weiß ich jetzt schon:

Meine Wertung: 3

2 comments on “C9dP in weiß

  1. Salut,
    der weiße C9dP klingt spannend und zeigt auf, dass auch „größere“ Weine ganz jung, in der Fruchtphase Spass machen können – meist machen die dann aber nach eins, zwei Jahren zu und dann ist warten angesagt….
    Interessant, dass Dir der Wein so gut gefallen hat, ist ja auch von Deiner Beschreibung auf der „schwereren Seite“. Geht mir aber auch so, dass ich mich für strahlig frische Chenins von der Loire genauso begeistern kann wie für mache „fetteren“ Chards aus Kalifornien – alles zu seiner Zeit 🙂
    Hast Du auch ein paar rote C9dP von Deinem bekannten mitgebracht bekommen?

    Bin auch schon gespannt welche Weine am 15.08. dabei sein werden – hab schon eine Vorauswahl getroffen, bin mir aber noch nicht ganz sicher, was es endgültig werden soll.

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    • Bei weißen Stöffchen funktioniert das mit dem jungen Genuß nach meiner Erfahrung deutlich besser als bei den Roten, letztlich bleibt’s aber immer eine Einzelfallbetrachtung. Hier hat’s gut funktioniert. Mal sehen, wieviel Disziplin ich aufbringen kann was die Öffnung der nächsten Flasche angeht…
      Roten C9dP habe ich noch im Keller, da war jetzt kein Neuzugang zu verzeichnen. Kommt auch irgendwann unter den Hammer…
      Was ich mitbringe, weiß ich noch nicht. Sicher nichts aus Franken, wenn wir eh‘ bei einem fränkischen Weingut aufschlagen. Österreich wird vielleicht auch schon von der Gastgeberseite ins Spiel gebracht. Zu polarisierend soll’s dann auch nicht sein, wenn man die Leute (und ihren Geschmack) noch nicht wirklich kennt. Also nix oranges oder so. Und zu exotisch auch nicht, also kein Usambara aus Tanzania (hab‘ ich eh nix mehr). Ich weiß es echt noch nicht, wird wahrscheinlich am 15. vormittags eine spontane Entscheidung…
      Jetzt werde ich mich dann mal langsam in Richtung zu zwei Weinproben aufmachen…

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