Zum 300. Beitrag ein Kaminfeuerwein

Vor langer Zeit habe ich einmal einen 1993er Orgno als Geschenk bekommen. Der Wein hat mich damals so nachhaltig beeindruckt, daß ich ihn immer mal wieder kaufen wollte, aber der entsprechende Weinladen in München existierte beim Wiederbeschaffungsversuch auf einmal nicht mehr. Und der Internet-Online-Handel war wohl auch noch nicht wirklich etabliert. Ca. 10 Jahre später war ich dann mal direkt mit dem abgelösten Etikett des 1993er bei Fasoli in San Zeno di Colognola ai Colli und habe tatsächlich einige Flaschen

2003er Orgno – Rosso Veronese IGT – Merlot, Gino Fasoli, Veneto

bekommen, obwohl er eigentlich noch gar nicht im Verkauf war. Ich mußte aber hoch und heilig versprechen, daß ich ihn mindestens noch 6 Monate lang nicht öffne und ich habe den Rat dann auch brav befolgt.

Die Trauben werden für 80 Tage an Drahtgestellen aufgehängt und getrocknet, bevor sie in Stahltanks vergoren werden. Danach wird der Wein ca. ein Jahr in französischen Eichenfässern ausgebaut.

Vorweg gesagt: Der Wein hat amtliche 16 PS, die halten, was sie versprechen. Demzufolge sollte man nach dem -vornehmlich mindestens zweisamen- Genuß nichts Wesentliches mehr vorhaben. Dieser Wein fordert, er ist nicht unbedingt was für Weicheier. Das mag ich nicht alle Tage, aber manchmal höre ich statt Jazz auch gerne mal Schwermetall gehobener Qualität. Für solche Gelegenheiten ist der Orgno gut geeignet.

Im Glas eine schöne dunkle Farbe mit mittlerweile leichten braunen Reflexen am Rand. In der Nase gleich sehr opulent nach reifen Zwetschgen, Rosinen und Rumtopf duftend. Man wird vom Geruch schon leicht benebelt. Dazu braune Gewürze wie Nelke, Muskat und Sternanis, auch Tabak, dunkle Schokolade mit Mandeln. Am Gaumen dann sehr geschmeidig, fast samtig. Doch die pure Kraft ist dennoch ständig präsent. Die Tannine sind butterweich, die Früchte nach 12 Jahren immer noch sehr weit oben in der Hierarchie. Zwar etwas auf der marmeladig-kompottigen Seite, aber das habe ich ja eigentlich auch erwartet. Weiters Leder und die oben erwähnten Gewürze. Es ist zwar auch ein bißchen Säure spürbar, aber der alkoholischen Fülle kann sie nur wenig entgegensetzen. So kann man von Frische bei diesem Wein eher nicht sprechen. Dennoch muß man aufpassen, daß man nicht doch zu viel von diesem Stoff abbekommt, denn aufgrund der fast schon cremigen Struktur läuft er recht gut runter. Der Abgang ist nicht ganz so opulent wie das Gefühl am Gaumen und offeriert hauptsächlich die Zwetschge gepaart mit der ledrigen Note, das dafür aber ziemlich lange.

Auch wenn der Orgno nach wie vor ein sehr sehr schöner Wein für besondere Gelegenheiten ist, hat sich mein Geschmack in den Jahren doch etwas verändert bzw. entwickelt, daher heute nicht mehr die Höchstnote, die ich vor 10 Jahren wohl noch vergeben hätte. Dennoch werde ich mir davon wohl noch mal ein paar Fläschchen in den Keller legen.

Meine Wertung: 2

Nachtrag hinsichtlich der Benotung: Bezogen auf den Preis von 32 Euronen, den ich seinerzeit ab Hof bezahlt habe, dachte ich mir -wie oben schon beschrieben- ich könnte mir mal wieder ein bis zwei Fläschchen davon gönnen, deshalb auch die „2“. Dann habe ich mal gesucht, wo ich den Wein bestellen könnte. Dabei zeigte sich dann, daß die heute verfügbaren Jahrgänge 2006, 2007, 2008 mittlerweile im Bereich zwischen 50 und 60 € kosten. Ich denke, dann lasse ich es doch lieber…

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2 comments on “Zum 300. Beitrag ein Kaminfeuerwein

  1. Hallo Erich,
    Respekt: 300! Zum Jubiläum erstmal herzlichen Glückwunsch.
    Der Orgno erinnert mich an den Lamarein von Josephus Mayr aus Bozen – auch ein spannender Wein im Amarone-Stil. Hast Du den schon mal probiert?

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    • Vielen Dank!
      Ich bin selber ein bißchen verwundert, daß das so schnell so viel geworden ist, ich mache den Schmarrn ja gerade mal ein dreiviertel Jahr lang. Aber es läuft einfach so ganz unaufgeregt aus den Fingern raus…

      Der Lamarein steht schon auf meiner langen Wunschliste, aber probiert habe ich ihn noch nicht, vielleicht schaffe ich es bei meinem nächsten Südtirol-Trip…

      Von Fasoli habe ich noch einen Calle im Keller, ist ein ähnliches Geschoß. Mal sehen, wann sich dafür eine Gelegenheit ergibt. Und ein paar Amarones gibt’s auch noch!

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