2. Weinrunde in / um München

Letzten Freitag fand nun die zweite kleine Weinrunde in bzw. um München statt. Diesmal in etwas verkleinerter Runde, aber es ist ja auch Urlaubszeit. Wiederum vielen Dank an den Organisator Manuel, der auch den kleinen Weinhandel Casa do Vinhos betreibt und diesmal die Lokalität zur Verfügung gestellt hat. Und natürlich auch wieder an die anderen Teilnehmer, die sehr schöne und interessante Sachen mitgebracht haben.

Wir waren diesmal insgesamt 5 Personen, von denen jeder eine beliebige Flasche Weißwein im Preissegment von 8…20 EUR mitbringen sollte, die ihm bzw. ihr selbst nicht bekannt waren. Alle Weine wurden wieder blind verkostet und auch erst ganz am Ende der Verkostungsreihe ausgepackt.

Wir haben dann jeweils probiert, unsere Eindrücke geschildert und eine Einschätzung abgegeben, um was es sich jeweils handeln könnte. Es war diesmal nicht unbedingt einfacher als letztes Mal, aber insgesamt waren wir dann wohl doch ein bißchen näher an der Gesamtwahrheit. Es gab aber auch einige schöne Aha-Erlebnisse.

1. Wein: 2014er Chardonnay – Chablis AC, Domaine Fèvre, Bourgogne

20150807_225426

In Glas zeigt sich der Basis-Chablis der Domaine Fèvre mit einem dunkleren Strohgelb. In der Nase dann anfangs reife Äpfel und Birnen, weißer Pfirsich, Exotik in Richtung Maracuja und Mango, etwas Wassermelone, leichte kräuterige Note sowie bereits hier eine leichte Mineralität. Am Gaumen ebenfalls die Äpfel, dezent Limette mit einem spürbaren Bitterchen, etwas Kaugummi. Dabei eine moderate Säure und auf jeden Fall holzfrei. Später dann auch deutlich Banane und Pfirsich, der Kaugummi hat sich verzogen. Die 12,5 Umdrehungen sind weniger als ich erwartet hätte.

Habe ich anfangs aufgrund des Geschmacks am Gaumen gar nicht als Chardonnay gesehen, ich war eher auf der Spur eines alpinen Grau- oder Weißburgunders. Erst beim späteren Nachverkosten war er dann deutlicher als solcher erkennbar. Für mich kein ganz typischer Chablis, was aber nichts Schlimmes ist. Weil halt Chablis auf der Flasche drauf steht, kostet er auch 17 Euronen, was nicht wirklich günstig für die Qualität ist. Hat aber dennoch Spaß gemacht!

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

2. Wein: 2013er Weissburgunder – Meersburger Sängerhalde – 1 Lilie – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

20150806_152044

Der Weißburgunder ist im Glas schon recht dunkel, von der Farbe irgendwas zwischen Stroh- und Goldgelb. In der Nase anfangs reife Äpfel, Pfirsich, Jostabeere, etwas Heu und Löwenzahn, Thymian sowie nasse Steine. Etwas Muskat läßt auf leichten Holzeinsatz schließen, ich vermute mal, daß der Wein im großen Holzfaß ausgebaut wurde. Die Fruchtigkeit in der Nase nimmt mit der Zeit ab, dafür kommen dann Sekundäraromen wie Leder und Tabak zum Vorschein. Am Gaumen fiel mir zuerst das große Holzfaß auf: Lakritze und Nelken, zwar dezent, aber doch. Die Früchte muß man ein bißchen suchen, aber man findet dann Quitte, Pfirsich, frittierte Kochbanane. Später kommt auch hier das Leder stärker zum Vorschein. Der Wein hat nur mäßig viel Säure zu bieten, wirkt aber dafür sehr cremig, was wiederum die 13,5 PS etwas im Zaum hält.

Da ich die Aufricht’sche Stilistik ja schon etwas kenne, war ich mir relativ sicher, daß dies „mein“ Wein war und hatte ja dann auch Recht behalten. Interessanterweise gab es zu diesem Weißburgunder auch Stimmen, die hier einen deutschen Wein klar ausgeschlossen haben. Für 13 € aus meiner Sicht ein sehr schöner Wein, es gibt aber von Aufricht in der Kategorie noch etwas schönere Sachen, daher

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

3. Wein: 2014er Philipp Cuntz – Schweigen – trocken – Qw, Scheu, Pfalz

20150807_225411

Nein, dies ist keine Scheurebe von Philipp Cuntz, sondern ein Wein aus der Rebsorte Philipp Cuntz vom Weinhof Scheu, die es anscheinend ausschließlich dort gibt und nach ihrem Züchter aus Schweigen benannt ist.

Im Glas zeigt der PC ein trübes Stroh- bis Goldgelb, der Wein wurde wohl nicht filtriert bzw. geschönt. In der Nase anfangs recht reduktiv, Pepperoni und grüner Pfeffer, Thymian und Rauch dominieren. Erst später entwickelt sich eine schöne Fruchtaromatik mit Birnen, Quitte und noch etwas Salbei, die jedoch die anfängliche Sekundäraromatik nicht komplett beiseite schiebt. Am Gaumen anfangs eher feinherb wirkend, zieht sich ein pelziges Gefühl wie beim Auslöffeln einer frischen Maracuja durch den Mund. Weiters kann man etwas Pfirsichkompott mit Zimt, ein paar grüne Fenchelnoten und Heu entdecken. Später entwickelt sich der PC etwas mehr zur fruchtigen Seite, die oben beschriebene Pelzigkeit und der Fenchel sind komplett verschwunden, dafür erscheinen noch Trüffel und Erikahonig. Auch die anfangs etwas vordergründige Süße entwickelt sich zur geschmeidigen Seite hin. Die Säure ist deutlich, aber schön eingebunden, die 12,5 % Alkohol passen zum Geschmack.

Ich denke, es braucht sich keiner schämen, daß er -bzw. sie- den Wein nicht erkannt hat. Ich fand dies den mit Abstand interessantesten und eigenständigsten Wein des Abends, nicht nur weil er aus einer absoluten Außenseiterrebe gekeltert wurde. Und kostet auch nur ca. 9 Euronen. Muß ich mir auch mal besorgen und über mehrere Tage verkosten.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

4. Wein: 2013er Chardonnay – Wild Yeast – WO Robertson, Springfield Estate, Breede River Valley

20150807_225345

Dieser Chardonnay zeigt sich mit einer goldgelben Farbe im Glas und macht sich in der Nase gleich sehr opulent bemerkbar. Wobei jedoch grüner Paprika und Sauerkraut die dominierenden Aromen neben Papaya, Mango und Honig sind. Etwas Rauch ist auch dabei. Am Gaumen dann sehr würzig mit Aromen wie Nelke, Sternanis, Spekulatius, gebräunte Butter, Rote Eßbanane, Apfelstrudel mit Zimt, Kastanienhonig. Wenig Säure, ein bißchen phenolisch. Schmeckt nach mehr als die tatsächlichen 13 PS.

Daß es ein Chardonnay ist, war naheliegend. Jeder von uns war sich sicher, daß da deutlich Holz im Spiel ist, jedoch ist der Wild Yeast tatsächlich gemäß Angabe auf der Website des Weinguts im Betontank ausgebaut. Und spontanvergoren, worauf der Name ja schon hinweist.

Für 13 Euro bekommt man hier viel Wein für’s Geld, wenn’s mir auch schon fast zu viel war. War vielleicht auch den Temperaturen geschuldet, zum Nachkaufen hat’s jedenfalls nicht gereicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

5. Wein: 2012er [Cuvée] – Ficha de Cata – Rías Baixas DO, Terras Gauda, Galicia

20150807_225331

Dieser Wein aus Galizien besteht gemäß Angabe auf der Website des Weinguts aus 70% Albariño, 18% Loureiro und 12% Caíño blanco. Zumindest gilt das für den 2014er, für „unseren“ Wein wird das wahrscheinlich mindestens ähnlich sein.

Auch was Goldgelbes im Glas, auch gleich sehr opulenter Geruch, Nelke, Leder, Kastanienhonig, sehr reife Birne, Banane, später auch etwas Tabak, insgesamt sehr kräftige Holzaromatik. Am Gaumen spürt man gleich den sehr hohen Extrakt in Form von Karamellbonbons und Quittengelee, aber auch Blutorange mit ein paar Bittertönen. Feuchte Steine, eine einigermaßen kräftige Säure, die dem recht trockenen Wein bei aller Kraft doch eine gewisse Frische verleiht.

Auch hier viel Wein für’s Geld (12 Euro), aber irgendwie dann doch nicht so ganz meine Richtung, dennoch eine schöne Erweiterung meines Weinhorizonts.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

6. Wein: 2004er Traminer – Beerenauslese – Pw, Feiler-Artinger, Neusiedlersee-Hügelland

20150807_225312

So quasi außer Konkurrenz, weil wir ja nur zu fünft waren, gab es zum Abschluß noch was Süßes. Gewürztraminer und Süßweine an sich sind ja in der Regel nicht so mein Fall, aber ich wurde ja schon öfters auch mal eines Besseren belehrt.

Wie sich das für eine Beerenauslese so gehört, ist die Farbe schon sehr gelb und sehr kräftig. In der Nase gleich Kandis, Orangenhonig, kandierte Früchte und Rosinen, aber auch eine schöne Blutorangennote, die einen kleinen Frischetouch mitbringt. Am Gaumen sehr cremig, viel Karamell, auch Maroni, Datteln, Baklava (dieser ziemlich süße Kuchen aus Südosteuropa bzw. dem nahen Osten mit vielen Mandeln). Der Traminer hat hier von der Aromatik her auch nicht diese „Überwürze“, die mir persönlich nicht so gut gefällt. Bei solchen fruchtsüßen Weinen habe ich auch häufig das Problem, daß der Zucker sehr am Gaumen reibt, hier jedoch flutscht das Ganze runter wie Öl. Liegt vielleicht am recht hohen Alkoholgehalt von 13,5 %, viele fruchtsüße Wein haben ja deutlich unter 10 % Alkohol. Oder es liegt an der Tatsache, daß der Wein einfach schon ein bißchen älter ist.

Jedenfalls ist das tatsächlich mal ein Süßweinchen, an das man sich gewöhnen könnte. Nicht so häufig, aber ab und zu…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Schön war’s, mal sehen, wie das nächste Treffen wird…

Werbeanzeigen

2 comments on “2. Weinrunde in / um München

  1. Wieder eine sehr schöne Beschreibung, lieber Erich, zumal ich ja abwesenheitsbedingt auf so etwas angewiesen bin, um am „Ball“ bleiben zu können. Ich kann mir die Weine aufgrund Deiner Beschreibungen sehr gut vorstellen. Das Schweigender Tröpfen werde ich mir auch mal auf die Shortlist setzen und beim nächsten Besuch der Südpfalz in den Kofferraum schieben. Bis zum nächsten Mal – Andreas

    Liken

    • Hallo Andreas,
      freue mich, wenn wir das nächste Mal wieder beide Zeit haben. Auf das Thema bin ich auch schon gespannt. Als bekennender Nicht-Facebookler bin ich ja bei dieser Diskussion außen vor…

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s