Kein Meßwein

Vor ein paar Tagen war ich beim Essen am Starnberger See und die Weinkarte bot zu einem recht zivilen Preis (Multiplikator zum Ladenpreis < 2) den

2013er Riesling – Ried Loibenberg – Federspiel, Emmerich Knoll, Wachau

auf der Karte an. Da ich aus diesem bekannten Haus schon immer mal was probieren wollte, habe ich die Gelegenheit also gleich genutzt.

Das recht sakral und altbacken anmutende Etikett, das anscheinend seit Jahrzehnten nicht wesentlich verändert wurde, ist zu einem besonderen Markenzeichen des Hauses geworden und schmückt alle Qualitäten des Sortiments gleichermaßen. Der Leitspruch auf dem Etikett lautet:

Tut mir nur den Wein nicht taufen, laßt ihn doch als Heiden laufen. Nur der Durst soll christlich sein, so erweist man Ehr dem Wein.

Der Herr auf dem Etikett ist übrigens der Heilige Urban, der als Schutzpatron der Weinberge und der Winzer gilt. Allerdings kann man im Netz auch nachlesen, daß er dieses Patronat nur aufgrund einer Verwechslung mit einem anderen Urban innehält. Ich gehe aber mal davon aus, daß beim Weingut keine Überlegungen hinsichtlich einer entsprechenden Überarbeitung des Etiketts bestehen.

Im Glas zeigt sich der Riesling mit einer hellen strohgelben Farbe mit leicht grünlichen Reflexen. In der Nase eine recht komplexe und frische Aromatik, die von Zitrusfrüchten, etwas Exotik in Form von Karambole aber auch reiferen Aromen von Quitten und Birnen geprägt ist. Am Gaumen eine recht prägnante Säure, die die vielfältigen Zitrusaromen nach Limette, Blutorange, Mandarinenzesten und Grapefruit trägt. Auch hier die Kernobstaromen eher im Hintergrund, aber doch deutlich erkennbar. Leicht würzige Anteile in Richtung Oregano, ein bißchen Sommerwiese. Der Wein ist mit 12 PS eher moderat im Alkohol, aber geschmacklich kein Leichtgewicht und in Hinsicht auf die Aromenvielfalt manchem Smaragd überlegen, dabei aber viel eleganter und frischer als so manches schwere Geschütz aus der Wachau, mit denen ich nicht immer so viel anfangen kann. Der Abgang präsentiert dann noch recht schön die mineralische Seite des Weines.

Der Federspiel-Riesling ist ja einer der günstigeren Weine von Emmerich Knoll, der eher für die gehaltvolleren Smaragde bekannt ist. Ich weiß nicht, ob mir die dann auch schon wieder zu viel des Guten wären, wie mir das bei anderen Gütern schon passiert ist, das werde ich vielleicht auch irgendwann mal erfahren. Bei den Federspielen würde ich aber sofort wieder zugreifen!

Meine Wertung: 2

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