Kochweinsuche

Heute mal etwas eher Skurriles. Ich war bei Bekannten und da sollte auch etwas Schönes gekocht werden. Ich war jedenfalls mit in der Küche und habe dann ganz beiläufig erwähnt, daß der Soßenansatz sicher gewinnen würde, wenn man ihm etwas Rotwein gönnt. Daraufhin wurde der Keller durchstöbert und es kamen zwei Flaschen Rotwein zutage, die doch sicher zum Kochen gut geeignet wären:

1. Versuch: 2000er Spätburgunder – Affenthaler – trocken, Ortenauer Weinkellerei, Baden

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Ich war schon sehr skeptisch, als ich die Flasche gesehen habe. Der Wein war jedenfalls tatsächlich weit drüber und es befand sich nur eine ungenießbare braune Flüssigkeit in der Flasche, die nicht mal als Weinessig getaugt hätte. Über die möglichen Qualitäten in jüngeren Jahren konnte man jedenfalls keine Aussage mehr machen.

Fazit: –> Ausguß

Meine Wertung:

2. Versuch: 2004er Barbera d’Alba DOC, Giordano, Piemonte

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Der Barbera war eine Spur weniger verdächtig, auch wenn er schon 11 Jahre alt war. Erstaunlicherweise hatte er noch eine schöne rote Farbe, die kaum auf einen Reifeprozeß schließen ließ. In der Nase noch deutliche Fruchtaromen nach Granatapfel und Kirsche. Immerhin! Am Gaumen aber extrem gerbstofflastig, sehr viele bittere Bestandteile. Weder was zum Trinken und für die Soße genauso wenig geeignet.

Fazit: –> Ausguß

Meine Wertung: 0

Also wurden beide Weine sehr zum Leidwesen des Gastgebers entsorgt, obwohl er beim Barbera d’Alba noch meinte, daß man den doch gut hätte nehmen können. Es gelang mir dann aber doch, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Also nochmal in den Keller und sehen, was da noch so schlummert:

3. Versuch: 2007er Barbera d’Asti DOC, Giordano, Piemonte

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Schon wieder was von Giordano, diesmal etwas jünger. Auch dieser Wein von der Farbe her eigentlich ok, aber die Nase war dann schon deutlich über die primärfruchtige Aromatik hinaus. Etwas Leder und Rauch, das wäre ja nicht so schlimm gewesen. Am Gaumen aber wieder unendlich viele Bittertöne. Vielleicht eine Spezialität von Giordano? Dazu eine recht unangenehme Phenolik. Oje…

Fazit: –> Ausguß

Meine Wertung: 0

4. Versuch: 2005er Tuscany Rosso – IGT – Cuvée, Giordano, Toscana

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Nochmal Giordano, diesmal aber aus der Toskana. Im Vergleich zu den vorhergehenden Weinen relativ edel aufgemacht. Haben wir hier mehr Glück? Wieder eine schöne Farbe, in der Nase schöne dunkle Beeren, aber eine deutliche Alkoholnote trotz gerade mal 13 Umdrehungen. Am Gaumen dann aber gleich wieder die Giordano-Spezialität: Bitterstoffe ohne Ende. Nicht schluckbar.

Fazit: –> Ausguß

Meine Wertung: 0

5. Versuch: 2006er Merlot, Nederburg, Western Cape

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So, jetzt war noch ein Südafrikaner übrig. Die Farbe auch unauffällig. Bezüglich des Geschmacks steht ja am Etikett eigentlich schon alles drauf, was drin ist. Ob das noch gilt? Die Farbe zeigt leichte Reifespuren, in der Nase einiges an Rauch und Leder, das die ursprügliche Beerenaromatik weitgehend überdeckt. Am Gaumen dann deutlich mehr Früchte erkennbar, schon leicht marmeladig. Einige hölzerne Aromen sind dabei, aber nicht unangenehm und vor allem bitterstoffrei. Weiterhin keine Pelzigkeit oder sonstiges störendes Beiwerk. Trotz der 14,5 PS nicht übermäßig schwer wirkend. Kein wirklich großer Wein, da er letztlich doch etwas eindimensional ist, aber für die Verwendung in der Soße habe ich dann meine Freigabe erteilt und das Ergebnis war durchaus ansprechend.

Hätte ich jetzt vom Herrn Nederburg als Massenweinfabrikant nicht so erwartet.

Fazit: für die Soße gut geeignet, für den Gaumen – na ja, geht so…

Meine Wertung: 1 (knapp)

Was lernen wir daraus? Nicht alle Weine werden durch plus / minus 10 Jahre liegen lassen signifikant besser, vor allem nicht die aus irgendwelchen Supermärkten…

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