Heavy Fusion. Oder African Blues?

Miles Davis hat sich in der Zeit von ca. 1975 bis 1980 komplett aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Da er aber mit Columbia einen lebenslangen Vertrag hatte und man beim Label an ein Comeback glaubte, erschienen über die Jahre einige Alben mit Archivaufnahmen, die bis 1975 noch nicht veröffentlicht wurden. 1977 erschien dann -allerdings nur in Japan- mit

Miles Davis – Dark Magus

eine Doppel-LP mit einer Live-Aufnahme aus der Carnegie Hall in New York vom 30. März 1974. In den USA und Europa erschien das Album offiziell erstmals 1997.

Hier hat Miles Davis im Laufe der Entwicklung des Fusion alle früheren Grenzen beiseite gelassen, was sich auch in der Tatsache wiederspiegelt, daß die Teilung der Stücke eigentlich nur der verfügbaren Spieldauer auf einer Plattenseite geschuldet ist. So heißen die Stücke auf den Seiten A bis D denn auch nur „Moja – Wili – Tatu – Nne“, was auf Swahili schlicht „Eins – Zwei – Drei – Vier“ heißt. Allerdings ist „Wili“ so nicht richtig geschrieben, es müßte eigentlich „Mbili“ heißen.

Das gesamte Album ist ein einziges großes Experimentierfeld, das Miles Davis später so beschrieben hat:

Wir konzentrierten uns jetzt auf afrikanische Musik, auf einen schweren afrikanisch-amerikanischen Groove, bei dem das Schwergewicht auf Schlagzeug und Rhythmus und nicht auf einzelnen Soli lag. Schon seit der Begegnung mit Jimi Hendrix wollte ich diesen Gitarrensound, der dich immer tiefer in den Blues zieht. Mit dieser Band versuchte ich einen Akkord vollkommen auszuschöpfen, einen einzigen Akkord in einem Stück und alle sollten sich erst mal auf diese kleinen, einfachen Sachen wie Rhythmus beschränken. Wir nahmen einen Akkord und bearbeiteten ihn fünf Minuten lang, mit Variationen, Gegenrhythmen, solchen Sachen. Al Foster spielte beispielsweise im 4/4-, Mtume im 6/8– oder 7/4-Takt, während der Gitarrist in einem völlig anderen Rhythmus begleitete. Auf diese Weise holten wir reichlich komplizierten Kram aus einem Akkord heraus.

Für mich ist das Album eines der faszinierendsten Werke von Miles Davis, weil es Musik einerseits auf das Wesentliche konzentriert, aus diesen Basisbausteinen aber wiederum durch die Freiheit der Interpretation ein spannendes, schwer vorhersehbares Erlebnis macht, das zumindest mich immer wieder in den Bann zieht.

Das Album wurde auch sonst hoch gelobt und tauchte bei der Musikzeitschrift „Q“ 2001 in den „50 Heaviest Albums of All Time“ auf.

Meine Wertung: 4

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