V.S.O.P. Japan only

Ich weiß nicht genau, warum es häufig Aufnahmen von US-amerikanischen Künstlern gab, die -insbesondere auch bei Columbia- exclusiv in Japan unter dem dortigen Label CBS-Sony erschienen sind und häufig erst Jahrzehnte später auch in den USA und / oder Europa veröffentlicht wurden.

V.S.O.P. The Quintet – Tempest in the Colosseum

ist ein solches Album. „V.S.O.P.“ wird in erster Linie mit dem Namen Herbie Hancock (p) verbunden, aber Tony Williams (dr), Ron Carter (b), Freddie Hubbard (tp) und Wayne Shorter (ts, ss) sind hier absolut gleichberechtigte Mitglieder. Quasi die Tops of the Tops der Jazz- und Fusion-Szene der damaligen Zeit.

Das Album ist eine Live-Aufnahme von einem Konzert am 23. Juli 1977 im The Den-En Colosseum in Tokyo. In Europa war dieses Album dann ab 1978 als Doppel-LP zu haben. Soweit ich weiß, kam es in den USA erstmals 2014 offiziell auf den Markt.

Es ist insofern etwas Besonderes, als es in der Zeit aufgenommen wurde, in der Herbie Hancock in der Regel sehr elektronisch unterwegs war. Meist scharte er eine Unzahl von Keyboards und Synthesizern um sich und seine musikalischen Mitstreiter waren meist auch elektronisch bewaffnet. Dieses Konzert ist dagegen rein akustisch, wenn man mal von der reinen Verstärkungselektronik on Stage absieht. Hier verbinden sich der Hard Bop der 60er Jahre mit dem Elementen des Jazz-Funk der 70er unter der Verwendung klassischer Instrumente zu einem sehr lebhaften Ganzen. Gespielt werden Stücke der V.S.O.P.-Mitglieder, die in der Hard-Bop-Zeit entstanden sind. Man sieht bzw. hört hier sehr schön, daß „Funk“ eben nicht nur von ein paar elektronischen Gimmicks lebt, sondern sich zum Großteil in der Spielweise und dem musikalischen Ausdruck definiert. Also auch mit dem Kontrabaß und dem Flügel geht „Funky Music“. Das Ganze aber recht wohl dosiert -mal mehr, mal weniger-, also nicht einfach platt über alle Stücke ein paar Funk-Versatzstücke drübergelegt, sondern die großen Stücke der 60er Jahre wie „Maiden Voyage“ in die Zeit der 70er geholt, ohne sie dabei zu vergewaltigen.

Für mich ein unterschätzter, weil kaum bekannter Meilenstein in der Geschichte des Jazz.

Meine Wertung: 4

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