Drei in Einem – Nachtrag 2

Heute haben wir den zweiten Alvarinho des letzten Wein-am-Limit-Pakets zum verpaßten Livestream aufgemacht, nämlich den

2014er Alvarinho – Primeiras Vinhas – Vinho Verde DOC, Soalheiro, Minho

Der „Primeras Vinhas“ stammt aus einer kleinen Einzellage und wurde zu einem kleinen Teil im Holzfaß vergoren.

Im Glas zeigt sich der Alvarinho stroh- bis goldgelb, in der Nase Babyananas aus Zanzibar, Karambole und grüner Apfel, ein bißchen Blumenwiese sowie ein paar grünkräuterige Aromen, etwas feuchte Terrasse. Am Gaumen ähnlich wie in der Nase, recht frische Säure, auch gelbe Kernobstaromen nach Quitte und Birne, leichte Limettennoten, sehr dezente Holzaromatik. Leicht herbe Gerbstoffnote. Der Abgang ist herb-fruchtig und dabei relativ lang.

Sehr schöne eigenständige Aromatik vor allem wegen der ausgeprägten Mineralik, die den Fruchtaromen eine schöne Basis bietet. Geht ein bißchen in die Riesling-Richtung, ist aber deutlich herber, quasi ein Riesling-Pils. Sehr schöner Beweis dafür, daß Vinho Verde kein stimmiges Synonym für belanglose Saufweine ist.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

1. Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: Die Nase hat sich in den 3 Tagen ganz erheblich verändert. Mittlerweile könnte man den Alvarinho blind für einen Sauvignon halten. Stachel- und Jostabeere, sowie frisches Heu und Korianderblätter geben jetzt den Ton an. Also völlig anders als kurz nach dem Öffnen. Am Gaumen ebenfalls dieser Eindruck, begleitet von einer leicht bitteren Tamarinden-Note. Immer noch dieser herbe Einfluß der Gerbstoffe, aber nicht mehr so hervorstechend, die Fruchtseite dominiert gepaart mit einem deutlichen Schiefergeschmack. Auch wenn der Wein -soweit ich weiß- nicht auf Schiefer gewachsen ist, eher auf Granit.
Eigentlich habe ich jetzt einen komplett anderen Wein im Glas. Solch eine extreme Wandlung innerhalb von 3 Tagen hatte ich auch eher selten. Aber auch sehr sehr schön. Allerdings war er am ersten Tag deutlich eigenständiger, heute mißt er sich -wenn auch auf hohem Niveau- „nur“ mit einigen guten Sauvignons oder auch ein paar Scheureben. Der Ausdruck „Riesling-Pils“ stimmt heute jedenfalls nicht mehr.

2. Nachtrag nach 5 Tagen mit Luft: Dieser Wein ist echt ein Phänomen, deshalb habe ich jetzt auch den Titel geändert. Der Alvarinho geht vom Bukett als auch vom Geschmack jetzt mehr in Richtung Grauburgunder. Die Sauvignon-Stachelbeere ist zwar noch ein bißchen da, aber jetzt dominieren Veilchen und Löwenzahnwiese, daneben auch Äpfel und Birnen. Die Säure steht jetzt mehr im Hintergrund, deshalb nun auch die Assoziation zu einem GB, wie ich ihn z.B. vom Bodensee kenne. Daß ein Wein über die Tage so grundlegend die Stilistik ändert und dabei qualitativ keine Schwächen zeigt, ist für mich doch eher ungewöhnlich.

2 comments on “Drei in Einem – Nachtrag 2

    • Vielen Dank für den Link! Ist ja echt juxig! Das Mendiger Vulkanbier kenne ich sogar aus der Zeit, als ich dort geschäftlich immer mal wieder übernachtet habe. Ich kann mir das nur geschmacklich jetzt so gar nicht vorstellen. Müßte man echt mal probieren, ob das nun top oder flop ist…

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