Griechischer Wein…

Mit griechischem Wein habe ich bis dato keine wirklich positiven Erfahrungen gemacht. Den gab’s eigentlich immer nur in den griechischen Restaurants, die ich in den letzten 30 Jahren so besucht habe und über ein „Na ja, geht so“ bin ich dabei nie hinaus gekommen. Aber da hielt sich ja hartnäckig das Gerücht, daß es in Griechenland auch wirklich gute Weine geben soll. Erste Hinweise dazu kamen vom bekannten Master-Somm HT in seinen älteren Wein-Videos, aktuell jetzt auch bei der letzten Live-Verkostung, die sich aber auf Rotweinebene abspielte, und da ich für diesen Termin keine weiteren Rotweintrinker animieren konnte, habe ich daran nicht aktiv teilgenommen. Aber das Interesse war geweckt. Dazu kommt, daß ich demnächst mal ein paar Tage in Athen sein werde. Auch aus diesem Grund haben wir mal wieder unseren örtlichen Griechen aufgesucht, der bis dato weinseitig auch nur Durchschnittsware angeboten hat. Aber siehe da: auf den Tischen lag nun ein kleiner „Weinfächer“ mit etwa 10 Weinen, die sich schon von der Beschreibung als teils auch vom Preis her deutlich von den anderen Weinen abgehoben haben. Ich habe dann mal einen Weißen probiert, der im 0,1 l Glas 5,20 EUR gekostet hat (ganze Flasche 36 EUR) und der Wein war echt außergewöhnlich gut (beschreibe ich später mal). Die Adresse des Weinhändlers stand auch drauf, praktischerweise gleich bei uns umme Ecke.

Der Weinhandel Vin du Sud wird von einer Französin mit spanischen Wurzeln, verheiratet mit einem Griechen, betrieben, daher die Konzentration auf mediterrane Weine. Auf meine Nachfrage nach ähnlichen Weinen wie dem in oben erwähnten Lokal wurde ich sehr freundlich informiert und habe insgesamt 7 weiße und autochtone Griechen eingekauft. Ganz begeistert bekam ich dann noch 2 extra Flaschen geschenkt (ohne daß bekannt war, daß ich über die Weine auch meinen Senf hier veröffentliche). Vielen Dank dafür nochmal von dieser Stelle! Einer dieser geschenkten Weine war der

2008er [Cuvée] – Τα Δωρα Του Διονυσου – Cava – Achaia IGT, Parparoussis, Peloponnes

wobei der Name in unseren gewohnten Lettern passenderweise  „Ta Dora tou Dionyssou“ – „Die Geschenke des Dionysos“ lautet. Der Wein besteht zu 75 % aus der Rebsorte Assyrtiko, die restlichen 25 % sind Athiri.

Schönes Goldgelb im Glas. In der Nase erst etwas verhalten, aber innerhalb etwa einer halben Stunde entwickelt sich ein intensiv gelbes Bukett nach reifen Äpfeln, Pfirsichen, Mirabellen und Marulas, leichter Duft nach Rumtopf und Zedernholz. Am Gaumen fällt mir der Beschrieb teils etwas schwer. Als erstes fällt auf, daß der Wein deutlich phenolig-ölig daherkommt. Was ihn aber dennoch nicht fett macht. Fruchtseitig findet man von der Banane über Pfirsich, Papaya, (saure) Mango und Akees bis hin zu Zitronat nicht gerade wenige Aromen. Der dichte Extrakt wird durch die moderat vorhandene Säure soweit im Zaum gehalten, daß der Wein insgesamt trotz aller Intensität nicht schwer wirkt. Beim Allohol nehmen die Griechen es anscheinend besonders genau, denn das Etikett weist exakt 13,2 PS aus. Paßt auch gut. Der Abgang ist sehr extraktbetont und hält mehrere Minuten an, wenn man ihn läßt.

Nach 30 Jahren (zugegebenermaßen nicht allzu intensiver Suche) habe ich nun also tatsächlich den ersten griechischen Wein gefunden, der mir aufgrund seines Geschmacks und seiner Eigenständigkeit ausnehmend gut gefallen hat (naja, eigentlich den Zweiten, der erste vor ein paar Tagen hat mich ja ursächlich zum Weinhandel geführt). Kann man sich dran gewöhnen! Übrigens macht der Wein nicht den Eindruck, daß er schon nahe dem Ende seiner Lagerfähigkeit ist…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

4 comments on “Griechischer Wein…

  1. Es freut mich aber dass, diese Wein veröffentlich wird!!
    Ich arbeite sehr gern mit der 2008′ „Dora Dyonisou“. Es erinnert mich im Gaum an eine Rhonekarakter mit sein Fenchel/Ans frische die mit Rotbarben oder Krustentier Reduktion fantastisch passt ohne, wie erklärt zu sättigen. Griechische Weinehabe ich für mich entdeckt via der gleiche Handel vor 4 Jahren.
    Mann erwartet überwiegend von Griechenland Rot-Weine wegen die Hitze, Die Weißweine sind aber so Faszinierend wegen Autochthone Traubensorten (Assyrtiko von Santorini, Malagousia aus dem Norden und und und….) in Kombination mit höheren Lagen oft über 600m üNN (daher teilweise wenig Alkohol)
    Bravo für diese Neugierige Beitrag…

    Gefällt mir

  2. Interessant. Habe auch noch nicht so viele griechische Weine getrunken, aber in diesem Jahr ist mir v.a. der Eressoinos (Rebsorte Kaloniatiko) positiv aufgefallen. Der Wein stammt von einem rheinhessischen Winzer (Schmitt), der auf Lesbos einen Weinberg angelegt hat. Wirklich lecker, fruchtig, rund und süffig…finde ich.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s