4. Weinrunde in / um München

Letzten Freitag fand nunmehr die vierte Weinrunde in München statt, an der unverkrampfte Liebhaber des (guten) Weingeschmacks ihren Spaß mit der Blindverkostung von Weinen rund um ein vorgegebenes Thema hatten. Vielen Dank diesmal an Martin und Svenja für die Ausrichtung und das schon fast traditionelle Catering (die Eingeweihten wissen, von was ich rede). Die Teilnehmer haben diesmal Weinchen zu folgendem Thema mitgebracht:

Rotweine aus der Neuen Welt. Eine Preisrange gab es nicht.

Zum Einstieg gab es außer Konkurrenz erst mal einen

0. Wein: Reserve Brut – Cuvée, Reichsrat von Buhl, Pfalz

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der von einem Teilnehmer (ein extra Dankeschön von hier!) separat mitgebracht wurde. Der Reserve Brut ist eine Cuvée aus 80 % Weißburgunder und 20 % Chardonnay. Der Sekt wurde gerade erst in den Handel gegeben und enthält Weine aus den Jahren 2013 und 2014.

Die Farbe ist unauffällig strohgelb, mittelstarke Perlage. In der Nase deutliche, aber nicht aufdringliche Apfelnoten, fast ein bißchen Bratapfel-Touch. Nur wenig hefig. Am Gaumen sehr schönes Süße-Säure-Spiel, auch hier markante, aber auch elegante Fruchtaromen. Nach etwa 3 Stunden wurde dann noch der Rest der Flasche geleert. Meiner Meinung nach hat der Sekt in der Zeit gewonnen. Die Perlage immer noch schön und gleichmäßig, in der Nase jetzt noch ein bißchen Mandarine, am Gaumen etwas weißer Pfirsich.

Ein super Einstieg, an den man sich auch als „nur-ab-und-zu-mal“ Sekttrinker gewöhnen kann!

Meine Wertung: 2

1. Wein: 2014er Classic Shiraz, Leopard’s Leap, Western Cape

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Der Basis-Shiraz von Leopard’s Leap wurde zu 50 % im Barrique ausgebaut.

Im Glas zeigt er sich mit einem transparenten Rubinrot. In der Nase Kirsche, leicht rauchig, anfangs etwas grüne Paprika, die sich im Laufe der Zeit vermehrt. Aus dem Holz resultieren Ledertasche und etwas Braunwürze. Am Gaumen ebenfalls dunkle Kirschen, wenig Tannine, recht feine Säure, dabei sehr trocken wirkend. Mittellanger, angenehmer Abgang.

Schöner, feingliedriger Rotwein, der das Neue-Welt-Image (Viel hilft viel…) überhaupt nicht transportiert und durchaus auch aus Italien hätte stammen können. Verliert mit der Zeit etwas von seiner fruchtigen Eleganz, daher am besten schnell wegtrinken!

Meine Wertung: 1

2. Wein: 2011er Diedrich Shiraz, Gartelmann, Hunter Valley

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Im Glas ein dunkles Rubinrot, leicht transparent. In der Nase reife Kirsche und Zwetschgen, deutliche, aber nicht überbordende Holznoten in Richtung Leder und Kakao. Am Gaumen sehr sanft, wenig spürbare Tannine, auf der Fruchtseite Kirsche und Waldbeeren, leichter Marmeladen-Touch, eine schön eingebundene Säure macht aus dem Druck der roten Fruchtaromatik einen recht eleganten Wein, der das fette Australien-Image so gar nicht bestätigt.

Sehr schön gemacht, ein bißchen ein Everybodies Darling-Wein, der dementsprechend bei aller Qualität aber auch wenig markant ist. Deshalb -auch angesichts des nicht gerade günstigen Preises-

Meine Wertung: 1

3. Wein: 2011er Lote 43 – Cuvée – D.O., Miolo, Serra Gaúcha

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Der Lote 43 ist eine brasilianische Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon.

Im Glas wieder ein leicht transparentes Rubinrot, in der Nase anfangs viele Gewürze, ein intensiver Barbeque-Geruch, deutlich alkoholischer Rumtopf mit Zwetschgen und Heidelbeeren. Am Gaumen zuerst sehr tanninhaltig, deutliche grüne Noten, dabei pelzig im Mund, ein Grapefruit-Bitterchen. Weiters meine Assoziation nach 600er Naßschleifpapier sowie ein deutlich metallischer Geschmack. Damit konnte ich nun gar nichts anfangen und so war der Wein bei mir wertungsmäßig erst mal bei „0“. Im Laufe der Zeit hat der Lote 43 jedoch eine hochinteressante Entwicklung hingelegt. Metalle, Pelzigkeit und Co. fand man irgendwann gar nicht mehr, übrig blieben eine üppige Fruchtigkeit, die aber nicht ins Fette abdriftet, dabei bleibt der Wein durch die gute Säurestruktur auch recht frisch. Die Holzaromatik drängt sich ebenfalls nicht in den Vordergrund und die 14 Umdrehungen sind zuletzt auch kein Thema mehr gewesen.

Für mich -auch wegen der Herkunft aus Brasilien- die Überraschung des Abends.

Meine Wertung: 2

4. Wein: 2009er Cabernet Sauvignon, Plaisir de Merle, Paarl

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Wieder mal ein etwas dunkleres Rubinrot mit leichter Transparenz im Glas. In der Nase eine dominierende Holznote mit Schokoladenseite, marmeladige Zwetschge. Am Gaumen eine deutliche Paprikanote, recht wenig Tannine, ein kleines Limetten-Bitterchen, etwas braune Würze. Auf der Fruchtseite ein schönes Sauerkirscharoma, das mit der Zeit sauberer hervortritt. Intensive, aber schöne, da ausbalancierte Säure.

Eigentlich ein ganz schöner und gut gemachter CS (dem man aber ein bißchen Zeit geben sollte), der aber für mein Gefühl wenig Alleinstellungsmerkmale zeigt, daher

Meine Wertung: 1

5. Wein: 2012er Petit Verdot, Pirramimma, McLaren Vale

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Pirramimma hat diesen Wein als ersten reinsortigen Petit Verdot Australiens etabliert.

Der dunkelste Wein bis jetzt, wenig transparent. Der Geruch wird vom Holz mit Leder und Tabak dominiert, daneben zeigen sich schöne Waldbeeren, die zum Glück nicht vom Holz erschlagen werden. Am Gaumen leichte grüne Paprika, mittlerer Tanningehalt, dennoch einigermaßen pelzig im Mund. Mittlere Säure, leichtes Grapefruit-Aroma. Die Holznoten dominieren hier nicht, etwas Restsüße ist spürbar.

Den Wein konnte ich geschmacklich nicht so richtig einordnen, er hatte für mich einen etwas „gemachten“ Charakter. Mit etwas Luft zwar schön zu trinken, hat aber keinen Nachkaufreflex ausgelöst.

Meine Wertung: 1

6. Wein: 2012er Cuvée Privée – Cuvée, Atamisque, Mendoza

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Die Cuvée Privée ist aus 50% Cabernet Franc, 35% Merlot, 10% Cabernet Sauvignon und 5% Malbec gekeltert.

Auch ein recht dunkles Rot mit wenig Transparenz im Glas. In der Nase zuerst grüne Paprika, Koriander, recht viele Holzaromen, die sich durch Braunwürze und Vanille bemerkbar machen, weiters etwas Pflaume. Am Gaumen ein gemäßigter Tanningehalt, einige grüne Kräuter wie Thymian, Estragon, Oregano, etwas pelzig, Leder und Kakao aus dem Holz, im Hintergrund etwas modrig, leicht unreif wirkend. Recht wenig Säure, zu wenig für meinen Geschmack.

Ich denke, daß dieser Wein seine beste Zeit noch vor sich hat und am Freitag einfach noch deutlich zu jung war, deshalb:

Meine Wertung: 1

7. Wein: 2012er Shiraz, Diemersfontein, Wellington

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Jetzt wieder ein etwas transparenteres Rot im Glas. In der Nase anfangs leicht schwefelig, Pilze, muffig, alkoholisch. Nicht gerade animierend, auch einen Schluck zu nehmen. Ich hab’s dennoch getan: ebenfalls alkoholisch, viel Extrakt, Ledertasche aus dem Holz, Pflaumenkompott, feuchter Keller, einige Tannine, pelzig im Mund. Zur Ehrenrettung des Shiraz muß man allerdings auch sagen, daß die meisten unschönen Aromen mit der Zeit zurücktreten und einer reifen Zwetschgenfrucht Platz machen. Allerdings hat sich der Wein innerhalb der Zeitspanne, in der ich ihn verkosten konnte, nicht soweit entwickelt, als daß er mir Spaß gemacht hätte. Vielleicht wäre er mit ein paar mal Sturzkaraffieren nochmal deutlich besser geworden…

Meine Wertung: 0

8. Wein: 2010er Cabernet Sauvignon – Cuvée, Ridge, Santa Cruz

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Dies ist der Zweitwein des Monte Bello aus dem gleichen Haus. Obwohl er einfach „Cabernet Sauvignon“ heißt, ist er doch eine Cuvée aus 80 % Cabernet Sauvignon, 17 % Merlot und 3 % Petit Verdot.

Im Glas ein dunkles, wenig transparentes Rubinrot, in der Nase recht reife, aber nicht kompottige Kirsche, das Holz grüßt mit Leder, Kakao, Tabak und Mokka. Am Gaumen dann recht fruchtsüße Kirschen, als Gegenpart ein kleines Johannisbeerarömchen, ein bißchen Pflaume. Vergleichsweise wenig, aber schöne Holzwürze hier (inclusive des Mokkas), sie läßt der Fruchtaromatik viel Raum übrig. Gemäßigter Tanningehalt, anfangs eine leichte Pelzigkeit im Mund, die aber schnell deutlich nachläßt. Eher wenig Säure, dennoch kein fetter Ami, sondern eher kühl und distinguiert daher kommend.

Für einen US-Wein (nach meiner bescheidenen Erfahrung) außergewöhnlich schön und fein strukturiert, für mich der beste Rotwein des Abends:

Meine Wertung: 2

9. Wein: 2010er Chianti Classico – DOCG – Cuvée, Castello di Verrazzano, Toscana

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Zum Ausklang wurde uns außer Konkurrenz noch dieser Chianti Classico angeboten, in diesem Fall eine Cuvée aus Sangiovese und Canaiolo, wobei der Sangiovese-Anteil entsprechend den DOCG-Maßgaben mindestens 80 % betragen muß. Der Wein war zum Zeitpunkt der Verkostung bereits vier Tage offen.

Im Glas rubinrot mit deutlichen braunen Reflexen. In der Nase etwas alkoholisch, leichte Cognac-Note, ein paar Rosinen und etwas Zwetschge. Am Gaumen wenig Tannin, leichte Pelzigkeit, etwas Fruchtkompott mit Zwetschgen, moderate Säure.

Unser Gastgeber meinte, der Chianti hätte ihm nach dem Öffnen aufgrund seiner schönen Fruchtaromatik gut gefallen. Anscheinend waren dann aber 4 Tage mit Luft zu viel für diesen Wein. So war es kein unbedingter Genuß mehr, aber da ich ihn ja in frisch geöffneten Zustand nicht probieren konnte, gebe ich hier keine Wertung ab.

Meine Wertung:

Auffällig war diesmal, daß trotz des Themas „Neue Welt“ praktisch keine Weine verkostet wurden, die das (Vor-) Urteil „kraftstrotzend, breite Schultern“ nachhaltig bzw. eindrucksvoll bestätigen würden. Es waren aber auch keine wirklichen „Aha“-Weine (für mich) dabei, denen ich meine persönliche Höchstnote gegeben hätte. Viele der probierten Weine hätten einige Teilnehmer auch in Italien oder Frankreich lokalisiert, waren also auch bezüglich der Herkunft nicht so typisch (für uns). Ehrlich gesagt hat mir insgesamt der zur Begrüßung gereichte Sekt vom Reichsrat am besten gefallen, auch wenn das ja gar nicht das Thema war. Aber ich werte es für mich doch mal als schönes Ergebnis. Jedenfalls werde ich mein Neue-Welt-Engagement auch in Zukunft nicht wesentlich erweitern, zumindest nicht, solange ich in Deutschland bin. Wenn ich (möglicherweise) demnächst mal in Übersee weilen sollte, sieht das natürlich wieder ganz anders aus…

Insgesamt wieder ein sehr schöner und entspannter Abend, ich freue mich auf Nummer 5 in 2016!

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2 comments on “4. Weinrunde in / um München

  1. Servus Erich,
    es freut mich, dass sich viele Deiner Notizen (allerdings nicht so detailliert) auch auf meinem Zettel wiederfinden. Und auch bei den Bewertungen hätte ich exakt die gleiche Punktzahl gegeben (bis auf Diemersfontein, der bei mir immerhin einen Punkt einheimste). Für mich war der Ami sogar eine 2,5, aber die gibt es bei Dir ja nicht…

    Bis zum nächsten Mal
    Andreas

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    • Hallo Andreas,
      ja, der Diemersfontein war einfach überhaupt nicht mein Wein, zumindest solange ich ihn im Glas hatte. Und beim Ridge Estate ist mir der aktuelle Preis für mehr als „2“ einfach zu hoch. Ändert sich vielleicht, wenn zur Abwechslung mal wieder der Dollar schwächelt. Dennoch ein sehr schöner Wein…
      Bis zum nächsten Jahr…
      Erich

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