Wunderkerze – Nachtrag 2

Nach der Enttäuschung von vorhin jetzt mal wieder richtiger Wein: der zweite Testkandidat der Teschke-Sylvaner:

2012er Sylvaner – Von der Dünnbach, Teschke, Rheinhessen

Der „Von der Dünnbach“ stammt von über 50 Jahre alten Reben. Er wurde mehrere Tage auf der Maische spontan vergoren und im Edelstahl ausgebaut.

Schönes Goldgelb mit leicht grünlichen Reflexen im Glas, in der Nase gleich ein intensiver Geruch nach Wunderkerzen, der mit der Zeit etwas abnimmt. Schade eigentlich! Hinter der Mineralik tut sich dann zwar ein bißchen was Fruchtiges auf, was aber erst kaum zu identifizieren ist, die Wunderkerze bleibt dominant, aber sie variiert ein bißchen und langsam tauchen auch ein paar ölig-phenolische Komponenten auf. Am Gaumen dann ringen Minerale und Früchte um die Pole Position, Zitrusfrüchte wie Grapefruit, Blutorange und Mineloas, um genau zu sein. Später schieben sich dann Quitten, weiße Pfirsiche und etwas Birne nach vorne. Ganz hinten schwingt ein bißchen Kastanienhonig mit ohne den Wein in eine süße Richtung zu lenken. Die Säure ist dabei kernig und cremig zugleich. Viel fülliger, als die 12,5 PS laut Etikett vermuten lassen. Der Abgang ist schön steinig-fruchtig und hier kann man ganz weit hinten einen süßen Apfel-Nachhall genießen.

Das ist wohl der burgundischte Mineral-Sylvaner, den ich bis jetzt im Glas hatte, ein Traum! Wenn man solch mineralisch dominierte „Terroirweine“ mag…

Meine Wertung: 3

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die Wunderkerze ist zwar noch präsent, aber sie hat den fruchtigen Aromen jetzt deutlich mehr Platz gemacht. Der Sylvaner ist burgundischer geworden, geht ein bißchen in die Chardonnay-Richtung. Und er dürfte in dieser Verfassung auch den Leuten gefallen, die mit der anfänglich überbordenden Mineralik nicht so viel anfangen konnten. Immer noch ein großer, schöner Wein mit einer beeindruckenden Entwicklung!

2. Nachtrag nach 7 Tagen mit Luft: Auch diese Flasche hat jetzt ein bißchen warten müssen. Hat aber auch ihr nicht geschadet. In der Nase sind die fruchtigen Aromen wieder auf dem Rückzug und machen Platz für fast pure Mineralik, wobei die Wunderkerze immer noch präsent ist. Am Gaumen zeigen sich weiße Pfirsiche und Mirabellen sowie ein paar reife Äpfel in leicht kandierter Kondition, die dazu allesamt von Salzen eingerahmt sind. Leichte Braunwürze rundet das Ganze schön ab. Auch dieser Wein war mit seiner Reise eigentlich noch nicht am Ende. Ganz großes Kino, das lange Freude macht!

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