Kühler Chilene – Nachtrag

Nach langer, langer Zeit habe ich mal wieder was bei einem Gewinnspiel gewonnen. Auf einem Weinblog einer Weinliebhaberin (warum gibt es da eigentlich gefühlt deutlich mehr Männer als Frauen?), dem ich interessiert folge, habe ich spaßeshalber mal das Adventsrätsel gelöst und als Lohn für diese Mühen tatsächlich eine Flasche gewonnen, die mir dann auch postwendend zugesandt wurde. Es handelt sich um den

2013er Chardonnay – Aconcagua Costa – D.O. Valle de Aconcagua, Errazuriz, Valle del Aconcagua

aus Chile. Aus diesem Land hatte ich ebenfalls schon sehr sehr lange keinen Wein mehr im Glas und -soweit ich mich erinnern kann- einen Weißen noch gar nicht. War also ein sehr willkommener Gewinn!

Dieser Chardonnay stammt aus einer Einzellage namens Manzanar, welche nur einige Kilometer von der Pazifikküste entfernt ist. Der Wein wurde in Holzfässern spontan vergoren und ausgebaut, ich weiß aber nichts über die Größe der Fässer.

Im Glas eine recht helle strohgelbe Farbe. In der Nase grün-gelblich fruchtig, „grüne“ Ananas, Karambole, Gravensteiner Apfel, leicht hefig, ein bißchen „schmutzige“ Braunwürze. Am Gaumen auch eher grünfruchtig, leichtes Limettenbitterchen, markante Säure mit leichtem Einfluß auf die Mimik, etwas metallisch auf der Zunge (läßt aber mit der Zeit etwas nach). Vom Holz ist praktisch gar nichts spürbar, was jetzt nicht unbedingt von Nachteil sein muß. Der Abgang ist mittellang und offeriert in erster Linie die Limette samt Bitterchen und leichter Alunote.

Ich weiß jetzt nicht, ob das ein typischer Chardonnay aus Chile ist, jedenfalls ist er ganz anders als das, was man sonst so von dieser Rebsorte kennt, auch wenn sie nicht nach Holz schmeckt. Insgesamt erschien mir der Wein recht unfertig, die Säure ist relativ rauh und die metallischen Noten waren mir auch eine Spur zuviel. Möglicherweise ist der Wein einfach noch deutlich zu jung. War dennoch eine ganz interessante Erfahrung, allerdings werde ich erst mal nicht begeistert zum chilenischen Weinhändler eilen. Deshalb ganz knapp

Meine Wertung: 1

Nachtrag nach 3 Tagen mit Luft: Heute habe ich den Chilenen mal wieder ins Glas gefüllt, um zu sehen, ob und was sich da getan hat. Heute ist der Chardonnay deutlich gelber als vor 3 Tagen. Die Ananas ist reifer geworden, weißer Pfirsich kommt zum Vorschein. Bitterchen und Metallaromatik haben sich weitgehend zurückgezogen, die Säure ist nach wie vor markant, aber sie dominiert aufgrund des intensiveren Extrakts nicht mehr so deutlich. Auch der Abgang heute wesentlich gefälliger und an Länge hat er auch gewonnen. Also ein kleiner Spätzünder, er hat jetzt viel mehr Spaß gemacht als in den ersten zwei Stunden nach dem Öffnen. Dennoch kein Wein, den ich ich auf die Nachkaufliste setzen werde.

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