Neues vom Hasensprung

Der Winzer und Önologe Jörn Goziewski war in der Vergangenheit beim Weingut Ankermühle für die teils sehr polarisierenden, immer erfrischend anders gemachten Weine verantwortlich. „Anders“ geht ja sehr häufig auch sprichwörtlich in die Hose, bei der Ankermühle war und ist das ganz und gar nicht so. Nun hat Jörn Goziewski seit September 2015 sein eigenes Weingut mit (derzeit) allerdings nur 1,3 ha Rebfläche. Die Weine werden übrigens weiter im Keller der Ankermühle gekeltert, die Verbindung zur alten Wirkungsstätte besteht also in gewisser Weise noch. Man findet Aussagen im Netz, daß die -einvernehmliche- Trennung erfolgte, weil nach Goziewskis Ansicht die Eigner der Ankermühle den Fokus zu sehr auf den Restaurantbetrieb gerichtet hätten. Inwieweit er aber auch bei den Ankermühle-Weinen jetzt und in Zukunft mitmischt, weiß ich nicht, schließlich gibt es die Weine von der Ankermühle auch weiterhin. Allerdings stelle ich es mir auch schwer vor, vom Ertrag der o.g. Fläche alleine leben zu können. Das Weingut startet mit 3 Rieslingen. Da ist -natürlich- auch was Oranges dabei und ein „Basis“-Riesling. Hier nun der Dritte im Bunde:

2014er Riesling – Hasensprung – trocken, Joern, Rheingau

In der Nase gelb und frisch, sehr reife Ananas, Mirabellen, Mango, ein paar Orangenzesten und florale Aromen, dazu dezente würzige Noten, die sich hauptsächlich durch etwas Vanilleeis bemerkbar machen. Am Gaumen zeigen sich auch deutlich einige rote Fruchtaromen wie Granatapfel und Himbeere (nicht dieses Bonbonaroma, sondern schon was Reales), die von etwas Kernobst begleitet werden. Limette und Grapefruit ohne Bitteraromen kommen mit der gut eingebundenen Säure mit. Das Holz (?) auch hier sehr im Hintergrund als diskreter, aber stützender Begleiter. Der Nachhall ist relativ lang und fruchtig-frisch.

Ich war schon gespannt, was an diesem Goziewski-Riesling anders ist, denn bei seinen Kreationen muß man sich in der Regel auf was gefaßt machen. Die Rotfruchtigkeit bei diesem Wein gefällt mir in Verbindung mit der belebenden Säure besonders gut und macht ihn in meinen Augen schon zu einem recht außergewöhnlichen Getränk. Übrigens: ich weiß nicht, ob dieser Riesling, der vom Weingut als „traditionell“ bezeichnet wird, tatsächlich Holz gesehen hat oder die leichte Würzaromatik woanders her kommt. Mir gefällt’s jedenfalls.

Das Etikett ist hinten übrigens von mehreren Piktogrammen besiedelt. Eins weist darauf hin, daß der Wein vegan ist. Na gut, wen’s interessiert. Dann zwei Symbole mit einer durchgestrichenen schwangeren Frau und einem ebenso negierten Kraftfahrzeug. Ich weiß ja nicht, wen das in welcher Form erreichen soll. Menschen, die sich solch einen Wein kaufen, unterstelle ich mal, daß sie um die Wirkungen und Gefahren des Allohols einigermaßen Bescheid wissen und sich entsprechend verhalten. Der Rest wird dadurch wohl kaum beeindruckt werden. Ich stelle mir gerade vor, wie eine schwangere Frau beim Einschenken das entsprechende Piktogramm sieht, sich kurz „ach so“ denkt, den Wein wegkippt und sich ihr Glas dann mit einer anderen Flasche Riesling füllt, auf der dieses Piktogramm nicht vorhanden ist. Reichlich zweckfrei aus meiner Sicht. Und dann ist da noch so ein Symbol, das eine lachende Bohne oder Orangenspalte darstellen könnte. Der Sinn erschließt sich mir nicht so ganz. Es gibt aber Fotos des Winzers mit einer endlichen Zahl von Orangen in der Hand oder auf dem Schoß. Vielleicht hat’s damit zu tun?

Egal, das ändert jedenfalls nichts an meiner Meinung über den Inhalt der Flasche:

Meine Wertung: 3

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