Was? Schon 500?

Da habe ich jetzt ganz unschuldig eine Flasche hoffentlich schönen Rieslings aus der Pfalz aus dem Keller geholt und dann ganz erstaunt festgestellt, daß sich zufällig drei Ereignisse in diesem Beitrag kreuzen:

  • der Riesling ist ein 500er
  • dieser Beitrag ist auch schon der 500ste
  • ich habe (bzw. hatte am Tag der Öffnung) Geburtstag und es ziert zumindest eine 5 die Zahl, welche mein nicht ganz kurzes Leben mittlerweile bemißt

Na, das paßt ja dann ganz gut zusammen, der

2012er RieslingForster U[ngeheuer] – 500 – trocken – Qw, Von Winning, Pfalz

war also eine angemessene Wahl für dieses Event. Hoffentlich taucht der Wein auch was (obwohl ich da eigentlich keine großen Zweifel habe…)

Zur Weinwerdung habe ich im Netz folgende Stichpunkte gefunden:

Ganztraubenanquetschung und Einmaischung, sechs bis zwölf Stunden Mazerationszeit. Dann relativ scharf abgepresst, ohne drehende Presse. Vergärung vollständig im 500 Liter Holzfass und Verbleib auf der ersten Hefe bis Juli oder August.

(Quelle: Lobenberg) Ach ja, spontanvergoren auch noch, keine Schönung, keine Filtration.

Der U 500 ist übrigens trotz des VDP-Hinweises auf der Kapsel weder VDP-Guts-, noch Ortswein, weder Erste noch Große Lage bzw. GG. Einfach ein Deutscher Qualitätswein – Gutsabfüllung. Das „U“ steht dabei für die Spitzenlage „Forster Ungeheuer“, welche aber aufgrund des VDP-Regulariums, daß es pro Lage nur einen Lagenwein pro Rebsorte geben darf, auf dem Etikett nicht genannt werden kann. Womit ich wieder mal den Kopf hinsichtlich mancher Regelungen der Qualitätsbezeichnungen und Namensregeln -egal ob Weingesetz oder VDP- schüttle. Von Winning bezeichnet diese Weine in seiner Preisliste dann ganz pragmatisch als „Auch groß“. Find‘ ich gut!

Aber zum Wein: Im Glas ein mitteldichtes Goldgelb. In der Nase intensiv nach Honig, kandierter Ananas, überreifem Pfirsich duftend, weiters aus dem Holz Vanille und Kakao. Am Gaumen sind die Früchte bei Weitem nicht so kandiert und es gesellt sich eine Pampelmuse mit kleinem Bitterchen dazu. Die Riesling-Säure kämpft wacker gegen den erheblichen Extrakt an und sorgt so für ein schönes Gleichgewicht. Die Holzaromatik auch hier deutlich, aber weit davon entfernt, daß man sie überfrachtet nennen könnte, die Fruchtextraktseite wird nicht beiseite gedrückt, sondern spielt weiter die erste Geige. Der Nachhall ganz leicht bitter, aber frisch-fruchtig und einige Minuten lang präsent.

In vielen anderen Gegenden der Welt sind solche extraktdichten Weißweine meist mit deutlich weniger Säure, dafür mit mehr PS unter der Haube (hier: 13) ausgestattet. Das macht diese dann deutlich schwerer und fordernder als den U 500. Dieses Frischeplus trotz einigem an Schmackes macht den hölzernen Riesling dann zu einem sehr bemerkenswerten Ausnahmewein, ein „auch großes“ Quasi-GG, für den keiner der nicht ganz wenigen Euronen zuviel ist…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

In dem Sinne: die nächsten 500 Beiträge warten…

 

9 comments on “Was? Schon 500?

  1. Dann wünsch ich mal herzlichen Glückwunsch X2 🙂 .
    Und dann noch mit einem Wein den ich (als JG 2011) kenne und sehr mochte. Der 500 Forster Ungeheuer war dann bis dato auch der einzige Riesling für mich, bei dem der sehr spürbare Holzeinsatz richtig gut funktioniert hat – irgendwie als würde ein richtiger guter Meursault Winzer einen Riesling machen. Im Vergleich (sofern man überhaupt vergleichen sollte) war der Jesus von der Ankermühle nur ein „Versuch“ irgendwie besonders zu sein ohne wirklich Sinn zu machen. Der 500 Ungeheuer macht Sinn und ist ein toller Wein. Würde sagen, Du hast den passenden Wein für Dein doppeltes 5er Jubiläum aus dem Keller geholt.
    Alles Gute weiterhin, auf den nächsten 500er
    Patrik

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    • Hallo Patrik, vielen Dank!
      Bei dem Ankermühle-Jesus meinst du wahrscheinlich den 2009er. Den sehe ich auch eher als Experiment an, wenn auch als recht interessantes. Die späteren Jahrgänge wirken da meiner Meinung nach schon deutlich runder. Ich habe auch sonst noch ein paar ganz gute Holz-Riesling-Erfahrungen gemacht, aber diesen U 500 stelle ich ebenso ganz oben hin, da wüßte ich nicht, was man da noch besser machen sollte.
      Wann der nächste 500er kommt? Wahrscheinlich dann ein SB…
      VG Erich

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      • Ja genau, war der 2009er Jesus.
        Die Nachfolger kenne ich nicht, sind wohl aber schon vom Konzept deutlich unterschiedlich.
        Den 500 SB hab ich auch im Keller aber noch nicht probiert.

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    • Vielen Dank für die Glückwünsche!
      Ich wundere mich selber, was da so alles zusammen gekommen ist. Dabei arbeite ich ganz normal nebenher 😉 !
      Aber was andere an Zeit vor dem Fernseher hocken, investiere ich eben in mein Blögchen. Allerdings auch mit deutlich weniger journalistischem Anspruch, wie ihn deine Artikel zieren! Diesbezüglich auch nochmal „Chapeau“!
      VG Erich

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  2. Auch von mir herzlichen Glückwunsch zu den 500 Beiträgen und zum Geburtstag! Sehr lesenswert Deine Beiträge.

    Die drei Punkte hätte ich dem 2011er U500, den wir gestern Abend getrunken haben, auch gegeben. Sehr schöne Riesling Interpretation, wie ich finde.

    Grüße ralph

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  3. Hallo Erich,

    ich hätte noch eine Flasche vom 2011er. Einen Quervergleich fände ich auch spannend! Vielleicht ergibt sich ja bei unserer tasting Runde die Möglichkeit einer Verkostung beider Weine?

    Viele Grüße
    Ralph

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    • Hallo Ralph,
      wäre schon eine verlockende Aktion! Vielleicht kann man ja noch eine Flasche eines weiteren Jahrgangs organisieren. Den verschrieenen 2010er fände ich sehr interessant, da entwickeln sich viele gehaltvollere Weine zu sehr schönen und frischen Stöffchen. Habe ich gerade erst wieder festgestellt.
      Ich schau mal ein bißchen rum…
      VG Erich

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