WaL-Nachlese

Letzten Freitag war ja mal wieder eine Live-Verkostung bei Wein am Limit und ich hatte endlich nach einigen Aussetzern wieder die Gelegenheit, daran teilzunehmen. Mit dabei waren Andreas und Manuel, die ich von unserer Münchener Weinrunde kenne. Gemeinsam haben wir die drei Fläschchen vernichtet und recht angeregt über die Weine diskutiert.

Diese Zusammenfassung soll nun keine Gegendarstellung, Konkurrenz oder sonstwas gegenüber dem oben verlinkten Original sein. Aber ich schreibe hier ja zuvorderst im Eigeninteresse über praktisch alle von mir verkosteten Weine (quasi als elektronisches Gedächtnis) und so halte ich das auch in diesem Fall: als Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke (und ein bißchen auch die der beiden anderen Mitstreiter). Deshalb will ich hier auch gar nichts zum Drumherum der Weine sagen, schaut euch da besser den Reload des o.g. Livestreams an. Und an dieser Stelle auch herzlichen Dank an MS Hendrik Thoma, der mit seiner lockeren, offenen und unverkrampften, aber dennoch hochkompetenten Art solche schönen Ereignisse möglich gemacht hat und hoffentlich weiter möglich machen wird.

Ich habe mich lange Zeit nicht besonders intensiv mit spanischen Weinen beschäftigt, da mir die häufig fette und / oder holzlastige Machostilistik einfach nicht mehr gefallen hat. Aber HT ist ja bekannt für sein feines Gespür für besondere Weine (finde ich jedenfalls) und somit habe ich mich auf diese Verkostung sehr gespannt gefreut.

1. Wein: 2014er Las Machuqueras – Listán Bianco de Canarias – La Palma DO, Matías i Torres, Islas Canarias

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Listán Bianco de Canarias ist übrigens ein Synonym für die Rebsorte Palomino (Fino), die Grundlage vieler Sherrys ist.

Im Glas ein sehr dunkles Goldgelb, zieht ölige Schlieren am Glas. In der Nase zuerst feuchter Keller und Blumentopf, was aber nach etwa 15 Minuten weitgehend verschwindet (nein, wir haben bewußt nicht karaffiert). Weiters Honig, weißer Pfirsich, Karambole, später auch Maracuja. Dabei deutlich phenolisch, weiters Streichholzschachtelreibefläche und ein paar Kräuternoten, z.B. Dill. Am Gaumen Maracuja, hefig, nasse Steine. Moderate Säure, dabei Zitrusaromen wie Grapefruit und Pomeranze. Insgesamt sehr filigran ausgeprägte Aromatik, die nach einiger Zeit noch durch Karamell und kandierte Mango ergänzt wird. Der Abgang ist lang und recht warm.

Dies war wohl der polarisierendste Wein des Abends. Einer unserer Verkoster hat sich denn auch einer Bewertung enthalten, weil sowas gar nicht sein Ding ist. Ich mag solche Sachen aber sehr gerne und habe in der Kommentierung im Livestream auch eine gewisse Nähe zu den Weinen von Werlitsch aus der Steiermark -am meisten zum „Drei Generationen“- benannt. Mein Favorit des Abends. Ich werde mir davon vielleicht noch was zulegen, denn ich denke, es könnte ganz spannend sein, den Wein über mehrere Tage zu beobachten.

Meine Wertung: 2

2. Wein: 2013er Xabre – Cuvée – Ribera Sacra DO, Fento Wines, Galicia

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 90 % Mencia, die restlichen 10 % sind Sousón, Mouratón und Garnacha

Die Farbe ist ein mittel transparentes Rubinrot. Riecht recht intensiv nach Kakao, Leder, Zedernholz und Brombeermarmelade (ohne dabei wirklich marmeladig zu sein), hat einige dunkle florale Noten. Am Gaumen eher wenige Tannine, diese aber sehr samtig. Das Holz kommt leicht rauchig, ledern und mit Tabaknote daher. Auf der Fruchtseite Brom- und Heidelbeere. Recht schöne, frische Säurestruktur. Der Abgang ist lang und fruchtig mit schöner Begleitung durch die nicht dominierenden Holzaromen.

Ein recht geradliniger, schön hinsichtlich Frucht, Holz und Säure ausbalancierter Wein, den ich blind nie nach Spanien verortet hätte. Der Liebling meiner beiden Gäste.

Meine Wertung: 2

3. Wein: 2013er Labros – Garnacha – Madrid DO, Bodega Marañones, Madrid

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Diesen Wein haben wir karaffiert, das heißt, er hatte etwas über eine Stunde Zeit zum Luftholen.

Im Glas erstaunlich hell und transparent. In der Nase rote Johannisbeeren, Erdbeeren, Himbeeren (nein, nicht die künstliche Variante), Granatapfel. Eher leichte Holznoten, diese durch Tabak geprägt. Am Gaumen zeigen sich Tannine in mittlerer Dichte, diese erzeugen ein leicht pelziges Gefühl im Mund. Hier deutlich mehr Holz: Rauch, Nelke, Leder, Tabak. Eher wenig Frucht, es bleiben Granatapfel und Erdbeere übrig. Von der Säure her weniger als ich mir wünschen würde. Die 14,5 Umdrehungen kommen geschmacklich nicht ganz bei mir an. Bezüglich des Abgangs möchte ich den Einwurf „Rauchforelle“ aus der Runde als treffend übernehmen.

Wir waren uns einig, daß dies der Wein war, mit dem wir alle am wenigsten anfangen konnten. Aber er hat ja durchaus seine Fans, wie die Bewertungen während der Live-Verkostung zeigen. Kein schlechter Wein, aber er hat leider nichts, was mich zum Nachkauf animieren würde.

Meine Wertung: 1

Insgesamt ein sehr schöner Abend, bei dem man hinsichtlich seiner Meinung über spanische Weine einiges dazulernen konnte! Mal sehen, welche Erkenntnisse der nächste Livestream bringt, an dem ich teilnehmen kann!

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