Geburtstagsgeschenk

Ich hatte noch ein Geschenk zu meinem letzten Geburtstag gut: ich durfte mir eine Schallplatte in meinem Lieblingsplattenladen aussuchen. Da habe ich doch dann tatsächlich etwas gefunden, was ich schon seit langen Jahren auf der Wantlist habe, mir bis jetzt aber noch nicht in die Finger gekommen ist:

Herbie Hancock – Mwandishi

als Originalpressung von 1971 in praktisch fabrikneuem Zustand!

Mwandishi ist ein Wort aus dem Kiswahili und bedeutet irgendwas zwischen Diener, Autor, Lehrer. Die Deutungen sind da etwas vielfältig, je nachdem, wo man nachschaut. „Komponist“ ist vielleicht am passendsten. In der Zeit haben sich die am Album beteiligten Musiker gerne mit Swahili-Namen geschmückt. Buster Williams war „Mchezaji“ (Spieler), Bennie Maupin „Mwile“ (Gesunder Körper), Billy Hart „Jabali“ (Felsen), Leon Chancler „Ndugu“ (Verwandter), Eddie Henderson „Mganga“ (Doktor).

Nachdem Herbie Hancock eine Zeit lang Mitglied des legendären zweiten Miles Davis Quintets war, welches bei Columbia / CBS unter Vertrag war, brachte er zwischen 1969 und 1972 drei Alben unter eigenem Namen bei Warner Bros. heraus. Das zweite davon war „Mwandishi“. Danach wurde auch er für lange Jahre bei Columbia / CBS heimisch.

Die Musik auf „Mwandishi“ scheint sehr stark inspiriert von dem Album „Bitches Brew“ von Miles Davis. Da hat Herbie Hancock zwar nicht mehr mitgewirkt, aber noch bei „In a silent Way“ (1969), was so als die Keimzelle des Fusion gilt, saß er an den Tasten und hat sich von da an recht eigenständig, aber mit erkennbaren Wurzeln in der Fusion-Linie weiterentwickelt. „Mwandishi“ ist dabei bei aller Experimentierfreudigkeit eines der eingängisten Alben auf dem Weg zum Blockbuster „Head Hunters„. Dennoch ist es musikalisch recht komplex, z.B. ist „Ostinato“ im 15/8 Takt komponiert, also was ganz Krummes, dennoch ist es keine akademische Musik. „Wandering Spirit Song“ ist wohl das komplexeste (und längste: 21:26 min) Stück auf der Platte und baut eine Reihe von Themen recht spannungsgeladen, wenn auch langsam, auf, um nach der musikalischen Auflösung das nächste Thema anzugehen. Diese sehr frei und teils etwas meditativ wirkenden Stücke kamen allerdings beim Publikum nicht so an wie der „Blue Note-Klang“ seiner früheren Alben bzw. die Alben des damals weit bekannteren Miles Davis. Deshalb mündete diese recht experimentelle Phase nach 3 Alben (außer „Mwandishi“ noch „Crossings“ und „Sextant“ (schon bei Columbia / CBS) einfach aus finanziellen Gründen in eine kommerziellere Richtung, deren Anfang das oben bereits verlinkte Album „Head Hunters“ war. Das wurde dann auch zum meistverkauften Fusion-Album aller Zeiten…

„Mwandishi“ ist eines meiner Lieblingsalben von Herbie Hancock (angeblich sieht er das genauso) und deshalb ganz klar:

Meine Wertung: 4

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