Überraschungskiste – Teil 1

Angeregt durch einen Wein, den wir bei der letzten Münchener Weinrunde (bei der ich dabei war) probieren durften, habe ich mir auch ein paar Fläschchen aus dem vom Vinum-Magazin initiierten Verkauf einer großen Weinsammlung, die etwa 40.000 Flaschen umfaßte, gegönnt. Die Flaschen stammen alle aus den 80er und 90er Jahren und sind überwiegend trockene Weißweine, mehrheitlich Rieslinge. Da gehe ich mal davon aus, daß die ein oder andere Flasche nicht mehr trinkbar ist oder gar nicht meinem Geschmack entspricht, aber da der Erlös ja einem wohltätigen Zweck dient (Wine saves life e.V.), ist mir das der Spaß wert, zumal der Preisrahmen ja auch überschaubar ist.

Ich fange jetzt mal mit einer eher jüngeren Flasche an:

1997er Auxerrois – Malscher Ölbaum – Spätlese – trocken, Ludwig Honold, Baden

Schönes Goldgelb im Glas. In der Nase Korianderhonig, Nelken, etwas Leder, Holundersirup, gedörrte Pflaumen. Am Gaumen sehr cremig, fast leichtfüßig. Hat etwas von einem ganz milden Sherry, wobei das hier absolut keine unangenehme Alterungsnote ist. Entfernt schmeckt man noch ein paar Datteln raus, aber sonst sind die Fruchtnoten passé. Ansonsten auch hier die oben angeführte Honignote. In der Nase wirkt der Auxerrois deutlich voller als am Gaumen. Die auf dem Etikett angegebenen 14 Umdrehungen kann man geschmacklich und beim Abgang nachvollziehen. Dieser hat doch einiges an Länge und wärmt den Rachen mit einer leicht alkoholischen Honignote.

Also ein Honigwein ist dieser Auxerrois geworden. Ich mag ja solche gereiften Sachen, sofern die Reifung mit einer gewissen Würde erfolgt ist und finde es schon erstaunlich, daß der Auxerrois -trotz Spätlese QwP- nach knapp 20 Jahren noch ohne Einschränkung trinkbar ist. Bei solchen alten Sachen tue ich mich allerdings mit meiner Art der Bewertung ein bißchen schwer, denn genau diesen Wein nachkaufen zu wollen, dürfte eher aussichtslos sein und ein aktueller Jahrgang wäre wohl kaum mit dieser Flasche hier zu vergleichen. Das Weingut gibt es zwar noch, aber den Auxerrois aus der Lage und die Lage selbst findet man auf der Webseite nicht. So tue ich in solchen Fällen „als ob…“. Und da stelle ich in diesem speziellen Fall fest, daß mir das jetzt Spaß gemacht hat, aber daß ich den Wein dennoch nicht nachkaufen würde (Konjungtiv!), da der Eindruck am Gaumen doch zu sehr hinter dem in der Nase hinterherhinkt.

Meine Wertung: 1

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