Lakritz-Silvaner – Nachtrag

Gestern war mal wieder was aus Retzstadt dran:

2012er Silvaner – Thüngersheimer Johannisberg – Recis – trocken, Rudolf May, Franken

Laut Website von Rudolf May wurde diese Lage 1966 bepflanzt, Recis ist der Hinweis darauf, daß es sich um einen der besten trockenen Weine des Weinguts handelt. Das aktuelle Pendant aus dieser Lage ist nach Auskunft des Weinguts der „Silvaner – Rothlauf – GG“. Dies ist dem Umstand geschuldet, daß das Weingut May mittlerweile VDP-Mitglied ist (die geöffnete Flasche weist dies noch nicht aus) und die Bezeichnung der Weine ja auch da gewissen Regularien folgen muß.

Im Glas ist der Recis goldgelb. In der Nase erst mal Thymianhonig, dann reife Pfirsiche und Ananas. Auch einiges an Salz kann man hier schon ausmachen. Magnesiumlastig! Dieser Geruch, wenn man das Experiment mit dem Abbrennen eines Magnesiumstreifens macht. Am Gaumen etwas Braunwürze, sogar leicht Lakritze. Die Früchte sehr auf der reifen bis gedörrten Seite, weiters Feigen und Datteln. Nicht ganz so viel Salz wie in der Nase, aber immer noch ordentlich. Das Ganze wird durch eine perfekt dosierte Säure so in Balance gehalten, daß trotz des amtlichen Extrakts kein Gefühl der Schwere aufkommt. Die 13,5 Volt entsprechen dem Geschmackserlebnis, wirken aber nicht belastend. Der Nachhall macht über mehrere Minuten Spaß mit dem konzentrierten Fruchtextrakt plus der oben schon erwähnten Lakritze.

Dies ist wieder so ein Wein, der die Balance zwischen Gehalt und Leichtigkeit gekonnt beherrscht. Komplexität muß eben nicht mit Schwere einhergehen. Ganz großes Franken-Kino!

Meine Wertung: 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Geruchlich hat sich die Lakritze von gestern zurück entwickelt, jetzt haben die Früchte deutlich mehr Gewicht. Immer noch eine schöne Mineralität. Am Gaumen jetzt auch eine frisch-gelbe und etwas exotischere Fruchtigkeit vorherrschend, Nektarine, Papaya, Mango, ganz leicht Khaki. Die Salze etwas auf der herben Seite, die Säure heute etwas dominanter. Im Hintergrund ein wenig Bittermandel. Der Abgang geringfügig mehr auf der herben Seite als gestern. Hat sich doch signifikant verändert, wobei ich ihn gestern etwas eigenständiger fand. Aber immer noch ein großer Wein!

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