Oranger Grieche? – Nachtrag 2

Heute mal vermeintlich dicker griechischer Stoff von der Insel Santorin. Jedenfalls dachte ich mir das, als ich auf der Flasche gelesen habe, daß der Wein mit immerhin 15 Umdrehungen daherkommt:

2014er Assyrtiko de Mylos – Vieilles Vignes – Santorini PDO, Hatzidakis, Kyklades

Der „Mylos“ wird für 12 Stunden mit Schalenkontakt eingemaischt, spontan vergoren und dann in Stahltanks für 8 Monate auf der Hefe belassen. Abschließend wird der Wein unfiltriert abgefüllt. Ich habe übrigens gelesen, daß Assyrtiko bei Lese im sehr gereiften Zustand bis zu 17 Volt in der Flasche erreicht.

Im Glas ein etwas trübes Dunkelgelb, leicht ins Orange tendierend. In der Nase sehr reife Fruchtaromen von Äpfeln, Pfirsichen, Marulas. Weiters hier bereits sehr mineralisch mit vielen feuchten Steinen. Bei allem Gehalt in der Nase wirkt der Wein aber nicht opulent. Am Gaumen sehr cremig, spürbare Gerbstoffe, aber ohne jegliche Bitterkeit. Die Frucht ganz leicht mostig, mit einem dezenten herben Begleiter. Prägnante Säure, die einige herbe Zitrusaromen in Richtung Blutorange und Pomeranze mitbringt. Auch hier eine ganze Menge salzige Bestandteile. Insgesamt sehr trocken, trotz des spürbaren Gehalts aber anscheinend wenig Extraktsüße. Weiters sind die oben erwähnten 15 Ampere kaum spürbar, wo die genau versteckt sind, weiß ich nicht. Der Nachhall ist herb-fruchtig, dabei intensiv, aber doch leicht und elegant.

So einen Wein hatte ich noch gar nicht im Glas. Ich würde ihn nicht als Orange-Wein einstufen, aber er zeigt ein bißchen in diese Richtung. Die Balance zwischen Frucht, Salz und Säure ist sehr speziell. Ich denke, daß ist so ein Wein, der über mehrere Tage betrachtet eine interessante Entwicklung hinlegen kann. Deshalb habe ich es heute bei einer angemessen kleinen Menge belassen. Wahrscheinlich gibt’s einen oder mehrere Nachträge in den nächsten Tagen!

Meine Wertung: 3

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: In der Nase kann man jetzt auch Mandarinen und Maracuja finden. Die Gerbstoffe spürt man am Gaumen eher mehr als weniger, aber auf der weichen Seite und nicht unangenehm. Die Salze spürt man ebenfalls deutlicher, die Früchte werden aber nicht verdrängt. Die Zitrusseite dominiert hier jetzt mit Limette, Pampelmuse, Blutorange und Pomeranze, Maracuja und Sternfrucht stellen sich ein bißchen hinten an. Der Abgang immer noch lang und herb zitrusfruchtig mit Kieseln vermischt.

Sehr schön! Ist noch nicht alle!

2. Nachtrag nach 5 Tagen mit Luft: In der Nase sehr intensiv süßlich gelbfruchtig, kandierte Aprikosen, reife Mangos, auch Rosinen, Datteln. Deutliche Feuersteinnote sowie Naßschleifpapier, Walzzunder. Geschmacklich wieder diese kräftige Gerbstoffstruktur, die Fruchtseite etwas zurückgezogen, gedörrte Pflaumen, aber auch Pampelmuse samt leichtem Bitterchen. Auf der mineralischen Seite eine schöne Rauchigkeit sowie Grauguß, der gerade mit Einsatz von Bohremulsion zerspant wird. Das wird sich jetzt möglicherweise nicht jedem erschließen, aber sorry, das ist das, was mir beim Probieren in den Sinn kam. Das alles wird nach wie vor durch die Säure schön abgepuffert, der Abgang wird nun von der Mineralik dominiert.

Der Mylos hat sich -aus meiner Sicht- sehr schön weiterentwickelt, mir gefällt vor allem diese Art der Mineralik sehr gut. Bis jetzt unbestritten der beste Grieche, den ich jemals im Glas hatte!

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