WaL-Nachlese

Letzten Donnerstag war wieder eine Wein am Limit Live-Verkostung, bei der wir wacker 4 Flaschen Wein zu zweit vernichtet haben. Nein, stimmt nicht ganz, bei dreien blieb noch deutlich was für’s Wochenende übrig.

Wie schon das letzte mal ist dieser Bericht keine Gegendarstellung, sondern lediglich eine Zusammenfassung meiner / unserer Eindrücke, die aber doch teils signifikant von denen im Livestream abwichen.

Frankreich ist bei mir immer ein eher stiefmütterlich bzw. nicht flächendeckend behandeltes Weinthema gewesen. Warum? Einfach weil ich zu selten dort war bzw. bin, d.h. die persönliche Bindung an das Land ist auch eher locker. Deshalb nehme ich solche Gelegenheiten gerne wahr, mal wieder was zu probieren, das es eher selten bis gar nicht auf meiner persönlichen Weinkarte gibt.

1. Wein: 2014er Chardonnay – Les Mulots – Mâcon-Villages AOP, Domaine Luquet, Bourgogne

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Im Glas goldgelb mit grauen Reflexen. In der Nase gleich ein deutliches Schwefelbad, welches sich am Donnerstag kaum verzogen hat, auch intensive Schwenkerei hat diesen Eindruck nicht sehr viel verringert. Auch sonst sehr mineralisch-rauchig, Fruchtaromen verschwinden eigentlich völlig hinter dieser Wand. Auch am Gaumen dominiert die rauchig mineralische Seite, ansonsten etwas herb-gelbe Fruchtigkeit in Richtung Maracuja und ein bißchen Tamarinde. Generell schwingen noch mehr Fruchtaromen mit, aber diese waren zuerst schwer identifizierbar. Im Laufe der Zeit ging der Schwefeldampf zumindest ein bißchen zurück und ein paar Äpfel tauchten auf, diese jedoch auf der leicht mostigen Seite. Die Säure wollte auch nicht richtig mitspielen, weiters steht der Wein deutlich zu seinen 13 PS. Auch der Abgang leidet etwas unter dem Thermalwasseraroma.

Die Hälfte des Flascheninhalts hatte dann noch ca. 24 Stunden Zeit, bevor dieser dann vernichtet wurde. Dann war vom Schwefel tatsächlich fast nichts mehr übrig, die Früchte präsentierten sich erheblich deutlicher, aber insgesamt ist es immer noch ein eher von der Mineralik geprägter Wein. Die Einordnung als „unkomplizierter, leichter Sommerwein“, wie sie sinngemäß im Livestream geäußert wurde, können wir so nicht bestätigen. Ich mag ja gerne mineralisch geprägte Weine, auch wenn sie ein bißchen „schmutzig“ sind, aber in diesem Fall war mir das Ganze doch zu wenig ausgewogen, als daß ich mir den Wein auf die Merkliste setzen würde. Interessant fand ich ihn aber dennoch.

Meine Wertung: 1

2. Wein: 2012er Réserve des Gardians – Cuvée – Coteaux d’Aix en Provence AOP, Domaine d’Eole, Côtes de Provence

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 30 % Grenache, 30 % Syrah, 20 % Cinsault und 20 % Carignan.

Die Farbe ist ein mittel transparentes Granatrot. Riecht recht intensiv nach Brombeere und dunkler Kirsche, später kommt auch noch Himbeere dazu. Am Gaumen ebenfalls schöne dunkelrote Früchte, aber etwas weniger differenziert als in der Nase. Wenige Tannine, die, die da sind, präsentieren sich jedoch sehr weich und elegant. Weiters ein ganz leichtes, durchaus angenehmes Bitterchen, dazu leichte Vanillenoten und ein paar Lederschnipsel, die auf großes Holz schließen lassen. Dabei hat der Gardians eine schöne Säurestruktur, uns drängte sich aufgrund dessen der Vergleich mit einem guten Blaufränkisch auf. Relativ langer, frisch-fruchtiger Abgang.

Hier waren wir uns einig, daß man in diesem Fall sehr viel Wein für’s Geld bekommt. Vielfältig, klar und frisch, macht rundrum Spaß!

Meine Wertung: 2

3. Wein: 2014er cru-elles – Cuvée, Ludovic Engelvin, Languedoc

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 60 % Grenache und 40 % Mourvedre. Wir haben ihn gemäß Empfehlung karaffiert, das heißt, er hatte gut zwei Stunden Zeit zum Luftholen.

Im Glas eine ähnliche Farbe wie der erste Rote. In der Nase dunkle Kirsche, etwas Heidelbeere, die Früchte verschwimmen aber etwas ineinander, was leicht milchiges drängte sich mir noch auf. Am Gaumen eine mittlere Tanninstruktur, anfangs noch leicht pelzig, der gleiche Fruchteindruck wie oben beschrieben. Ein paar Steine machen sich im Hintergrund noch bemerkbar, mittellanger fruchtiger Abgang.

Dies ist jetzt eher der unkomplizierte Wein der Viererbande, durchaus schön gemacht, aber irgendwie auch ein bißchen belanglos bis gefällig. Jedenfalls eckt er nirgendwo an und hinterläßt damit auch keinen bleibenden Eindruck, jedenfalls nicht bei mir.

Meine Wertung: 1

4. Wein: 2010er D’Aiguilhe – Cuvée – Côte de Castillon AOC, Château d’Aiguilhe, Bordeaux

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 85 % Merlot und 15 % Cabernet Franc. Auch dieser Rote wurde ca. zwei Stunden vorher in die Karaffe gegeben.

Ein dunkles, wenig transparentes Rubinrot im Glas. Riecht gleich sehr dick und intensiv nach schwarzen Kirschen, Heidelbeere, Brombeere, deutlich auch nach Leder, Vanille und Nelke. Das Mundgefühl wird bestimmt durch eine mittlere Tanninstruktur mit einer leichten Pelzigkeit, die Früchte kommen mit viel Druck daher, leider auch mit einer etwas rumtopfigen und deutlich alkoholischen Note. Trotz seiner amtlichen 15 Umdrehungen verfügt der Wein aber dennoch über eine gewisse Frische, der Abgang ist lang und fruchtig, aber auch etwas brandig.

Ich weiß nicht, ob dieser Kraftmeier vielleicht noch zu jung ist, denn eigentlich glaube ich nicht, daß insbesondere die Rumtopfigkeit deutlich abbauen wird. „Kraft ist nicht alles“, habe ich mir bei diesem Wein gedacht. Solche Machos trinke ich durchaus ab und zu auch mal ganz gerne, aber der D’Aiguilhe war mir in der jetzigen Verfassung doch zu grob, wenn auch nicht gänzlich uninteressant.

Meine Wertung: 1

Die primäre Erkenntnis für uns war, daß ausgerechnet der günstigste Rotwein aus der Provence den mit Abstand besten Eindruck bei uns hinterlassen hat. Und meinen französischen Horizont konnte ich auch ein bißchen erweitern! Dann bis zum nächsten Livestream!

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5 comments on “WaL-Nachlese

  1. Hallo Erich,
    interessante Zusammenfassung zum Stream, den ich auch gesehen aber nicht teilgenommen habe (irgendwie haben mich die Weine nur zu 49,99% gereizt, das war knapp zu wenig für eine Teilnahme 😉 ).
    Verwundert bin ich über Deine Bewertung nicht.
    Unter 10 Euro aus dem Burgund, auch wenn es „nur“ die Côtes Mâconnaises ist, und dann noch mit Händler/Zwischenhändler-Zuschlag – da glaub ich nicht an einen besonderen Wein.
    Vin naturel – ich finde da gibt es großartige Sache von der Loire, aus dem Jura, teilweise aus den nördlichen Burgund aber aus Südfrankreich (Languedoc-Roussillon) habe ich da noch nichts spannendes getrunken (und ich hab schon einige Vin naturel aus der Ecke probiert) – meist mehr gewollt als gekonnt.
    Die besten Bordeaux mit 15 Volt kommen für mich eher aus dem Napa Valley – ich glaub hier sind viele Bordeaux-Winzer auf dem Holzweg… und auch ich glaube nicht, dass rumtopfige Frucht und brennender Alk mit Reife besser wird. Eher im Gegenteil.
    Aber ein interessant anzusehender Stream war es trotzdem 🙂
    Hast Du noch was übrig von den Weinen und gab/gibt es (wider Erwarten) eine signifikante Verbesserung?
    VG und schönes WE
    Patrik

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    • Hallo Patrik,
      gereut hat mich das Paket nicht, es war kein schlechter Wein dabei, aber andererseits auch nur einer, der -insbesondere auch hinsichtlich PLV- wirklich bemerkenswert war. Über die Entwicklung des Chardonnay habe ich ja schon was geschrieben, der Bordeaux wurde am Abend doch noch geleert. Der cru-elles hat sich innerhalb der 24 Stunden bis zur finalen Leerung nicht signifikant verändert, jedenfalls gab es keinen qualitativen Sprung nach oben. Was mit dem Rest des Gardians passiert ist, weiß ich noch nicht, der hat in der Nacht das Haus noch verlassen. Ich frage mal nach, vielleicht gibt es dann noch einen Kommentar dazu…
      VG Erich

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    • Hallo Patrik,
      ich habe die Antwort schon bekommen:
      „Mein Eindruck war, dass er [der Gardians] die feine Differenzierung der einzelnen Fruchtnoten –Brombeere, Him- und Erdbeere, Schwarzkirsche– ein wenig eingebüßt hat und seine Fruchtigkeit nun eher in Form eines bunten „Potpourri“ präsentierte. Weiterhin diese klare Frische und auch verspielte, trotzdem seriöse Leichtigkeit, die dem Wein einen guten Trinkfluss gibt. Das Holz blieb weiterhin im Hintergrund.“
      VG Erich

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  2. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wohl sehr wenig gute Weine aus dem Burgund für deutlich unter 20 Euro gibt. OIn der Region 17-20 macht man schon oft gute Entdeckungen. Über Tipps in der Preisklasse darunter würde ich mich freuen. Persönlich kaufe ich die Weine um die 10-12 Euro nur noch sehr selten aus der Region, da sie meistens doch sehr enttäuschen.

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