7. Weinrunde in / um München

Letzten Freitag fand nunmehr die siebte Weinrunde in bzw. um München statt, bei der wir wieder mal ein bißchen was blind verkostet haben. Diesmal wieder bei Manuel, vielen Dank für die Organisation und auch die Bewirtung (siehe unten!). Es war wieder eine sehr schöne Runde, schade, daß ich bei dem letzten Treffen aus terminlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Das ist auch der Grund, warum man hier nichts zur 6. Runde findet.

Es gab diesmal eine „offene“ Runde, also kein spezielles Thema. Jeder konnte nach Lust und Laune mitbringen, was sie / er gerne probieren mochte, nur sollte einem selbst der Wein noch nicht bekannt sein. Zum Einstieg gab es außer Konkurrenz aber erst mal einen

Wein A: 2013er [Cuvée] – Vinho Verde DOC, Quinta da Aveleda, Minho

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Dieser Vinho Verde ist eine Cuvée aus Loureiro und Alvarinho und wurde uns vorab als Begleitung zu zweierlei frittierten portugiesischen Teigtaschen gereicht, laut unserem Gastgeber in Portugal eine der typischen Kombinationen was Wein und Essen anbelangt. Jetzt habe ich leider versäumt, mir die Namen der frittierten Sachen zu merken. Es könnte sich um „Rissóis de camarão“ (Teigtaschen mit Garnelenfüllung) und „Pasteis de Bacalhau“ (Stockfischkroketten) handeln. Falls ich’s nicht ganz richtig gedeutet habe, bitte ich um Korrektur!

Jetzt aber zum Wein: Im Glas ein eher helles Strohgelb, leicht perlend. Riecht etwas nach grüner Birne, dabei leicht kräuterig. Am Gaumen grüner Apfel, etwas Stachelbeere, grünkräuterig u.a. nach Estragon. Recht zupackende Säure, die dem Wein die beabsichtigte Frische verleiht, wird mit der Zeit ein bißchen geschmeidiger. Recht moderat im Alkohol (11,5 PS) und im Abgang mittellang, dabei säuerlich fruchtig.

Kein ganz großer Wein, aber zu den oben erwähnten Leckerlies hat er wirklich sehr schön gepaßt. Ist aber dennoch nichts, was ich mir auf Vorrat in den Keller legen würde.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

Danach gab es mal wieder aus der Vinum-Überraschungskiste eines Teilnehmers ein gut gereiftes Tröpfchen:

Wein B: 1981er Eitelsbacher Marienholz – Riesling – Spätlese – QmP, Bischöfliches Konvikt Trier, Ruwer

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Das Weingut gibt es so noch, es „firmiert“ heute aber unter dem Namen „Bischöfliche Weingüter Trier“, unter dem auch noch die Güter „Bischöfliches Priesterseminar Trier“ und „Hohe Domkirche Trier“ zusammengefaßt sind. Soweit ich weiß, war das jetzt auch der erste Wein von der Ruwer, der mich jemals erreicht hat.

Die Farbe -klar- ein ziemlich sattes Goldgelb. In der Nase sehr dicht Lindenblütenhonig und kandierter Pfirsich sowie etwas, das ich nach einiger Zeit als Bakelit, also ein alter duroplastischer Kunststoff, eingeordnet habe. Am Gaumen noch eine sehr präsente Säure, reife, leicht angemostete Früchte, Honigmelone, etwas Petrol und eine leichte Schiefermineralität. Der Abgang hat eine schöne Länge, ist dabei auch sehr dicht und extraktreich, dennoch elegant.

Dieser Riesling macht auch nach 35 Jahren noch Spaß, würde ich mir glatt nochmal antun, wenn’s die Chance dazu gäbe.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Jetzt geht’s aber los mit den Weinen der Blindverkostung:

1. Wein: 2011er Riesling – Vom Muschelkalk – „S“ – trocken – Qw, Ökonomierat Rebholz, Pfalz

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Im Glas ein recht dunkles Goldgelb. In der Nase reife Pfirsiche und Aprikosen, fast kandiert, etwas Karamell und Blütenhonig im Hintergrund, leichte Holznoten in Form von Leder. Geschmacklich reife gelbe Äpfel, weißer Pfirsich. Auch hier etwas Holzwürze, dabei leicht rauchig. Mittel ausgeprägte Säure, das Süße-Säure-Spiel ist dennoch schön ausgewogen, was zu einer relativ deutlichen Frische angesichts des hohen Extrakts führt. Der Muschelkalk steht nicht nur auf der Flasche drauf, sondern ist auch spürbar drin. Der Abgang ist cremig, dabei der fruchtsüßen Seite zugewandt und währt locker für zwei bis drei Minuten.

Sehr schöner, dichter und vielschichtiger Riesling, der dennoch Trinkfluß hat, fast schon GG-Qualität.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

2. Wein: 2014er Manzoni Bianco – Nina – Marca Trevigiana IGT, Ca‘ di Rajo, Veneto

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Schon wieder ein recht dunkles Goldgelb im Glas. In der Nase -anfangs- Pinova-Äpfel und Birnen sowie weißer Pfirsich. Im Laufe der Zeit wird das Ganze gelber und exotischer, ich habe dann auch Mango und Maracuja sowie sehr reife Birne entdeckt. Ein paar Steine kann man auch schon riechen. Am Gaumen auch recht extraktreich: Aprikose, Kastanie, Marulas -allerdings nicht alles gleichzeitig. Wenn ich die Weinbeschreibung im Netz richtig verstanden habe, hat der Wein kein Holz gesehen, lag aber 9 Monate auf der Feinhefe, jedenfalls zeigen sich deutlich Nelke, Leder und Zedernholz -dabei etwas rauchig- was mich zumindest auf großes Holz schließen lassen würden. Dazu ein paar herbe Salze und eher wenig Säure, was den Wein ein bißchen sperrig macht. Der Abgang bewegt sich mehr auf der kräuterig herben, petroligen Seite, wird aber mit der Zeit etwas cremiger und eleganter.

Hier fehlte es mir etwas an Frische, die Aromatik ist aber recht vielschichtig und interessant. Müßte ich mir aber nicht unbedingt in den Keller legen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

3. Wein: 2009er Weissburgunder – Henkenberg – Große Lage – GG, Salwey, Baden

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Und der dritte deutlich goldgelbe Wein. In der Nase machte sich allerdings zuerst fast nur Sauerkraut und Rhabarber bemerkbar. Zum Glück haben sich diese Aromen innerhalb von gut 5 Minuten komplett verzogen und haben dann Feigen und Datteln, Quitte und Waldhonig Platz gemacht. Am Gaumen dann Marzipan sowie ein Terzett aus Pampelmuse, Limette und Bergamotte, welches jedoch langsam abbaut und der oben bereits erwähnten Quitte sowie einer frittierten roten Eßbanane Platz macht. Neben einigen herben Mineralien, die wohl auf den vulkanischen Boden am Kaiserstuhl zurückzuführen sind, auch spürbare Holzwürze in Form von Nelke und Lakritz sowie etwas braune Kräuterigkeit. Trotz moderater Säure recht cremig, flutscht daher ganz gut, die Eleganz im Geschmack ist über die Zeit gesehen deutlich zunehmend. Der Nachhall ist von den Feigen und Datteln geprägt, dabei recht dicht und lang.

Nicht nur für mich der schönste Wein des Abends!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

4. Wein: 2013er Blaufränkisch – trocken – Qw, Brendel, Pfalz

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Mittleres, wenig transparentes Rubinrot im Glas. In der Nase recht schwarze Kirsche und Brombeere, etwas Pfeffer und ein wenig Holzwürze. Am Gaumen sehr tanninhaltig und pelzig, dabei auch etwas metallisch. Die Tannine werden zwar mit der Zeit zahmer, aber das Metall verschwindet zumindest nicht ganz. Hier nur wenig Kirsche, dafür deutlich mehr herbe Mineralik, sehr präsente Säure, dadurch aufgrund der geringen Fruchtaromatik eher kühl und straff im Charakter. Die immerhin 13,5 Volt fallen nicht weiter auf. Der Abgang ist ebenfalls mehr auf der mineralischen Seite daheim und mittelang.

Auch wenn ich ja gerne mineralisch geprägte Weine mag und ich diesen Blaufränkisch generell nicht uninteressant fand, war er mir doch zu wenig ausgewogen und vor allem die leicht metallische Komponente hat mich etwas gestört. Würde ich vielleicht in ein paar Jahren nochmal probieren, möglicherweise sind dann die Ecken und Kanten ja etwas abgerundet.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

5. Wein: 2012er Pinot Nero – Schweizer – Alto Adige DOC, Franz Haas, Südtirol

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Ich war ja erst vor ein paar Wochen bei Franz Haas in Montan, habe dort aber nur Weißweine probiert und auch einige schöne Sachen mitgenommen. Insofern war es schon interessant, bei der Runde den Parade-Spätburgunder respektive Pinot Nero von ihm ins Glas zu bekommen.

Hier nun rebsortentypisch ein mittleres, transparentes Rubinrot im Glas. In der Nase helle Kirschen, Himbeeren und Kakao. Am Gaumen fast tanninfrei, sehr weiche Frucht, wieder Kirsche und Himbeere, dazu etwas Heidelbeere. Wirkt aufgrund der moderaten Säure leicht extraktsüß, den Kontrapunkt bildet eine kleine Limette nebst Bitterchen. Der Abgang ist mittellang, dabei warm und fruchtig.

Durchaus ein schöner Spätburgunder (um beim deutschen Namen zu bleiben), eher filigran und elegant, aber für den Preis, der für diesen Top-Level-Wein des Guts zu berappen ist, würde ich hier nicht zuschlagen; da gibt es auch in Südtirol für weniger Geld deutlich vielschichtigere Blauburgunder, wie sie dort meist genannt werden. Oder man muß noch ein paar Jahre warten, wer weiß…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

6. Wein: 2012er Cabernet Cortis – Naran Cortìs, Pravis, Trentino

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Hier haben wir einen der doch eher seltenen Weine ganz ohne Schwefelzusatz. Wobei ich persönlich in der -moderaten- Schwefelung nichts negatives erkennen kann. Aber mal sehen…

Recht dunkles Granatrot mit nur geringer Transparenz im Glas. In der Nase zuerst grüne Paprika und unreife Reneclaude, allerdings kombiniert mit einigen Reifenoten, wie ich sie eher bei älteren Weinen vermuten würde. Dazu etwas Kakao. Am Gaumen ebenfalls Paprika, etwas Kirsche, trotz spürbarem Extrakt wirkt der Wein aber geschmacklich eher dünn. Dazu etwas Aluminium und eine nicht auf der angenehmen Seite angesiedelte Bitterkeit. Auch der Nachhall ist in erster Linie metallisch und bitter.

Vielleicht wäre der Wein mit Schwefel doch besser? So gefällt er mir jedenfalls gar nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3

Außerhalb des „Wettbewerbs“ gab’s zum Abschluß noch was Süßes:

Wein C: 2011er Moscatel – Moscatel de Setúbal D.O., Bacalhôa, Setúbal

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Der Mocatel de Setúbal ist ein Likörwein, der mehrere Monate lang auf der Maische steht. Die Trauben werden bis zu einem Alkoholgrad von etwa 12 Volt und einem Restzuckergehalt von ca. 100 g/l vergoren. Danach wird Weingeist zugegeben, sodaß die Hefen absterben und die Gärung abbricht. Der Moscatel erreicht so seine 17,5 PS (in diesem Fall). Danach lagert das Ganze noch in Holzfässern, bis der fertige Likörwein abgefüllt wird.

Im Glas ist dieser Moscatel dunkel braunorange. Geruchlich als erstes die Assoziation zu Hustensaft, ein paar Nüsse, dabei herb-malzig. Am Gaumen sehr gehaltvoll, wie ein Kompott mit Zwetschgen und Erdbeeren, dazu noch kandierte Orangen. Der Abgang ist recht lang und trotz aller Süße doch recht geschmeidig.

Ich kannte diese Art von Likörwein noch gar nicht. Kann ich schon trinken, trifft aber meine Vorlieben doch nicht so ganz. Wer auch Campari mag, könnte sich hier eher heimisch fühlen. Dennoch eine schöne und interessante Erfahrung.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

Fazit:

Wieder mal ein sehr schöner Abend, vor allem die weiße Seite bestand aus meiner Sicht aus sehr guten und interessanten Weinen. Hoffentlich habe ich das nächste mal wieder Zeit!

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