Noch ein reifer Sizilianer – Nachtrag

Ich schreite jetzt mal voran mit der Dezimierung meiner etwas reiferen Italiener, dabei fiel mir ein

2004er Sàgana – Nero d’Avola – Sicilia IGT, Cusumano, Sicilia

in die Hände. Der Sàgana ist im Gegensatz zum Noà reinsortig gekeltert. Er wurde im großen Holzfaß vergoren und in kleineren Fässern ausgebaut. Der Wein hat in relativ vielen Jahrgängen die begehrten 3 Gläser im Gambero Rosso abgeräumt und liefert sich da immer einen internen Wettstreit mit dem etwas teureren Noà.

Die Farbe ist rubinrot, dabei nicht so dunkel, wie man das von dieser Rebsorte eigentlich erwarten würde. Es zeigen sich nur ganz wenige braune Alterungsreflexe. In der Nase präsentiert sich der Sàgana auch noch von der eher jugendlichen Seite. Ich finde Kirschen und schwarze Johannisbeeren, vom Holz leicht Leder und 60er Schokolade. Am Gaumen erst mal einige butterweiche Tannine, dann eine immer noch sehr frische Fruchtigkeit, die durch Kirsche, Johannisbeere und auch etwas Brombeere definiert wird. Dank der perfekt eingebundenen und nicht gerade geringen Säure flutscht der Wein frisch und ungehemmt, die stattlichen 14 PS stellen dabei kein Hindernis dar. Man schmeckt hier nicht mal im Ansatz was marmeladiges oder gar rumtopfiges, trotz des deutlichen Gehalts ist dies kein südländischer Macho. Hier wird Kraft mit Eleganz und Finesse gepaart, das ist bei den knackigeren Italienern nicht unbedingt selbstverständlich. Auch am Gaumen ist die Holznote zwar präsent, aber wohltuend distinguiert eingestellt. Dabei schwingt ein bißchen Zeder mit. Der Abgang ist ebenfalls schön fruchtbetont, dabei recht intensiv, aber nicht belastend und über einige Minuten nur langsam abschwellend.

Im Gegensatz zum oben verlinkten Noà, den ich mir nicht unbedingt wieder in den Keller legen muß, denke ich hier ganz ernsthaft über die Anschaffung eines oder mehrerer aktuellerer Jahrgänge nach!

Meine Wertung: 3

Nachtrag nach 40 Stunden mit Luft: Ältere Weine -insbesondere wenn sie rot sind- bauen mit Luft häufig sehr schnell ab, weshalb man sie ja auch in der Regel eher nicht karaffieren sollte. Deshalb war ich auch überrascht, daß der Sàgana nach knapp 2 Tagen unter Sauerstoffeinfluß immer noch voll auf der Höhe war. Nichts Bitteres, kein Rumtopf, keine entgleiste Säure. Die Tannine sind noch ein Stück zahmer geworden, die Frucht hat geringfügig zugunsten des Holzes abgebaut. Immer noch groß…

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