Piano-Solo

Jetzt war mal wieder Herbie-Time. Wir wollten was nicht so krachiges, deshalb fiel unsere Wahl nicht auf eine der funky Scheiben der 70er Jahre, sondern ich habe mal wieder

Herbie Hancock – The Piano

aufgelegt. In der Zeit dieser Aufnahme -1979- spielte und veröffentlichte Herbie Hancock hauptsächlich Jazz-Rock bzw. Funk-Jazz und auch einiges, was schon stark in Richtung Disco ging und aus meiner persönlichen Sicht nicht so das Gelbe vom Ei war. Aber in der Zeit entstanden auch einige Aufnahmen, die sich auf das akustische Piano konzentrierten (z.B. hier und hier) und auch in dieser experimentellen Phase der musikalischen Suche sehr schön zeigen, welches Können im hier agierenden Pianisten steckt.

Herbie Hancock spielt hier solo und rein akustisch am Piano Modal Jazz in Form von älteren Jazz-Standards aus der Zeit des zweiten Miles-Davis-Quintets wie z.B. „My funny Valentine“ und eigene Kompositionen wie „Manhattan Island“ , also im Wesentlichen Musik, die zum Zeitpunkt dieser Aufnahme von Herbie Hancock bereits 15 bis 20 Jahre lang nicht im aktuellen Repertoire war. Spannend dabei die Reduktion der Stücke -die man bis dato eher in der Quintet-Besetzung erfahren hat- auf das Solo-Instrument Piano ohne die in dieser Zeit bevorzugten und mannigfaltig um sich gescharten Keyboards, Synthesizer und Effektgeräte. Bei so einem Downsizing besteht ja immer die Gefahr, daß der Ausdruck der Stücke leidet oder ganz verloren geht. Herbie Hancock aber spielt alle Tracks auch souverän alleine und läßt dabei trotz der Minimierung der Instrumentencharakteristika (bis hin zum Fehlen jeglicher Rhythmusgruppe) keinen Mangel an Expressivität erkennen.

Das Album erschien übrigens im Original nur in Japan als Direktschnitt-LP (hab‘ ich leider nicht 😦 ), 1983 dann -auch nur in Japan- als CD (dafür habe ich die 🙂 ) und war dort anscheinend zu der Zeit erfolgreicher als die weltweit erschienenen Alben der oben beschriebenen Musik. Erst 2004 erschien dieses Album auch in den USA und Europa.

Auch wenn „The Piano“ bei uns -wohl auch deswegen, weil es hier 25 Jahre lang nicht auf regulärem Weg zu haben war- sogar bei den Insidern nur unter „ferner liefen“ rangiert, für mich ist es eines der Top-Alben von Herbie Hancock, weil es hier sein Talent ungeschminkt und unbeeinflußt offenlegt.

Meine Wertung: 3

 

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