Kleine Münchener Zwischenrunde

Da es bis zu unserer nächsten Weinrunde noch ein bißchen dauert, hat ein Teilnehmer aus „dem harten Kern“ der Runde noch eine kleine Verkostung zwischendrin angeregt, bei wir ein paar seiner Mitbringsel von der Kellerei Tiefenbrunner aus Südtirol probiert haben. Vielen Dank an den Initiator für die wiederholte Gastfreundschaft und die wunderbaren Gaumenkitzler, die es nebenher noch gab! Ich habe mich sehr wohl gefühlt!

Das Highlight des Guts ist in aller Regel der „Feld“, ein Müller-Thurgau, den ich hier schon in zwei Jahrgängen vorgestellt habe. Sonst bediene ich mich meist aus der „Turmhof“-Linie, die das mittlere Segment darstellt. Die „Classic“-Weine sind zwar auch nicht schlecht, aber angesichts des eher geringen Preisunterschieds und des doch deutlichen qualitativen Abstands zwischen den Linien, habe ich aus dieser Ebene in den letzten Jahren nichts mehr mitgenommen. Weiter oben gibt es noch die „Linticlarus“-Reihe, die Weine aus dieser Linie sind mir in den letzten Jahren aber meist etwas zu fett gewesen. Ich habe aber noch etwas älteres davon im Keller, müßte ich vielleicht auch mal wieder rausziehen. Und der „Feldmarschall“ steht sowieso für sich, das zeigt sich schon am Etikett, das von der Gestaltung her nichts mit den 3 oben genannten Linien gemein hat. Weiter fiel mir in den letzten Jahren immer wieder auf, daß die Jahrgangsunterschiede in der Turmhof-Linie ganz beträchtlich sein können. Allerdings nicht in der Weise, daß das gesamte Sortiment mal besser, mal schlechter ist, sondern es gibt bei den einzelnen Weinen deutliche „Aufs und Abs“. Z.B. fand ich den Grauburgunder „Turmhof“ vor 2 Jahren sehr schön, der Weißburgunder „Anna“ war aber im direkten Vergleich eher enttäuschend. Das Jahr davor war es genau umgekehrt. Beim Sauvignon „Kirchleiten“ das gleiche Spiel: 2012 eher langweilig, 2013 eher extrem (…gut in diesem Fall). Als ich um Ostern herum selber beim Tiefenbrunner war, waren die weißen Turmhof-Weine fast alle ausverkauft und die 2015er noch nicht gefüllt, nur Goldmuskateller und Chardonnay aus 2014 gab’s noch. Und den „Feld“. Also war ich sehr gespannt, was unser Rundenmitglied aktuell aus Südtirol mitgebracht hat.

Begonnen haben wir den Abend aber mit dem Rest des Terrassen-Rieslings vom Vortag, den ich aber hier nicht nochmal beschreibe. Dann weiter zur kleinen Tiefenbrunner-Horizontale:

1. Wein: 2015er Weissburgunder – Anna – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

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Im Glas ein mitteldichtes Goldgelb, in der Nase anfangs eher verhalten, etwas grüner Apfel und ebenso grüne und noch harte Birne, etwas kräuterig. Innerhalb einer Stunde tut sich hier jedoch einiges und das Bukett wird deutlich intensiver und gelber. Auch am Gaumen anfangs etwas spärlich, entwickelt sich der WB hin zu weißem Pfirsich, gelberen Äpfeln, etwas Mirabelle und am Schluß noch Gala-Melone. Dazu läßt sich auf der kräuterigen Seite noch Thymian ausmachen. Ein paar Steine schwingen mit, wenn auch eher dezent. Schöne ausgewogene Säure, die dem Wein eine schöne Frische verleiht, diese wird mit Zunahme der Intensität auch gefühlt nicht weniger. Die 14 Volt laut Etikett nimmt man nicht weiter wahr.

Am Ende zeigt sich der WB als sehr schöner, fruchtig intensiver WB, auch wenn wir uns einig waren, daß der geschmackliche Höhepunkt erst in ein paar Jahren erreicht sein wird, ein leicht unfertiger Eindruck blieb.

Diese Flasche habe ich mit nach Hause genommen und den letzten Rest 24 Stunden später nochmal probiert. Der „unfertige“ Eindruck schwand etwas, der Wein zeigte sich nochmal etwas runder, Kräuter und Melone wurden etwas mehr hervorgehoben. Sehr schöner Melonen-Nachhall. In dieser Form auch schon sehr schön:

Meine Wertung: 2

2. Wein: 2015er Pinot Grigio – Turmhof – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

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Farblich ist dieser Grauburgunder eher strohgelb, das Bukett gibt anfangs fast gar nichts preis, langsam zeigen sich dann aber Honigmelone und ein paar gelbe Äpfel, etwas alkoholisch wirkt er allerdings auch. Am Gaumen zeigen sich mit der Zeit nicht ganz reife Aprikosen, auf der reiferen Seite Honigmelone und Khaki, nach Mineralik muß man regelrecht suchen und findet diese nur äußerst dezent. Auch hier zeigen die amtlichen 14,5 PS nachdrücklich, daß sie da sind. Hauptmanko ist hier aber für mich die deutlich unterrepräsentierte Säure. Das ist beim Grauburgunder ja häufiger so, aber der 2013er hatte da deutlich mehr zu bieten. Der Abgang ist denn auch eher auf der fetten Seite zuhause.

Ob sich das Ganze über die nächsten Jahre noch zum Besseren wendet, weiß ich nicht. Mal sehen, ob und was sich da noch tut. Heute jedenfalls ein recht knappes Urteil und keine unbedingte Kaufempfehlung:

Meine Wertung: 1

3. Wein: 2015er Sauvignon – Turmhof – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

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Im Glas ein helles Goldgelb. In der Nase gleich zu Beginn eine sehr intensive Stachelbeere, etwas Holunder, dazu schön differenziert Kräuter wie Estragon, Koriander, Dill. Im Lauf der Zeit wird das Bukett deutlich gelber bzw. sogar röter, einen Granatapfel finde ich nach einiger Zeit auch noch. Am Gaumen zusätzlich noch Birne Helene, Limette bzw. Bergamotte mit leichtem Bitterchen, nach einiger Zeit auch Gala-Melone, dazu nicht wenig Gesteinsmehl. Hier paßt die Säure wieder wunderbar, die 14 Umdrehungen fallen nicht weiter auf. Schön langer Nachhall auf der fruchtig-kräuterigen Seite.

Auch hier konnte ich die Entwicklung nach 24 Stunden nochmal begutachten. Die Stachelbeere hat sich jetzt generell sehr gut versteckt, die sonstigen Früchte treten etwas weiter vor, die Kräuter etwas zurück, das Bitterchen ist praktisch ganz weg. Dafür spürt man die Steine etwas mehr. Der Nachhall hat an Länge nochmal gewonnen.

Und den allerletzten Rest haben wir dann nach 48 Stunden vernichtet: in der Nase fast keine Stachelbeere mehr, dafür mehr gelber Pfirsich und auch Mango. Am Gaumen ist diese Entwicklung ebenfalls zu schmecken, dazu kommt noch etwas Sternfrucht und Orangenzesten. Schade, daß die Flasche nun alle ist. Aber: ich hab‘ noch was!

Im Vergleich ist der 2015er gegenüber dem 2013er (der damals noch „Kirchleiten“ hieß) mehr auf der gelben Seite angesiedelt, vor allem nach etwas Beatmung. Dadurch ist er wahrscheinlich -nach der Wartezeit- etwas zugänglicher als der 2013er. Schön für mich die Vielfalt der Aromatik und deren klare Abgrenzung. Sehr gelungen!

Meine Wertung: 3

4. Wein: 2013er Feldmarschall von Fenner zu Fennberg – Müller-Thurgau – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

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Goldgelb im Glas mit einigen rötlichen Reflexen, in der Nase gleich sehr dicht nach weißem Pfirsich, Andenbeere, und frischer Dattel duftend, weiters etwas Braunwürze. Geschmacklich gelber Pfirsich, im Laufe der Zeit auch noch Marulas und Gala-Melone. Auf der Zitrusseite Limette, Zitrone, später auch etwas Blutorange und ein leichtes Pomeranzen-Bitterchen. Das Ganze auf einem elegant-unaufdringlichen, etwas herben Steinbett. Ganz leicht auch Salbei und Zitronengras im Hintergrund. Auch hier eine sehr schöne Säure, die dem Extrakt perfekt gegenübersteht. Alloholisch gesehen heute mit 13 PS der leichteste Vertreter im Feld (wenn man vom Einführungs-Riesling mal absieht), geschmacklich dagegen absolut kein Leichtgewicht. Langer und -bei allem Gehalt- sehr frischer Abgang.

Auch mit diesem Jahrgang zeigt der „Feld“ aus meiner Sicht deutlich, wo beim Müller-Thurgau der Hammer hängt. Spaß ohne Ende!

Meine Wertung: 3

5. Wein: 2014er Pinot Nero – Turmhof – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

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Der Blauburgunder (wie’s ebenfalls auf dem Etikett steht) ist im Glas fast himbeerrot (wenn auch dunkler) und rebsortentypisch recht transparent. In der Nase mittelreife, rote Kirsche, etwas Pflaume, dabei gut differenziert und recht intensiv, auf der zwar leicht süßen, dennoch keineswegs kompottigen Seite. Am Gaumen fast tanninfrei, kein bißchen Pelzigkeit. Zu den oben genannten Früchten kommt noch etwas schwarze Johannisbeere. Trotz ordentlichem Extrakt keine -mich- störende Extraktsüße, wie das bei vielen deutschen Spätburgundern leider bei mir ankommt. Wiederum eine sehr ausgeprägte, dabei gut integrierte Säure. 13,5 Volt weist das Etikett aus, beim Trinken geht das völlig unter. Reicher, fruchtiger Abgang mit schöner Länge.

Auch in Südtirol kenne ich nicht so viele Pinot Neros / Blauburgunder -vor allem, wenn es keine Reservas sind-, die zum einen keine oder wenig leicht künstlich wirkende Himbeer- oder Erdbeeraromen sowie keine kitzelnde Fruchtsüße aufweisen. So hat mich dieser Pinot Nero -den ich beim Tiefenbrunner bis dato immer links liegen gelassen habe- doch sehr positiv überrascht.

Auch diese Flasche ging des Weges mit mir und ich konnte den PN nach 24 und 48 Stunden nochmals genießen: Geschmacklich zeigen sich dabei nicht viele, nur ein paar kleine, aber feine Veränderungen. Der Wein baut nicht ab, er ist (jetzt gerade) immer noch voll auf der Höhe, keinerlei Schwächen erkennbar. Ist doch auch was!

Meine Wertung: 3

Zum Abschluß noch ein Mitbringsel vom Dritten im Bunde:

6. Wein: 2007er Lagrein – Riserva – Südtiroler DOC, Messnerhof, Südtirol

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Ein Granatrot mit leichten violetten Reflexen überrascht uns. Kein bißchen eines braunen Schimmers. Als wenn der Wein gerade erst abgefüllt worden wäre. Auch in der Nase eine sehr frische Waldfruchtaromatik nach Heidelbeere und Brombeere, in keinster Weise rumtopfig, zwar etwas süßlich riechend, aber deutlich auf der angenehmen Seite. Die Holzaromatik ist zwar erkennbar, jedoch nur ganz dezent im Hintergrund. Am Gaumen nur ganz wenige Tannine, die dafür butterweich. Auch hier nur wenig Holzeinfluß, dafür eine recht prägende Säure, welche etwas Zitronenaroma mitbringt, perfekt eingebunden. Sehr frischer und fruchtiger Abgang, von dem man einige Zeit lang was hat.

Dieser Wein hat mich mehrfach erstaunt, zum einen, daß er nach so langer Zeit noch gar keine Anstalten zum Altern macht, zum anderen, daß er eben nicht der für diese Rebsorte eher typische Kraftlackl mit wenig Profil ist. Super Abschluß des Abends!

Meine Wertung: 3

So macht gemeinsames Weinverkosten Spaß! Insgesamt waren die Weine doch sehr hochkarätig und haben viel Spaß gemacht, die beiden Burgunder auf der weißen Seite konnten mit dem Rest zwar nicht ganz mithalten, aber vielleicht tut sich da ja noch was. Mit Ausnahme des Sauvignons hatten die anderen Weine ja bereits -teils deutlich- mehr Zeit in der Flasche. Insgesamt steht für mich der „Feld“ -wenn auch knapp- an der Spitze, aber eigentlich hatte ich auch nichts anderes erwartet.

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