Überraschungskiste – Teil 7 – Nachtrag

Heute mal was, bei dem ich mir ziemlich sicher war, daß das nichts mehr ist. Und wenn doch, daß es geschmacklich nichts für mich ist. Müller-Thurgau! Obwohl ich da ja einen speziellen schon immer (!) in meinen Top soundsoviel führe und in letzter Zeit noch ein paar schöne Vertreter dieser Rebsorte dazu gekommen sind. Und dann auch noch halbtrocken! Das Ganze ist jetzt gut 27 Jahre alt:

1989er Müller-Thurgau – halbtrocken, Burg Hornberg, Württemberg

Nun, immerhin ist das Weingut damals VDP-Mitglied gewesen, wie die Kapsel ausweist (heute übrigens nicht mehr und MT wird auch nicht mehr angeboten). Man mag ja zu dem Verein stehen wie man will. Aber ganz auf der Brennsupp’n daherg’schwommen sein darf man da auch nicht, wenn man das Entrée dort schaffen will bzw. wollte. Na, mal sehen…

Im Glas zeigt sich ein erstaunlich junges Goldgelb, eher unspektakulär, sogar leichte grüne Reflexe sind zu finden. In der Nase nur leichte Reifetöne, die durch ein bißchen Blütenhonig, wenig Karamell, Honigmelone und reife, aber fast matschige Khaki charakterisiert werden. So weit erst mal durchaus angenehm! Am Gaumen ist die Khaki zwar schon etwas angemostet, dazu ein paar sehr reife, gelbe und dazwischen auch frische grüne Äpfel, etwas Grapefruit mit kleinem Bitterchen sowie noch ganz wenig Maracuja inclusive der leichten Pelzigkeit am Gaumen. Nur mäßig phenolisch. Die Restsüße ist absolut verträglich und kommt wunderbar mit der moderat vorhandenen Säure aus. 11 PS weist das Etikett nur aus (ok, halbtrocken, nicht aller Zucker vergoren…), dafür ist der Wein aber von der Aromatik her für einen MT doch sehr vielschichtig. Der mittellange Abgang betont die reifen Früchte recht schön.

Da war ich jetzt einigermaßen platt, daß dieser halbtrockene MT nicht nur noch trinkbar ist, sondern auch noch Spaß macht! Ob der Wein zum Zeitpunkt seiner Markteinführung auch schon so bemerkenswert war?

Meine Wertung: 2

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft: Solch alte Sachen haben ja oft die Eigenschaft, daß sie -wenn sie denn noch gut sind- nach dem Öffnen relativ schnell abbauen. Rotweine zwar mehr als Weißweine, aber dennoch war ich mir nicht sicher, ob der Rest des MT von letzter Woche nun noch Spaß machen würde. Aber ich wurde ja schon einmal gehörig von diesem Wein überrascht.

In der Nase sind die Fruchtnoten zwar weitgehend zurückgetreten, aber die verbliebene Mineralik macht keinen „alten“ oder gar abgestandenen Eindruck. Das Bukett würde auch einem jungen Steinwein gut zu Gesicht stehen. Am Gaumen hat sich von den Geschmackskomponenten her gar nicht so viel geändert, nur die etwas pelzige Maracuja hat ihr Haarkleid komplett verloren. Die Gewichtungen haben sich aber deutlich verändert. Der Müller wirkt heute erheblich frischer (!) als vor 4 Tagen, das Süße Säure-Spiel hat sich weiter zum Vorteil entwickelt, die „Fließgeschwindigkeit“ (ok, das Wort habe ich aus einem anderen Blog geklaut) ist deutlich gestiegen. Auch der Abgang hat deutlich an Frische gewonnen. Jetzt bin ich doppelt baff!

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2 comments on “Überraschungskiste – Teil 7 – Nachtrag

  1. wow, bemerkenswertes alter.
    müller-thurgau finde ich meist auch eher lahm und deswegen komme ich, sofern es auswahl gibt, so gut wie nie dazu, mal einen zu trinken. sollte ich wohl gelegentlich mal machen, da scheint es einiges zu entdecken zu geben.

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    • Ich habe die Müllers auch jahrelang links liegen gelassen. Mit Ausnahme des „Feldmarschall“ von Tiefenbrunner aus Südtirol. Aber in letzter Zeit habe ich vermehrt einige andere schöne Müllers entdeckt. Nicht nur dieses gereifte Schätzchen hier, was man wohl kaum bis gar nicht nachkaufen kann.
      VG Erich

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