Nicht ganz so trockene Scheurebe

Im allgemeinen Scheurebenhype dieses Jahres habe ich nun auch mal was nicht trockenes probiert. Das Juliusspital baut Scheurebe ausschließlich halbtrocken bzw. lieblich aus, dabei gibt es ein Kabinettchen in der „Erste Lage“-Kategorie mit immerhin gut 23 g/l RZ, was zumindest der Zahl nach schon recht amtlich und damit lieblich (oder auch „feinherb“) ist und mich ehrlich gesagt eher abschreckt (vielleicht ist’s dennoch super, wer weiß?) sowie den Gutswein

2015er Scheurebe – Gutswein, Juliusspital, Franken

der mit knapp 13 g/l RZ deutlich näher an der Trockengrenze rangiert.

Im Glas ein mittleres Strohgelb, geruchlich zuvorderst frisches Heu, Wiesenblumen, dann grüne Äpfel, etwas Estragon. Am Gaumen trockener wirkend als erwartet, wobei der halbtrockene Charakter aber gegeben ist, für mich aber an dieser Stelle nicht unangenehm. Von der Aromatik her setzt sich der Eindruck des Buketts 1 zu 1 fort, etwas kandierte Limette im Hintergrund vielleicht noch. Die Säure kommt mit dem Zucker ganz gut zurecht, jedenfalls kratzt nichts, aber von Eleganz und übertriebener Frische würde ich bei diesem Süße-Säure-Spiel nicht gerade sprechen. 12 PS hat die Scheurebe unter der Haube, das paßt zum Gesamteindruck. Der Nachhall ist mir dann aber doch etwas zu sehr auf der restsüßen Seite, die sonstige Aromatik geht hinter dem Zucker leider etwas unter.

Diese Scheurebe könnte ich mir gut als Partywein vorstellen, wenn Gäste zu erwarten sind, die nicht so trocken sind wie ich selbst. Was die Regel ist. Da hat der Wein durchaus Potential, gute Freunde zu finden. Für mich leidet die Trinkfreude ein bißchen darunter, daß das Gefühl am Gaumen zwar noch recht animierend ist, der deutlich restsüße Nachhall den erneuten Griff zum Glas aber doch etwas hemmt. Zumindest geht mir das so. Ich schaue für mich dann doch lieber in die Richtung von Scheureben mit etwas trockenerer „Geschmackscharakteristik“.

Meine (knappe) Wertung: 1

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