Für die Masse zu gut?

Normalerweise will ich ja beim Frühstück meine Ruhe haben. Also kein Radio, kein Fernseher (hab‘ ich eh‘ abgeschafft) und auch keine Musik aus meinem Stereoturm. Aber heute hatte ich dann doch den Drang, mich ein bißchen berieseln zu lassen:

The Tab Two – Space Case

Dies ist die zweite CD der Formation von Helmut Hattler und Joo Kraus, die mit der eher ungewöhnlichen Kombination von E-Bass und Trompete (auch in elektronischer Form) als Leading Instruments gut 10 Jahre lang recht erfolgreich für das Genre unterwegs waren. Die Gruppe hat ihre eigene Musik mal als „Hip Jazz“ tituliert und das paßt auch ganz gut, finde ich.

Dieses Album von Tab Two ist 1992 erschienen, hat also jetzt auch schon einige Jährchen auf dem Buckel. Die Musik hat aber meiner Meinung nach bis jetzt keine Reifenoten entwickelt; wie manch außergewöhnlich guter Wein aus der Zeit. Wenn man heute nach Alben von Tab Two sucht, dann findet man das meiste sofort in neu oder gebraucht, „Space Case“ ist allerdings eins von denen, die eher selten auftauchen. Die erfolgreichsten Alben enthalten Stücke mit Texten, die in einer Art Rap auf Hip-Jazz-Art gesungen wurden. „Space Case“ ist dagegen weitgehend instrumental und setzt bei aller Hippness sehr stark auf Komplexität und Abwechslung in der Musik, ohne dabei ins „Freie“ abzugleiten. Da sind dann auch eher langsame, melodiös sehr anspruchsvolle Stücke dabei, wie z.B. „Lieblingslied“, das im Laufe der Jahre immer wieder auf den Nachfolgealben auftauchte. Auch „Salon Rouge“ ist schon ziemlich getragen. Für höhere Verkaufszahlen braucht man anscheinend einfach mehr Speed, weniger Komplexität und Gesang in irgendeiner Form. Demzufolge müßte eigentlich „Heavy Metal T-Shirt“ das erfolgversprechendste Stück auf der CD sein, allerdings ist es für mich widerum klar das schwächste Stück des Albums. Da ist mir dann z.B. „My Horn“ deutlich lieber, auch mit (rappigem) Gesang, aber bezüglich der Vielfalt an Tonfolgen, Akkorden, Sounds etc. einige Klassen höher angesiedelt. Ich weiß, das macht die macht die Musik im Zweifelsfall „schwierig“, obwohl man es meiner Meinung nach in diesem Fall genauso flüssig hören kann, wie manch unambitionierte Musik, die uns sonst so umgibt. Aber wenn man möchte, kann man eben auch eine ganze Menge drin finden.

Das hätte nun teilweise auch in die Beschreibung eines Weins gepaßt. Was mich mal wieder darin bestärkt, daß die beiden Themen, die ich hier so bearbeite, eigentlich sehr gut zusammenpassen. Allerdings stelle ich doch fest, daß es bei den Betrachtern meines Blögchens ein gewisses „Entweder – Oder“ gibt. Bis jetzt habe ich eigentlich nur eine Rückmeldung gehabt, die auf eine ähnliche Einstellung zu Musik UND Wein schließen läßt. Jetzt sind ja schon die Wein-Nerds eine winzige Minderheit für sich. Da jetzt noch die Schnittmenge mit meinem nicht alltäglichen Musikgeschmack zu bilden, führt natürlich nicht zu einer exorbitanten Zahl an (insgesamt) Gleichgesinnten. Schade eigentlich…

Meine Wertung: 4

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