Im Santorini ein Santorini

In Tutzing gibt es ein griechisches Lokal namens „Santorini“ direkt am See, das wir jetzt mal ausprobiert haben. Was liegt da näher, als auch einen Wein von der gleichnamigen Insel zu probieren. Die Weinkarte hatte da auf der weißen Seite tatsächlich zwei Santoriner zur Auswahl, von denen ich einen allerdings schon kannte. Also fiel die Wahl auf einen „Atlantis“ von Estate Argyros, eine Cuvée aus Assyrtiko, Aidani und Athiri. Anscheinend war der Wein aber alle, weshalb uns der Ober dann einen

2011er Estate Argyros – Assyrtiko – Santorini PDO, Estate Argyros, Kyklades

brachte, der nicht auf der Weinkarte stand. Dabei hat er aber nicht weiter erwähnt, daß es sich um einen anderen als den bestellten Wein handelt. Wahrscheinlich hat er sich gedacht, Farbe und Weingut sind eh‘ identisch, dann paßt das schon. Mir fiel der Unterschied dann auf, als ich das Etikett genauer betrachtete und eben einen Hinweis auf „100 % Assyrtiko“ fand. „Egal!“, dachte ich mir, denn den gebrachten Wein kannte ich auch noch nicht und auch sonst hatte er nichts Abweisendes an sich. Als wir wieder Zuhause waren, habe ich mal etwas nachgeforscht. Auf der Webseite des Restaurants findet man auch die Weinkarte, die allerdings von der im Restaurant abweicht. Denn hier ist unser Wein aufgelistet, allerdings mit einem um 11,50 EUR höheren Preis als für den bestellten Wein. Bezahlt haben wir aber nur den Preis für den „Atlantis“ und der „Estate“ -um es vorwegzunehmen- war auch ein sehr guter Wein, als habe ich eigentlich keinen Grund, mich zu beschweren. Vielleicht bin ich weinmäßig auch schon zu abgedreht, aber ich finde, es hätte sich schon gehört, darauf hinzuweisen, daß der bestellte Wein leider aus ist und dann anschließend die Alternative vorzuschlagen. Wahrscheinlich hat sich die Bedienung auch gar nichts Böses dabei gedacht, aber es spiegelt doch ein bißchen den gleichgültigen Umgang mit den Weinen wieder, was ich ein bißchen schade finde. Ansonsten war es aber sehr gut, die Fische waren perfekt, der Wein auch und wir haben uns durchaus wohlgefühlt. Aber wie war er denn nun, der Wein?

Wie bereits gesagt, ein reinsortiger Assyrtiko, der von Reben aus Episkopi stammt, die im Mittel 150 Jahre alt sein sollen. Der Boden ist sandig und vulkanischen Ursprungs. Der Ertrag beträgt 30 hl/ha, 20 % des Weins wurden 6 Monate in 500 l-Holzfässern ausgebaut, der Rest im Stahl.

Ein eher unauffälliges Strohgelb zeigt sich im Glas. In der Nase recht mineralisch, Feuerstein dominiert hier relativ einsam. Es existiert zwar auch eine gewisse Fruchtaromatik hinter dem Flint, diese ist aber schwer differenzierbar. Am Gaumen ebenfalls recht flintig und leicht gerbstoffig, aber die Fruchtseite hat hier erheblich mehr Gewicht. Es dominieren Zitrusaromen: Limette, Grapefruit, Pampelmuse, Blutorange, Bergamotte, alles drin. Das Holz zeigt sich nur durch ein klein bißchen Anis und Muskatblüte. Recht straffe, aber gut integrierte Säure, die exakt 13,2 Volt fallen nicht weiter auf. Der leicht herbe Abgang hält recht lange an und offenbart nochmal schön den oben genannten Zitruskorb.

Wir hatten auch einen eher ungeübten Weintrinker mit am Tisch, der erstmal erstaunt über die Mineralik war, dann aber deutlichen Gefallen an diesem Schätzchen fand. Und ich hatte auch Spaß damit. Ein kernige Mineralik, die aber durch die Zitrusaromen perfekt ausbalanciert wird und dem Wein so die gewünschte „Leichtflüssigkeit“ verleiht. Letztlich also alles gut. Wenn mein kleiner freundlicher Hinweis (hoffentlich kam’s auch so an) hinsichtlich des oben beschriebenen Prozederes noch Früchte trägt, bleibt wirklich nichts mehr zum Meckern übrig.

Meine Wertung: 2

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