Chardonnay vom Berg

Heute mal wieder was aus Südtirol. Einen Chardonnay aus der Ecke hatte ich schon länger nicht mehr aufgemacht. Und aus dem Eisacktal noch gar nicht, soweit ich mich erinnern kann:

2015er Chardonnay – Südtirol DOC, Eisacktaler Kellerei, Südtirol

Da Chardonnay keine der sieben zugelassenen Rebsorten für die „Südtirol Eisacktaler DOC“ ist, steht auf der Flasche nur „Südtirol DOC“ drauf. Der Wein ist ganz profan im Stahltank ausgebaut worden.

Im Glas ist der Chardonnay unauffällig strohgelb, dabei noch leicht perlend. In der Nase kommen zuerst grüne Kochbanane, grüne, aber mürbe Äpfel sowie ein bißchen Butter an, Pfirsich und Aprikose gesellen sich im Laufe der Zeit dazu und übernehmen irgendwann das Ruder. Am Gaumen anfangs schon wieder Kaktusfeige (hatte ich gestern erst), etwas gelbere Äpfel und nach ein paar Minuten auch ein kräftig gelber Pfirsich. Dazu ein paar Zitrusaromen, Limette und Grapefruit z.B., die jedoch vom Pfirsich langsam aber sicher etwas verdrängt werden. Nach etwa einer Stunde haben dann Aprikose, Nektarine und Pfirsich die Macht übernommen, die anderen Früchte bleiben aber durchaus noch erkennbar. Die Säure ist stattlich vertreten, allerdings steht auch genügend Extrakt gegenüber, insgesamt ergibt sich so eine „opulente Frische“, wie ich es in diesem Fall nennen würde. Der Wein ist auch relativ salzig, was aber anfangs mehr auffällt als zu dem Zeitpunkt, wenn die Fruchtaromen bereits deutlich angezogen haben. Nach der besagten Stunde mit Luft taucht auch ganz hinten am Gaumen ein kleines Lakritzbonbon auf. Der Abgang ist fruchtig-extraktsüß und von ordentlicher Länge, auch hier leistet die Säure gute Dienste, sodaß die Frische erhalten bleibt; ein gewisses ungestümes Etwas, das vor allem anfangs aus der Süße resultiert, stört nicht weiter.

Bei diesem Wein stört mich die gefühlte Restsüße, die wohl vornehmlich aus dem üppigen Fruchtextrakt stammt (RZ 3,3 g/l), im Gegensatz zum oben verlinkten gestrigen Wein in keinster Weise. Sie macht den Wein in gewisser Weise wuchtig, ohne daß er dabei anstrengend wird. Für das Geld bekommt man hier eine ganze Menge Chardonnay geboten, ich habe schon Weine in GG-Qualität probiert, die auch nicht viel mehr unter der Haube hatten. Wieder so ein Basiswein der Kellerei, der eigentlich -darf man ja gar nicht laut sagen- viel zu billig ist.

Meine Wertung: 3

6 comments on “Chardonnay vom Berg

  1. Klingt ziemlich gut 🙂 . Bis dato hatte ich noch kein Glück mit Chardonnay aus Südtirol – alles eher langweilig, Reinzuchthefe, Stahltank sicherheitsvergoren, total auf banale Fruchtnoten hingetrimmt. Aber sehr viel Weißwein hab ich aus Südtirol und Italien insgesamt auch noch nicht getrunken…
    Kürzlich hatte ich allerdings einen sehr spannenden Trebbiano d’Abruzzo von Emidio Pepe im Glas, der mich positiv überrascht hat (für einen weißen Italiener).

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    • Stahltank trifft auf jeden Fall zu, Reinzuchthefe mit Sicherheitsvergärung wahrscheinlich auch. Und es ist nun kein Chardonnay, der in irgendeiner Weise mit den französischen Genossen mithalten könnte oder auch nur mit ihnen vergleichbar wäre. Auch wenn’s rein stählerne sind. Dennoch schaffen es die Eisacktaler Genossen immer wieder, auch in den Basisqualitäten (der Chardonnay hier kostet 8,20 Euronen!) saubere Weine zu keltern, die darüber hinaus eine gewisse besondere Note mitbringen und -für meinen Geschmack- sauber ausbalanciert sind. Gefällt mir sogar besser, als der Unterganzner-Chardonnay. Und qualitativ braucht er sich vor den (Holz-) Chardonnays vom Tiefenbrunner, von Manincor (allerdings nicht ganz reinsortig) oder von Nals-Margreid auch nicht zu verstecken, insbesondere wenn man das PLV mit betrachtet. Es gibt aber auch genügend Chardonnays aus der Ecke, mit denen ich gar nichts anfangen konnte, die von Thomas Pichler oder dem Stroblhof gehören z.B. dazu.

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      • Bitte nicht falsch verstehen – meinte wirklich, dass Deine Beschreibung des Chardonnays sehr vielversprechend klingt (unabhängig von dessen Machart und dem sehr guten/günstigen Preis). Nur waren meine wenigen Versuche mit Chardonnay aus Südtirol eher nicht so interessant. Auch den Chardonnay von Josephus Mayr kenne ich nicht (kenne nur seine Roten).
        Die Weißen von Manincor will ich schon seit langem mal probieren, scheinen mir auch spannend zu sein und wurden, glaub ich auch von Dir gut bewertet.

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        • Ich habe dich -hoffe ich zumindest- schon richtig verstanden. Also alles gut!
          Ich persönlich habe ja auch gerne mal einen Chardonnay, der mit wenig bis gar keinem Holzeinsatz daherkommt. Aber nicht nur. Leider sind jedoch sehr viele holzfreie Chardonnays schlicht und ergreifend langweilig, das gilt auch für Südtirol. Deshalb sind solche Weinchen, wie hier beschrieben, schon recht stand-alone aus meiner Sicht.
          Manincor ist generell auch ein spannendes Weingut. 50 ha bewirtschaftet, alles biodynamisch und die Preisliste fängt erst jenseits der 10 Euronen an. Das muß man erst mal durchstehen…

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