Berg-Riesling – Nachtrag

Die Frage, was ein typischer Riesling ist, hat mich in letzter Zeit öfters erreicht. Ich persönlich tendiere ja eher zu der Überzeugung, daß es DEN typischen Riesling nicht gibt. Was will man da auch als Meßlatte hernehmen? Mosel? Saar? Rheingau? Pfalz? Rheinhessen? Eher süß oder trocken? Da Riesling so vielfältig ist und anscheinend sehr stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängig ist, kann man meiner Meinung nach von einer Typizität im Generellen kaum sprechen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn manche Leute bei diesem Riesling, den wir gestern aufgemacht haben, die Nase rümpfen:

2014er Riesling – Aristos – Südtirol Eisacktaler DOC, Eisacktaler Kellerei, Südtirol

Im Glas ein ziemlich helles Goldgelb, in der Nase zeigen sich etwas verhalten weißer Pfirsich und nasse Terrasse. Steigert sich aber mit der Zeit. Am Gaumen dann weiße Johannisbeere, Nektarine, etwas Jostabeere. Recht steinig, dabei leicht herb. Ein paar kräuterige Noten finden sich auch, Kerbel fällt mir vor allem auf. Die Säure ist gut beinander, ein Frischeproblem hat dieser Riesling absolut nicht, das Verhältnis zum Extrakt ist aber recht ausgewogen, die Gesichtszüge bleiben im normalen Bereich. Der Nachhall ist herb-frisch-fruchtig mit ordentlicher Länge auf der leicht fruchtsauren Seite.

Schöner frischer, etwas kühl anmutender Bergwein, hat einiges an Gehalt und Vielschichtigkeit zu bieten, macht dabei aber nicht satt. Gerne nochmal!

Meine Wertung: 2

Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: In der Nase recht kräuterig, Estragon, Kerbel, Thymian zeigen sich recht deutlich. Die Fruchseite ist hier gar nicht mehr so präsent, vor allem sind die Früchte nun etwas grüner und zeigen in Richtung frischer Apfel und Jostabeere. Am Gaumen hat sich der Eindruck vom ersten Tag weitgehend gehalten, auch hier hat sich die gelbe Frucht zurückgezogen, dafür zeit sich mehr Limette, die Kräuter sins auch hier deutlich differenzierter und auch die steinige Seite hat sich schön entwickelt. Die Frische hat dabei durchaus nochmal gewonnen. Ob das nun eine Entwicklung ins Positive oder Negative ist, darüber können die Meinungen auseinandergehen. Ich persönlich finde, daß der Wein qualitativ sein Niveau gehalten hat, er hat mich aber überrascht, da ich nicht damit gerechnet habe, daß er mit Luft die gelbe Seite weitgehend verliert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s