Apulischer Kraftmeier

Vor einiger Zeit habe ich mal einen Italiener -einen Passito- geschenkt bekommen. Der edle Spender mag es gerne etwas fester im Glas, das wußte ich schon. Deshalb hat das Fläschchen jetzt erst mal ein bißchen auf eine passende Gelegenheit warten müssen. Wobei: Fläschchen ist eigentlich das falsche Wort für dieses panzerbrechende Geschoß, sowas dickwandiges habe ich lange nicht in der Hand gehabt. Fühlt sich blind gewichtsmäßig fast wie eine Magnum an …

Auch die Art der Herstellung dieses Weins deutet darauf hin, daß man es nicht mit einem leichten, beschwingten Wein zu tun haben wird. Ein Passito wird aus Trauben gekeltert, die vor dem Pressen eine Zeit lang -bis zu mehreren Wochen oder gar Monaten- luft- und / oder sonnengetrocknet werden, um die Zucker- und Extraktkonzentration deutlich zu erhöhen. Das Verfahren wird sowohl bei Desertweinen (wie dem Vin Santo) angewandt, aber eben auch bei gehaltvollen Rotweinen. Hier nun der gestern geöffnete

2013er Negroamaro Passito – Appassimento – Salento IGT, Conte di Campiano, Puglia

Die oben angesprochene Trocknung der Trauben dauerte im Falle dieses Weins drei Wochen, danach scheinen die Beeren bereits vorwiegend aus Zucker zu bestehen.

Sehr dunkles Kirschrot im Glas, leicht violette Reflexe, nur am Rand leicht transparent, ansonsten ein schwarzes Loch. In der Nase Dörrpflaumen, Acerola, sehr süße reife Schwarzkirsche, etwas Tabak, Haselnüsse und Torf. Am Gaumen zeigen sich deutlich Tannine, die sind aber durch die Fruchtsüße quasi kandiert. Die Fruchtseite folgt aromatisch dem Bukett, ist dabei sehr dicht, fast schon auf der Likörseite. Trotz der hohen Viskosität aufgrund des verschwenderischen Fruchtzuckergehalts ist der Passito erst mal gar nicht so ermüdend wie ich das zuerst befürchtet hatte. Säure gibt’s auch ein bißchen, aber die steht eher machtlos der ganzen Opulenz gegenüber, zumindest bemerkt man sie nicht so direkt; aber sie ist wohl für den zumindest anfangs ausgeprägten Trinkfluß verantwortlich. Dazu gibt’s dann noch etwas Karamell und Schokolade. Auch der Abgang ist stark auf der sämigen Seite und schwillt nur sehr langsam ab.

Ziemlich fetter Stoff, von dem das erste Glas interessanterweise ganz gut fließt, aber dann ist man doch irgendwie recht satt davon. Als Solist geht sowas nach meinem Dafürhalten gar nicht und wenn, dann sollte man hinterher nichts mehr vorhaben. Paßt also ganz gut zu einem Essen mit einem richtig opulenten Gang, an dem genügend Leute partizipieren, damit die Flasche auch eine Chance hat, leer zu werden. Qualitativ durchaus i.O., zumal der Wein an sich schon recht günstig ist und die Hälfte des Preises schon für die fette Flasche draufgeht (wiegt leer übrigens tatsächlich 1,2 kg!). Ist aber nichts, was ich mir in den Keller legen würde.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3

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