Kleiner sizilianischer Bruder – Nachtrag

Ich habe hier schon mal den „Faro“ von Palari vorgestellt, der seinerzeit Rotwein des Jahres im Gambero Rosso war. Damals war der Verkauf der Flaschen bei den Händlern limitiert bzw. an die zusätzliche Abnahme „des kleinen Bruders“, den

2004er Rosso del Soprano – Cuvée – Sicilia IGT, Palari, Sicilia

geknüpft, der eine Cuvée aus 50% Nerello Mascalese, 30% Nerello Cappuccio, 10% Nocera und 10% Galatena ist.

Im Glas ein recht dunkles Granatrot, an den Rändern eine leichte Brauntönung, nur wenig transparent. In der Nase herb-fruchtig, Schattenmorelle, Apfelbeere, zwar anfangs noch leicht alkoholisch, aber nicht rumtopfig und / oder marmeladig. Am Gaumen der gleiche fruchtige Eindruck, für einen 12 Jahre alten Sizilianer immer noch sehr frisch auf der Zunge. Nicht unbedingt jugendlich, aber als „gereift“ würde ich den Rosso del Soprano jetzt auch (noch) nicht bezeichnen. Die Tannine befinden sich weitgehend auf der schmeichlerischen Seite, ein paar kleine Bitternoten halten sich nur ganz kurz im Mund und werden dann von dezenten Lakritz- und Vanillenoten abgelöst. Wobei die Lakritze mit der Zeit durch Nelke ersetzt und noch durch etwas 85er Schokolade ergänzt wird. Weiters ordentlich Säure. Nicht im Übermaß, aber so, daß man hier fast von einem leichten, frischen Wein sprechen könnte, ohne dabei mit seinen angemessenen 13 PS dünn zu sein. Der Abgang paßt auch eher zu einem frischen, jungen Roten, ist dabei aber von schöner Länge, frisch-fruchtig, dezente Holznoten, dabei elegant, rund und ausgewogen.

„Kleiner Bruder“ paßt prinzipiell ganz gut, denn der „Rosso del Soprano“ ist lange nicht so dicht wie der „Faro“, qualitativ ist er aber durchaus auf Augenhöhe mit dem großen Bruder, eben was für leichtere Momente.

Meine Wertung: 2

Nachtrag nach 24 bzw. 48 Stunden mit Luft: Gut ein Drittel ist am ersten Tag noch in der Flasche verblieben und ich dachte eigentlich, daß der „Rosso del Soprano“ einen Tag später aufgrund seines Alters sein Leben ausgehaucht haben würde und allenfalls noch als Kochwein taugen würde. Aber weit gefehlt! Er hat sich zwar nicht extrem verändert, alles ist nur ein bißchen runder, samtiger geworden. Aber sonst nichts, was den Genuß hätte trüben können wie z.B. aufkommende Bitternoten, herausstechende Säure, Marmeladigkeit etc., wie ich das schon häufiger bei älteren Roten erlebt habe. Auch nach 2 Tagen war noch kein Abbau erkennbar. Schön!

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