10. Weinrunde in / um München

Kleines Jubiläum! Zum 10. mal hat sich letzten Freitag nun schon unsere blinde Weinrunde getroffen, diesmal wieder etwas außerhalb von München, da wo die Autos mehrheitlich mit „FFB“ ‘rumfahren. Leider war die Runde durch einige Spontanerkrankungen etwas dezimiert, aber schön war’s trotzdem, soviel vorweg. Das Thema lautete diesmal: „Bordeaux-Rebsorten“, wobei alle in dieser Region zugelassenen Sorten in beliebiger Farbe an den Start gehen konnten. Und die Wettbewerbsweine mußten nicht obligatorisch aus dem Bordelais stammen. Das machte diesmal die Qual der Wahl etwas einfacher für mich. Denn einen Sauvignon Blanc wollte ich nicht mitnehmen, da das ja mittlerweile eine sehr globale Sorte ist und auf der roten Seite paßte gerade mal ein einziger Wein aus meinem Keller in das Anforderungsprofil.

Zu Beginn aber traditionell ein Einsteigerwein außerhalb des Wettbewerbs:

0. Wein: 2014er Ninfa – Maria Gomes – Vinho Regional Tejo, João M Barbosa, Tejo

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Dies ist ein Weißwein aus der autochtonen Rebsorte Maria Gomes, er stammt aus der Gegend nordöstlich von Lissabon.

Im Glas ein helleres Gold- bis Strohgelb. Geruchlich erstmal in der Nähe eines Sauvignon Blanc: Stachelbeere, unreife Kiwi, Estragon und etwas Dill. Am Gaumen nicht ganz so grün, hier eher reifere Jostabeere, weiße Johannisbeere, grüne Äpfel, dazu Korianderblätter. Auch ein paar herbe, nasse Steine, dazu eine recht straffe Säure, welche das Ganze recht frisch macht. Der Abgang ist von ordentlicher Länge auf der säuerlich-fruchtigen Seite.

Der Ninfa entwickelt sich im Glas langsam zur gelben Seite hin, ist dabei aber immer ausgewogen, frisch und vielfältig. Ein gelungener Einstieg, kann man sich dran gewöhnen.

Meine Wertung: 2

Nun zu den „Wettbewerbsweinen“:

1. Wein: 2013er Cabernet [Sauvignon] – Riserva – Otto Graf Huyn- Südtiroler DOC, Kellerei Gries, Südtirol

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Im Glas rubinrot, leicht transparent. In der Nase anfangs intensiv Kirschkompott, dabei etwas alkoholisch, leichte Holznoten in Form von Vanille. Mit etwas Zeit verwandeln sich die Kirschen vorwiegend in Waldbeeren, die Vanille mutiert zu 60er Schokolade. Am Gaumen wenig Tannine, kaum pelzig, ebenfalls die Wandelkirsche, die zur Brombeere wird. Innerhalb von etwa 2,5 Stunden erhöht sich die Fruchtigkeit noch signifikant. Leicht blankes Eisen, die Säure ist eher gering vertreten, Holznoten findet man in nur dezenter Form. Der Abgang ist von einiger Länge, dabei recht dicht fruchtig und leicht gerbstoffig.

Frisch und dicht, aber etwas kantig, würde ich sagen, auch wenn der CS mit der Zeit etwas runder wird. Insgesamt soweit ein ganz guter Zechwein, aber ohne Nachkaufkick:

Meine Wertung: 1

2. Wein: 2012er Malbec & Cabernet Sauvignon – Thracian Valley PGI, Terra Tangra, Thrakien

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Mein erster Bulgare seit langer Zeit und der zweite überhaupt, soweit ich mich erinnern kann. Vom ersten blieb der Eindruck, daß er nach dem Öffnen extrem sperrig war und wir meinten, mit etwas Luft wird sich da schon was tun. Aber je mehr Luft dran kam, desto schlimmer wurde es. Ob das hier anders ist?

Die Farbe ist ein dunkles Granatrot, kaum transparent. In der Nase erst mal nur roter, gemahlener Cayennepfeffer mit deutlicher Schärfe, am Gaumen genauso, fast keine Frucht erkennbar, dafür Thymian und T-Bone-Steak vom Holzkohlegrill. Säure ist eher moderat vorhanden, leicht staubig ist er auch. Der Abgang zeigt eine Mischung aus Dörrpflaume und wiederum etwas Staub. Nach etwa 2 Stunden ändert sich doch einiges, das Bukett ist deutlich weniger scharf, dafür mehr auf der ledrigen Seite, nun eher grüne Paprika auf der nicht mehr so scharfen Seite, dazu einige Kräuter wie Minze und Beifuß. Am Gaumen zeigt sich nun deutlich mehr Frucht: Pflaume, Brombeere, Kirsche, allerdings liegt darüber ein metallisch-grüner Schleier.

Kräftig, feurig, eigen. Wobei das feurige im Laufe der Zeit leider stark abnimmt. Überhaupt erkenne ich eine gewisse Parallele zu meinem ersten Bulgaren. Nach dem Öffnen ging es auch hier bergab. Allerdings startet diese Cuvée auf recht hohem und interessanten Niveau. Paßt sicher gut zu dem, wonach es schmeckt, ist dabei aber nichts für Sissis, schmeicheln liegt diesem Wein ganz und gar nicht.

Meine Wertung: 2

3. Wein: 2010er Château Le Reysse – Cuvée – AOC Médoc, Vignobles Paefgen, Bordeaux

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Dieser Wein aus dem Médoc ist eine Cuvée aus 55 % Cabernet Sauvignon und 45 % Merlot.

Die Farbe ist auch hier ein dunkles, kaum transparentes Granatrot. In der Nase anfangs etwas staubig, dunkle Beeren, Pflaume, dabei etwas rumtopfig. Nicht wirklich angenehm, auch mit viel Schwenkerei tut sich da erst mal nicht viel. Am Gaumen reichlich Tannin, Staub und Pelz, auf der Fruchtseite recht herb: Acerola und grün wirkende Schlehen, wirkt trotz des vorhandenen Gehalts im Mund eher dünnflüssig. Weiters ein etwas diffuser Holzeinfluß, 85er Schokolade ist erkennbar. Die Säure befindet sich einem mittleren Level, Frische kommt jedoch nicht auf. Der Abgang ist zwar recht lang, aber vorwiegend staubig-metallisch.

In dieser sehr unnahbaren Form macht der Wein für mich noch keinen Spaß, aber wir waren recht einhellig der Meinung, daß er deutliches Potential hat. Entweder generell zu jung oder sehr sauerstoffbedürftig oder beides. Also wurde der Wein nach etwa 2 Stunden und aktiver Belüftung in einer Karaffe nochmals probiert. Da zeigte sich dann in der Nase einiges an Kaffee, dazu Pflaumen, durchaus von der frischeren Sorte sowie Brombeeren, der Staub hat sich weitgehend verflüchtigt. Auch am Gaumen ein deutlicher Zugewinn der erwähnten Früchte, die herbe Seite der Fruchtaromatik ist ganz weg, die Pelzigkeit nur noch ganz gering vorhanden. Insgesamt wirkt der Wein nun viel ausgewogener, kein Gefühl von Dünnflüssigkeit mehr. Auch der Abgang gewinnt durch die positive Fruchtentwicklung deutlich.

Ich würde den Wein eher weitere 3 bis 5 Jahre im Keller lassen und dann nochmal schauen. Macht aber heute schon -Intensivbelüftung vorausgesetzt- einigen Spaß. Direkt aus der Flasche kann man’s allerdings total vergessen.

Meine Wertung: 2

4. Wein: 2000er Cabernet [Sauvignon] – Trentino DOC, Grai, Trentino

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Dieser Wein ist schon dunkel braunrot im Glas, dabei wenig transparent. Geruchlich etwas grüne Paprika, etwas Pflaume, aus dem Holz kommt Pfeifentabak, riecht ein bißchen alkoholisch bzw. likörig. Der Geruch entwickelt sich innerhalb etwa einer Stunde allerdings deutlich in Richtung Gemüse. Am Gaumen in erster Linie Pflaume, sehr weiche Tannine, speckiges Leder und Vanille, dazu eine recht schöne Säure, wirkt fast cremig. Der Abgang ist fruchtig-holzig mit guter Länge. Allerdings klappt der CS ziemlich schnell zusammen und der erste noch recht positive Eindruck schwindet massiv. Auch am Gaumen findet man letztlich vermehrt Pichelsteiner Eintopf, der Abgang driftet ins fruchtsüße ab.

Wenn man schnell ist, dann hat man hier einen gehaltvollen und runden Wein im Glas, allerdings hat er seinen Zenit wohl schon seit einigen Jahren überschritten und haucht sein Leben dann schnell aus. Insofern verwundert es ein bißchen, daß dieser Jahrgang aktuell ab Hof bzw. im Handel für nicht ganz wenig Geld angeboten wird…

Meine Wertung: 1

5. Wein: 2009er Cabernet Franc – Amistar – Südtiroler DOC, Peter Sölva, Südtirol

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Dunkles Rubinrot im Glas, wenig transparent. In der Nase Heidel- und Brombeere, wirkt etwas fruchtsüß. Nach etwa einer Stunde intensivieren sich die Holzaromen etwas. Geschmacklich auch auf der Waldfruchtseite, dazu etwas Rauch und Eisen, der Säurepegel ist moderat, wenige, aber dafür ziemlich harte Tannine, die sich jedoch mit der Zeit etwas aufweichen. Der Abgang wird auch durch leicht fruchtsüße Waldbeeren bestimmt, ist aber dennoch etwas kantig und anstrengend. Bessert sich zwar ebenfalls mit der Zeit ein bißchen, aber ganz rund wurde der CF hier nicht mehr.

Möglicherweise hätte sich der Cabernet Franc mit etwas mehr Zeit noch ein bißchen runder und ausgewogener präsentiert, aber diese Zeit hat er als letzter des Wettbewerbs leider nicht gehabt. Jedenfalls zeigte sich eine solche Entwicklung beim Jahrgangsbruder „Amistar Rosso„, der allerdings schon vom Öffnen weg interessanter und vielschichtiger war. Mit dem Eindruck dieser Momentaufnahme erreicht er im Gegensatz zum verlinkten Brüderchen leider nicht das Nachkauflevel bei mir.

Meine Wertung: 1

Nach dem „Wettbewerb“ dann was ganz außergewöhnliches: unser Gastgeber hat keine Mühen gescheut und den Fluxkompensator seines DeLorean auf Höchstleistung glühen lassen, um eine kleine Zeitreise in die Zukunft zu unternehmen. Von dort hat er uns einen typischen Riesling mitgebracht, der uns aufzeigen sollte, wohin die Reise mit dieser Rebsorte in den nächsten Jahrzehnten geht:

6. Wein: 2104er Riesling – Liebenberg, Blümel, Rheinhessen

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Die Farbe ist ein schon recht dichtes Goldgelb. Das Bukett ist gleich sehr intensiv, dabei etwas harzig und kräuterig, frisches Heu, dazu grüne Feige. Am Gaumen ebenfalls die grüne Feige, Jostabeere und Guave in hoher Dichte. Dazu eine super Säure, die den technisch wohl halbtrockenen Riesling geschmacklich klar auf die trockene Seite befördert. Ein paar feuchte Steine runden das Ganze schön ab. Der Nachhall hallt fruchtig dicht, dabei aber immer frisch und mit schöner Länge.

Dieser Riesling war für mich als solcher gar nicht erkennbar, denn er schaut recht kräftig in Richtung Aroma- bzw. Bukettrauben, ich habe auf eine extraktreiche Scheurebe getippt. Jedenfalls fand ich diesen Riesling sehr interessant und eigenständig. Sehr schöner Blick in die Zukunft, von mir aus kann sich die Rebsorte also gerne in diese Richtung entwickeln. Aber vielleicht war’s ja doch nur ein Druckfehler, wer weiß das schon…

Meine Wertung: 2

Und ganz zum Schluß noch:

7. Wein: 2014er Tons de Duorum – Branco – Cuvée – Douro DOC, João Portugal Ramos, Douro

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Dieser Basis-Branco aus dem Douro ist eine Cuvée aus Viosinho, Rabigato, Verdelho, Arinto und Moscatel Galego.

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb. Geruchlich gleich eine schöne und prägnante Muskatnote, dazu grüner Apfel und Karambole, Estragon und Salbei. Am Gaumen ebenfalls sehr würzig, aber nicht überfrachtet, weiters Bratapfel und Kaktusfeige, dazu eine schöne, frische Säure. Der Abgang ist fruchtig-würzig, dabei leicht und frisch.

Kein Ausbund an Komplexität und Vielschichtigkeit, aber dennoch durch die gelungene Balance von Würze und Frische ein schöner Wein, der eigentlich eher in den Sommer paßt. Und: der Wein kostet in Portugal keine 4 Euronen und ist dort häufig im Lebensmittelhandel zu finden. Daran gemessen ein echt super Wein!

Meine Wertung: 1

Fazit:

Ein paar wirklich schöne Aha-Erlebnisse in einer sehr entspannten Atmosphäre, in der natürlich auch einige gesellschaftpolitische Probleme final gelöst wurden. Und lecker Sachen zu Essen gab’s auch noch. Vielen Dank nochmals an unseren Gastgeber an dieser Stelle! Was will man mehr?

Bis zum nächsten mal, hoffentlich noch in 2016!

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7 comments on “10. Weinrunde in / um München

  1. Wieder eine spannende Runde, die Ihr hattet. Bin ein wenig neidisch und auch etwas neugierig, welcher Dein Wein war… 😉
    Glaube auch, dass einiges noch recht jung war für die entsprechenden Rebsorten. Obwohl ein „großer Wein“ ja zu jedem Zeitpunkt schmecken sollte (hab ich mal gelesen)….

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    • Na ja, zu jeder Regel gibt es (mindestens) eine Ausnahme… 😉
      „Meiner“ war der CF vom Sölva, hätte mir allerdings etwas mehr von ihm erwartet. Mit mehr Zeit vielleicht. Aber hätte hätte Fahrradkette gilt ja nicht. Der Le Reysse hat schon deutlich Potential, ist aber wohl tatsächlich noch zu jung. Auch wenn man ihn durch exzessive Luftzufuhr im Schnelldurchgang um 10 Jahre altert und ihn so in die Spaßzone hievt. Aber da trifft der genannte Spruch schon eher zu. Der Bulgare war sicher der polarisierendste Wein des Abends. Sowas echt Scharfes hatte ich noch nie im Glas. Ob man in dem Wein wirklich Capsaicin nachweisen kann? Und wo käme es dann her? Der Trentiner war allerdings schon über seinem Horizont, da kommt meiner Meinung nach auch nichts mehr nach. Und bei dem Grieser CS sehe ich generell nicht so viel Potential. Der ist zwar ein ganz netter Alltags-Roter, mehr aber auch nicht.
      Und so einen Riesling hatte ich bis dato auch noch nicht im Glas…
      Du kannst ja gerne mal mitmachen! Ok, ist von dir aus nicht gleich nebenan. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja doch mal die Möglichkeit…
      Gibt’s in deiner Ecke keine solche Runde aus Wein-Nerds?
      VG Erich

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      • Nein leider keine solche Runde in meiner Nähe, zumindest keine von der ich wüsste..
        Muc ist leider auch nicht ums Eck aber Danke für das Angebot 🙂
        CF finde ich grundsätzlich sehr spannend (einer meiner absoluten Lieblingsweine ist ein reinsortiger CF). Könnte mir durchaus vorstellen, dass bei deinem CF von Sölva in ein paar Jahren noch mehr kommt.

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          • Sicher hab ich den bzw. das Weingut schon (öfter) erwähnt – alle drei Abfüllungen (der „einfache“ Saumur-Champigny sowie die beiden Lagenweine „Les Poyeux“ und „Le Bourg“) von Clos Rougeard.
            Leider sind die Weine seit dem letzten (und aktuellen!) Jahrgang 2011 nicht mehr im Handel verfügbar…. einen echten Ersatz für diese Weine habe ich leider noch nicht gefunden (hab aber noch einiges aus 2007, 2008, 2009 und 2010 davon im Keller 🙂 ).

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            • Stimmt, die Weine von Romain Guiberteau sind auch recht schön(war ja bei den Fou­cault Brüdern von Clos Rougeard in der „Lehre“), allerdings ist der Unterschied zwischen seinem roten Saumur und den Weinen von Clos Rougeard doch noch ziemlich groß und damit kein „echter Ersatz“…
              Egal, gibt ja nicht wenig gute Weine auf der Welt und ist immer schön von solchen zu lesen oder noch besser, sie in netter Runde zu trinken 🙂

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