Blaufränkisch von verschiedenen Böden – Teil 2

Teil 1 dieser Reihe ist ja nun schon eine ganze Zeit her, daher ist es jetzt höchste Eisenbahn, daß ich mit diesem Thema mal voran komme. Obwohl: bei einer unserer Weinrunden habe ich noch den roten Saybritz vom Weninger ins Rennen geworfen. Allerdings stammt der nicht aus der eigentlichen Wirkungsstätte des Guts um Horitschon (A) / Balf (H), sondern aus dem Südburgenland / Eisenberg. So lasse ich es jetzt mal bei Teil 2 bewenden:

2012er Blaufränkisch – Hochäcker – trocken, Weninger, Mittelburgenland

Dies ist übrigens kein DAC-Wein (aus welchem Grund auch immer). Das Weingut weist hierzu Folgendes aus:

Die Lage Hochäcker gehört zu den ältesten Rieden in Horitschon. Ihr steinloser, harter, lehmiger Untergrund ist mit Eisen durchsetzt. Das macht sie zu einem traditionellen Boden für Blaufränkisch. Unsere Rebstöcke im Alter von 40 Jahren bringen hier zu jeder Ernte Trauben höchster Qualität.
Rotbeerige Frucht, feine Waldbeeren, zarte Anklänge nach Kirsche, Gewürzen und Tabak. Am Gaumen frisch strukturiert. Ein komplexer Wein, aber nicht opulent. Dicht und extrem engmaschig, daher gut lagerfähig.

Wobei der letzte Absatz dem 2014er gewidmet war. Ob die Beschreibung für den 2012er anders war, weiß ich leider nicht.

Die Farbe ist ein eher dunkles Granatrot mit ein paar violetten Schimmern, wenig Transparenz. Die Nase findet Sauerkirschen, etwas Brombeere sowie Limettenschale, dezent Tabak, etwas nasser Schiefer (woher der auch kommen mag, vielleicht wegen des Eisenanteils im Boden). Geschmacklich sehr frisch wirkend, trotz der deutlichen und noch etwas kernigen Tanninstruktur. Dabei aber nicht pelzig, ein kleines Gerbstoffbitterchen schwingt mit. Die Früchte sind vorwiegend auf der Kirschseite angesiedelt, wobei man durchaus unterschiedliche Sorten identifizieren kann. Da sind herb-säuerliche Noten dabei, frisch-süße und saftig-reife. Dazu einiges aus dem Wald, Heidel- und Brombeeren ziehen im Laufe der Zeit an einem vorbei. Wieder leicht Tabak und was steiniges, das ich hier aber nicht mit „Schiefer“ betiteln würde. Die Säure ist schön ausgeprägt und senkt die Viskosität des Weins deutlich ohne ihn „dünn“ zu machen. Der Abgang ist frisch-belebend auf der fruchtigen Seite angesiedelt und ist frei von jeglichem störenden Beiwerk.

Die obige Beschreibung des Guts paßt aus meiner Sicht soweit ganz gut, nur die Gewürze habe ich in relevanter Dichte nicht gefunden. Einmal hatte ich kurz eine Kümmel-Eingebung, die aber beim nächsten Schluck nicht mehr nachvollziehbar war. Vielleicht Einbildung. Dafür, daß dies -soweit ich weiß- der günstigste Lagen-BF vom Weninger ist, bekommt man hier schon eine ganze Menge Spaß ins Glas, der vor allem auch anhaltend ist, denn der Wein ermüdet aufgrund seiner frischen Säurestruktur kein bißchen.

Meine Wertung: 3

Werbeanzeigen

4 comments on “Blaufränkisch von verschiedenen Böden – Teil 2

  1. Hallo Erich,
    dies ist mal ein Wein den ich auch im Keller und schon getrunken habe (auch JG 2012). Mein „Erstversuch“ mit dem Hochäcker war allerdings nicht so überzeugend wie bei Dir – okay für den aufgerufenen Preis war der BF schon sehr ordentlich, frisch, trinkig aber auch recht einfach und etwas langweilig. Ist aber auch schon gut 1,5 Jahre her und nach Deiner Beschreibung habe ich die Hoffnung, dass sich bei meinen 2 Restflaschen noch einiges getan hat – die hatte ich (aufgrund der Ersterfahrung) fast vergessen, werde aber eine davon zeitnah versuchen 🙂
    Schönes Wochenende und vG
    Patrik

    Liken

    • Hallo Patrik,
      im Vergleich z.B. mit dem Dürrau aus dem gleichen Haus fällt der Hochäcker schon deutlich ab, ist mehr ein BF der filigraneren Sorte. Dafür bekommt man für das gleiche Geld gleich 4 Flaschen dafür. Ich fand ihn aber schön ausdifferenziert, was die Aromatik angeht, man findet sehr viel, wenn man sich auf den Wein einläßt. Mir ging’s jedenfalls so. Man darf halt nicht das berühmte „Maul voll Wein“ erwarten, dafür ist er nicht gemacht. Aber für den Preis ist es ein aus meiner Sicht äußerst ansprechender Wein, wenn der Anlaß nicht nach einem hochkomplexen Stoff schreit. Deshalb kann ich mir schon vorstellen, daß der Hochäcker regelmäßig den Weg in meinen Keller findet…
      Mach mal wieder ein Fläschchen auf, würde mich interessieren, wie dein Eindruck jetzt ist.
      Ebenfalls fine weekend und VG Erich

      Liken

  2. Ich habe mir erst letzte Woche zufällig einige Flaschen des 2014ers beim österreichischen Weinversand meines Vertrauens (dort gibt es jetzt 20% Nachlass auf alle 2014er Rotweine, sodass die Preise unter dem Abhofpreisen liegen – keine Ahnung, wie das funktioniert) gekauft. Den Hochäcker kenne ich bis anhin noch nicht – der 2014er wurde jedoch von den Kritikern recht gut bewertet, was mich dann zum Schnäppchenkauf veranlasst hat.

    Nach dem Lesen Deiner Bewertung freue ich mich schon sehr aufs Verkosten! Ich berichte dann.

    Liken

    • Weninger hat schon ein beeindruckendes Repertoire an schönen Blaufränkischen, ich muß demnächst auch mal wieder einen von ihm aufmachen. Vielleicht diesmal von seinen Gebieten in Ungarn. Mal sehen…
      Wobei die Weninger-Kreationen nicht unbedingt alle reine „Hab-mich-lieb-Weine“ sind. Aber das macht es für mich wiederum interessant.
      Gefühlt würde ich den 2014er aber noch ein bis zwei Jahre liegen lassen, auch wenn ich ihn selbst nicht kenne. Als ich den 2012er ab Hof gekauft und dort probiert habe, war er noch relativ „zu“, man konnte sein Potential bei der Verkostung aber erahnen. Letzten November war er dann aus meiner Sicht in recht schöner Verfassung.

      Die Händler zahlen ja beim Weingut nicht den Endverbraucherpreis, sondern in dieser Preisregion vielleicht gerade mal die Hälfte dessen, wesentlich mehr eher kaum. Deshalb denke ich nicht, daß der Händler den Wein unter seinem EK verkauft.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s