Badischer Mineralsaft

Letzten Freitag war mal wieder Adventsverkostung bei einem der Weinhändler in meiner näheren Umgebung. Da gibt es dann auch immer einen „Schnäppchenmarkt“ mit vorwiegend Einzelflaschen, die aus irgendwelchen Gründen nicht (mehr) im normalen Sortiment sind oder z.B. Etikettenschäden aufweisen. Da dieser Händler hauptsächlich die Gastronomie beliefert, sind einzelne Flaschen wohl etwas schwierig abzusetzen. Es handelt sich dabei schon immer um qualitativ wirklich ansprechende Weine, die dann in der Regel zwischen 5 und 15 EUR je Flasche kosten, häufig ist das deutlich weniger als die Hälfte des nominellen Preises. Eine der erstandenen Flaschen war der

2009er Pinot Noir – Bischoffinger Steinbuck – [trocken] – Qw, Johner, Baden

Zur Lage heißt es:

Der Bischoffinger Steinbuck liegt etwas südwestlich von Bischoffingen. Hier gedeihen etliche Rebsorten, unter anderem unsere „weissen SJ Weine“.
Die Lage ist sehr warm. Der Boden ist schwer, mit hohem Ton-Anteil und mit verwitterten Vulkanstein durchsetzt. Die Wasserkapazität ist nicht sehr hoch. Speziell auf dem felsigen Rücken ist es oft trocken.
Die Trockenheit macht unseren alten Rebanlagen nicht allzu viel aus. Mit ihren langen Wurzeln kommen sie in Symbiose mit Bodenpilzen (Mykorrhiza) auch an „verstecktes“ Wasser und den darin gelösten Nährstoffen und Spurenelementen. Zwar wird bei starker Trockenheit das Längenwachstum der Rebtriebe eingestellt, dafür fließt aber die ganze Kraft in das generative Wachstum. Aus diesen ausgesprochen gehaltvollen Trauben werden mineralische Weine mit viel Kraft gekeltert.

Weiters 4 Wochen Maischegärung und 12 Monate Barriqueausbau, das Resultat weist 2,0 g/l Restzucker bei 5,1 g/l Säure auf.

Die Farbe ist ein helles Granatrot mit hoher Transparenz, leicht ins bräunliche gehend. In der Nase geben schwarze Kirschen des Ton an, aber es finden sich auch Wald- und Brombeeren sowie Holunderbeeren, dazu etwas feuchter Sandstein. Es gibt in Bayreuth unterhalb des Siegesturms einen Spielplatz im Wald, der auf einer Seite durch eine Sandsteinformation markant begrenzt ist. Und wenn die feucht ist, dann riecht das so. Am Gaumen recht intensiv, die Früchte sind gepaart mit 80er Schokolade, das Holz kommt leicht teerig bis jodig ′rüber, da scheinen die Reben ja einiges aus dem Boden gesaugt zu haben. Mit der Säure kommt ein bißchen Pomeranze mit, dazu ein leichtes Chinin-Bitterchen. Der Nachhall währt einige Minuten, wird zwar langsam etwas bitter, bleibt aber auf der angenehmen Seite.
Mit der Zeit nimmt das jodig-mineralische in der Nase zu, am Gaumen nimmt es dagegen etwas ab, was zu deutlich höherer Geschmeidigkeit führt. Außerdem macht es Platz für eine etwas differenzierte Holzaromatik, die dann z.B. auch ein klein bißchen Tabak, Karamell und Vanille offeriert sowie einiges an brauner Würze. Die Früchte sind jetzt deutlich konzentrierter, der Marmeladeneffekt bleibt jedoch aus. Auch der Abgang gewinnt deutlich an Dichte und Eleganz.

Das ist nun kein PN für Sissis, insbesondere die spezielle Mineralik ist schon etwas fordernd, muß man mögen. Die 14 PS sind auch nicht wirklich versteckt, sie fallen aber aber anderseits auch nicht negativ auf. Wer sowas noch hat, sollte es in nächster Zeit öffnen, dürfte jetzt nicht mehr viel besser werden. Und: in kleiner Runde am besten die Entwicklung über die Zeit verfolgen, in größerer Runde ist karaffieren aus meiner Sicht sinnvoll, sonst ist die Flasche weit vor dem Höhepunkt leer.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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