Salzige Früchtchen – Nachtrag 2

Der letzte Teschke-Sylvaner ist nun schon wieder einige Zeit her. Gestern saßen wir in einer kleinen Runde zusammen und haben ein paar schöne Fläschchen geöffnet (Bericht folgt noch…) und dabei war auch der Besuch eines Mitglieds unserer Runde auf dem Sylvaner-Gut Gesprächsthema. Das war so der letzte Kick, heute mal wieder solch einen Wein vom Sylvaner-Spezialisten aus dem Keller zu holen:

2012er Sylvaner – sur Sel – trocken, Teschke, Rheinhessen

Soweit ich es herausgefunden habe, wird dem „sur Sel“ etwa ein Tag Maischestandzeit gegönnt, dann wird er in kleinen Holzfässern vergoren und bleibt gut ein Jahr auf der immer wieder aufgerührten Vollhefe, schließlich wird er ungefiltert abgefüllt.

Im Glas zeigt sich eine sehr intensive goldgelbe Farbe, die jeder Beerenauslese Ehre machen würde. Für die Nase ein betörend intensiver Duft nach Aprikosen, Pfirsichen und ostafrikanischen Mangos. Dazu eine leichte, etwas speckige Ledernote, sogar etwas Pfeifentabak und eine Vorahnung auf Sulfat- und Carbonatsalze. Am Gaumen finden sich die oben genannten Früchte wieder, sie werden jedoch auch durch reifes Kernobst wie Quitte und Williamsbirne ergänzt und sind mit einigen Gerbstoffen angereichert. Zwischen den leichten, aber feinen Holznoten in Form von Holzteer und der grauen Gummiwalze meines Laserdruckers finden sich einige ungeschälte Mandeln. Und dann dieses unglaubliche Salzbett, das aber höchst elegant und geschmeidig wirkt. Die Säure ist hier alles andere als vorlaut, sie verrichtet ihren Dienst leise, aber effektiv und ermöglicht es, daß man dem Wein Cremigkeit und Frische in gleichberechtiger Weise attestieren kann. Der Abgang ist so beständig, daß man sich mit mehreren Leuten eine Flasche über Stunden teilen kann und dabei nie den Geschmack aus dem Mund verliert.

Ein Sylvaner mit einer ziemlichen Dichte und hoher Komplexität, dabei steht er -soweit das meinen Erfahrungsschatz angeht- absolut alleine auf weiter Flur. Trotz der schieren Dichte seiner Aromabestandteile bewahrt er immer einen leichten Fluß und wirkt zu keiner Zeit anstrengend. Ich persönlich wüßte jetzt nicht, wie man Sylvaner noch spannender machen könnte, ein echt g…er Stoff!

Meine Wertung: 3

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: In der Nase nun auch deutlich Streichholzschachtelreibefläche und Naphtalin, die die Früchte jetzt klar in die zweite Reihe verweisen. Auch am Gaumen eine starke Drift in Richtung Mineralik, es zeigt sich eine schöne Phenolik, die aber wenig mit der Riesling-Alterungs-Phenolik zu tun hat. Die Früchte hier ebenfalls stark unter Beschuß, am meisten können sich noch ein paar Maracuja- und Zitrusnoten durchsetzen, auch etwas Bergamotte. Das Salzbett ist beständig dicht, aber es verändert sich in seiner Zusammensetzung, Eisen(III)chlorid und Bariumchlorid sind jetzt bestimmend. Sorry, wenn das nicht jeder nachvollziehen kann, aber ich weiß auch nicht, wie ich’s anders beschreiben soll.

So mancher, der gestern noch ob des reichhaltigen Fruchtkorbs ganz angetan sein mochte, würde heute möglicherweise aussteigen. Denn die sehr ungewöhnliche Mineralik ist jetzt recht fordernd, dennoch strengt sie zumindest mich nicht an. Nach wie vor noch richtig super Stoff!

2. Nachtrag nach 5 Tagen mit Luft: Phosphor & Co. sind jetzt wieder weitgehend aus dem Bukett verschwunden, als erstes nimmt man nunmehr doch eine schöne Riesling-Alterungs-Phenolik wahr. Weiters Maronen, mürbe Backäpfel, Karamell, leicht Tabak. Am Gaumen ebenfalls Karamell gepaart mit einem leichten Grapefruit-Bitterchen, weiter hinter auch ganz leicht andere Bitternoten: Chinin und Bergamotte. Dahinter verschämt, aber doch klar erkennbar etwas Kaktusfeige und sehr reife Passionsfrucht. Dezent Lakritze aus dem Holz, deutlich cremiger als noch vor ein paar Tagen. Der Abgang ist der salzigste Teil des Weingenusses, es ist schier unmöglich, die verschiedenen Mineralien  genau zu definieren bzw. auseinanderzuhalten, Barium, Jod, Eisen, Mangan, alles da.

Echt bemerkenswert, welche Entwicklung der Wein in den letzten Tagen durchgemacht hat, in solch extremer Manier findet man das selten. Das ist nicht nur gutes Handwerk, hier ist es meiner Meinung nach erlaubt, den Begriff „Kunst“ zu bemühen.

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4 comments on “Salzige Früchtchen – Nachtrag 2

  1. Hallo Erich,
    der Wein klingt echt spannend. Glaube ich muss wirklich mal den ein oder anderen Sylvaner von Teschke probieren.
    Habe übrigens einen Sylvaner mir dem Namen „Mission“ (JG 2015) von ihm bei einem recht bekannten Weinhändler für, festhalten, 150 Euro entdeckt. Den werde ich wohl nicht probieren aber finde so eine mutige Bepreisung irgendwie spannend und ziemlich lässig..
    Schöne Sonntagabend noch
    Patrik

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    • Hallo Patrik,
      da mußte ich gleich mal nachschauen. Beim ebenfalls recht bekannten 100-Punkte-Weinhändler kostet er zwar nur 120 Euronen, ist aber immer noch recht amtlich…
      Da sind die gut 20 EUR für dieses Schätzchen ein echtes Schnäppchen, den anderen bisher probierten Gewächsen kann ich auch ein gutes PLV bestätigen.
      Ich war gestern schon gut erstaunt über diesen Wein, aber die kernige Wandlung innerhalb von 24 Stunden hat mich regelrecht verblüfft. Zumal ich es eigentlich noch nie hatte, daß solch ein Phosphordampf sich über Nacht aus dem Nichts entwickelt. Bisher war es immer eher umgekehrt…
      Ebenfalls schönen Restsonntag, ein paar Minuten sind’s ja noch…
      VG Erich

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      • Stimmt sind „nur“ 120 🙂 …. trotzdem wird das wohl nicht mein Einstieg in die Welt der Teschke Sylvaner.
        Mal sehn, vielleicht schaffe ich es am 17. oder 18.12. zum Weingut zu fahren. An diesem Wochenende macht Teschke so eine Art Vorweihnachtsverkostung. Wäre sicher interessant, mal was vor Ort bei ihm zu probieren.

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