Wein in Bamberch – Nachtrag

Ich bin gerade in Bamberg, um die Stadt über’s Wochenende zu erkunden. Und da gibt’s einiges. Vor allem die Geschichte der Domstadt und alles was im engeren und weiteren Sinne mit der Domburg, Kaiser Heinrich und seiner Kunigunde zusammenhängt, ist nicht nur interessant, sondern auch kurzweilig. Verpflegungstechnisch waren wir gestern schon gut und typisch, aber eher rustikal unterwegs. Und da gab’s -weil die Gegend doch deutlich mehr biertechnisch geprägt ist- eben Gerstensaft dazu. Allerdings doch kein „Aecht Bamberger Schlenkerla“ -ein Rauchbier-, weil das bei aller Liebe zu speziellen Geschmäckern doch arg neben meiner Spur liegt. Heute dann waren wir im „Hofbräu”, ein alteingesesseses Gasthaus, jedoch mit behutsam überarbeitetem Ambiente, gemütlich, ein bißchen in unsere Zeit geholt, aber nicht übertrieben trendy oder gar abgehoben. Die Speisen reichen vom gutbürgerlichen in sehr guter Qualität zu leicht innovativen Kreationen, bei denen aber der regionale Bezug meist erkennbar bleibt. Und dann gibt es eine erstaunlich große und sehr gut bestückte Weinkarte. Darin habe ich auch Weine von einem Gut entdeckt, die oft gar nicht so einfach zu bekommen sind, da es zum einen nicht übermäßig groß ist und zum anderen die Fläschchen sehr gefragt sind. Deshalb habe ich hier gleich ganz begeistert zugeschlagen:

2014er Silvaner – Sommeracher Katzenkopf – Augustbaum – trocken – Qw, Östreicher, Franken

Ein sattes Goldgelb im Glas, in der Nase eine ausgewogene Mischung aus Frucht in Form von reifen Pfirsichen und Birnen sowie Holznoten in Form von Pfeifentabak und etwas Ledertasche. Auch wenn er nur im Stahl, dafür lange auf der Hefe lag. Und wenn man sich nicht sicher ist, wie ein „Sponti“ riecht, hier ist eines der Lehrbeispiele. Am Gaumen gesellt sich auch noch etwas Quitte sowie eine Grapefruit dazu, was in Verbindung mit der ausgeprägten Säure zu einer angenehmen „Dünnflüssigkeit“ führt. Die Holzaromatik ist hier etwas weniger intensiv als in der Nase, was aus meiner Sicht aber positiv zu werten ist. Eine anfangs ganz kleine nasse Terrasse bildet eine schöne Unterlage; diese wird aber im Laufe der Zeit deutlich mit kalkhaltigen Steinen ausgebaut. Der Abgang währt mehrere Minuten, ist zwar etwas holzlastiger als am Gaumen, wirkt dabei aber nicht überfrachtet, obwohl die Fruchtseite hier deutlich in der zweiten Reihe steht.

Wir waren in einer größeren Gruppe beim Essen, die Mehrheit der Runde meinte, mit Silvaner nichts anfangen zu können und bestellte lieber einen Chardonnay. Glück für mich! Ein Probeschluck ging dann doch mal auf die andere Seite des Tisches und es wurde attestiert, daß dies dann doch der deutlich bessere Wein sei und die Wahl des Franzosen im Vergleich die deutlich schlechtere gewesen ist. Tatsächlich wird der „Augustbaum“ durch die Vinifizierung, die man für einen behutsamen Holzausbau halten könnte, leicht in die von der anderen Seite bevorzugten Burgunderrichtung gerückt, die fruchtig-frische Seite des Muschelkalk-Silvaners wird dabei aber keineswegs unterdrückt. Es zeigt sich zwar eine ganz leichte Cremigkeit, die durchaus angenehm ist, aber die perfekte Säurestruktur bleibt das primär prägende für diesen Ausnahme-Silvaner. Ganz großes Franken-Kino!

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: In der Nase deutlich reduktiver als vor zwei Tagen, einiges an Hefe und Sauerteig, etwas mostig, die Fruchtseite hat sich zur Maracuja hin entwickelt. Fast ein bißchen wie ein maischevergorener Weißer. Auch am Gaumen hat der Silvaner eine entsprechende Entwicklung durchgemacht: sehr erdig-mineralisch, dabei eine runde Säure, die Fruchtseite ist reduziert auf einen kleinen Backapfel und etwas Kaktusfeige. Der Abgang ist nach wie vor lang und klar auf der herb-mineralischen Seite. Nicht mehr ganz so vielschichtig und eigenständig wie am ersten Tag, immer noch sehr schön, aber hier muß es einen nicht reuen, wenn man die Flasche gleich innerhalb weniger Stunden leert.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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