Ganz was Nettes – Relaunch

Sehr zur Freude insbesondere einer mittrinkenden Person war die zweite Holy-Evening-Flasche ein

2012er Wolferl – Gemischter Satz – trocken, Thiery-Weber, Kremstal

Gut zwei Jahre ist der letzte Kontakt mit diesem Weinchen nun her, ich war gespannt, wie er sich nun präsentiert.

Im Glas immer noch ein mittleres Goldgelb ohne erkennbare Reifetönung, in der Nase Birne, Quitte, Mango, Pfirsich, ganz leicht Orangenzesten. Am Gaumen zuerst Bratapfel mit leichter Muskatwürze, später auch etwas Nelke und Sternanis. Dazu eine Grapefruit mit dezentem Bitterchen, wieder Quitte, Kumquat, Khaki, Kaktusfeige, teils im Kommen und Gehen, fast jeder Schluck ist wieder anders. Der üppig-frische Fruchtkorb steht auf einem leichten Steinbett, die Säure ist zurückhaltend, aber effektiv. Der Abgang ist würzig-fruchtig, hat einiges Schmackes ohne dabei zu belasten und ist von erheblicher Länge.

Man kann jetzt gar nicht sagen, daß der Wolferl signifikant „reifer“ geworden ist (außer daß er die jugendlichen Perlen abgestoßen hat), dennoch hat er sich -wenn ich mir untenstehende Beschreibung ansehe und mich an die letzte Verkostung erinnere-  tendenziell etwas zur eleganten Seite hin entwickelt. Betörend wiederum der sehr komplexe Fruchtkorb mit einer klaren Differenzierbarkeit der einzelnen Aromakomponenten. Also immer noch kein Mischmasch-Wein!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 06. Dezember 2014:

Ein in jeder Hinsicht ausgefallener Wein ist der

2012er Wolferl – Gemischter Satz – trocken, Thiery-Weber, Kremstal

Für diesen Wein werden am Ende der Lese die vergessenen Trauben („wie ein Wolferl“) eingesammelt und gemeinsam gekeltert (Grüner Veltliner, Riesling, Sauvignon, Chardonnay und Gelber Muskateller).

Aus einer Auswahl von Thiery-Weber-Fläschchen haben wir als ersten diesen Wein gewählt, weil uns die Geschichte der Entstehung sehr gut gefallen hat. Ich will noch vorausschicken, daß ich bei Cuvées eher reserviert bin, insbesondere wenn nicht eine Traubensorte klar den Ton angibt und eine zweite Sorte dem Charakter der bestimmenden Sorte nicht die Show stiehlt, sondern das Gesamtbild eher abrundet. Bei 5 verschiedenen Sorten aus vielleicht im Fall des „Wolferls“ noch mehr Lagen hatte ich schon die grundsätzliche Befürchtung, daß das Ergebnis dann womöglich ein undefiniertes Mischmasch aus einer Unmenge von Charakteristika ist, die sich im schlimmsten Fall gegenseitig überdecken. Und wenn ich nicht die positive Einschätzung auf einem bekannteren Weinblog als meinem zu dem Wolferl mitbekommen hätte, wäre er wahrscheinlich gar nicht auf meiner Bestelliste aufgetaucht. Noch dazu ist ja auch ein Teil Gelber Muskateller enthalten; Weine aus dieser oder z.B. der Gewürztraminer-Traube sind nun einfach gar nicht meine Richtung, egal wie gut sie faktisch gemacht sind.

So war ich dann doch sehr gespannt, was nach dem Öffnen der Flasche passieren wird. Doch schon der Geruch, der mich als allererstes -wohl aufgrund der Aromenvielfalt- klar an Quitten erinnert hat, hat mir die Gewißheit gegeben, mit dem Kauf nichts falsch gemacht zu haben. Außergewöhnlich für mich auch diese Kombination von der Kraft der reifen Trauben einerseits und der eigentlich jugendlichen Frische, unterstützt durch das leichte Perlen am Anfang, andererseits. Sehr trocken und mit deutlich spürbarer Säure, die sich aber angenehm zurückhält. Und der „gefürchtete“ Muskateller zeigt deutlich, daß er da ist, aber in wohldosierter Form, die für mich in keinster Weise unangenehm war, ganz im Gegenteil, vielleicht deshalb, weil der Wein kaum Restzucker hat? Im Laufe der Zeit, also beim zweiten Glas, haben sich die „feineren“ Trauben wie der Riesling ein bißchen mehr in den Vordergrund gerückt, was ich als eine sehr schöne Entwicklung empfand.

Das schönste, was ich abschließend über den Wein sagen kann, ist wohl, daß ich keinerlei Vergleich dazu habe. War eine ganz neue Geschmackserfahrung, genau das, wonach ich immer wieder suche.

Kurz gesagt: Eigenständig, außergewöhnlich, macht sehr viel Freude!

Meine Wertung: 3

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One comment on “Ganz was Nettes – Relaunch

  1. Artur Toifl bzw. das Weingut Thiery-Weber habe ich während des letzten Kremstaler Weinfrühlings besucht. Meine Frau und ich waren begeistert.

    Mitgenommen haben wir den Riesling Kremstal DAC Reserve (2015 – jetzt trinkreif aber aufgrund des extremen Extrakts sicher noch lange lagerfähig), einen Zweigelt Reserve 2012 und einen Cabernet Sauvignon Reserve 2012. Auch die Rotweine sind außergewöhnlich gut und kraftvoll. Der Cabernet aus 2012 ist noch recht ungestüm. Der Wolferl war leider nicht mehr verfügbar- schade, wenn ich Deine Bewertung lese!

    Insgesamt kann ich das Weingut nur uneingeschränkt empfehlen. Denke, dass sich dies mit Deinem Empfinden deckt.

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