Für die Soße…

Ich weiß nicht, ob es anderen ähnlich geht: wenn es um das Thema Wein zum Kochen geht, dann stehe ich häufig vor den nicht wenigen Flaschen im Keller und denke mir dann regelmäßig, speziell bei den Roten: „Is‘ mir eigentlich zu schade zum Kochen.“ Es gibt ja Stimmen, die da predigen, daß man zum Kochen auch den Wein hernehmen soll, den man letztlich zur fertigen Speise trinkt. Ich bin aber nicht der Meinung, daß man die Feinheiten eines großen Weins noch signifikant herausschmeckt, nachdem man ihn mit allerlei anderen Zutaten vermengt und dann auch noch in nicht unerheblichem Maße thermisch behandelt hat. Ein Wein mit Fehlern bzw. zu großen Abweichungen nach unten hinsichtlich Qualität und / oder Stilistik darf’s andererseits nun auch nicht sein, also kein 2,99 EUR Wein vom Soundso umme Ecke. Aber ich bekomme ja auch immer wieder zu Weihnachten ein paar Weine von diversen Geschäftspartnern geschenkt. Die sind dann schon häufig direkt vom Winzer, überschreiten in der Anschaffung den oben genannten Preis meist deutlich, aber in der Mehrzahl der Fälle sind das dann doch Kreationen, die sich mit meinem persönlichen Geschmack nicht so gut vereinbaren lassen. Bei dem

2013er [Cuvée] – VigNoble R – trocken – Qw, Theo Loosen, Mosel

hatte ich genau diesen Verdacht. Ob der Winzer was mit „Dr. Loosen“ zu tun hat oder es sich nur um eine zufällige Namensgleichheit handelt, weiß ich nicht. Aber die Liga, in der die beiden Güter spielen, ist offensichtlich völlig unterschiedlich. Dieser Wein -eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Spätburgunder- wurde im Barrique ausgebaut und ist mit 12 Euronen / Flasche schon das Flaggschiff des Hauses, welches in der moselblaugrünen Schlegelflasche daherkommt. Preislich darüber gibt es nur noch ein paar Brände.

Die Farbe ist ein dunkleres Granatrot mit mittlerer Transparenz, geruchlich dominiert die Spätburgunderkirsche, etwas Bonbon-lastig, wird aber mit Luft besser. Einen Hauch Johannisbeere finde ich noch, das Holz muß man anfangs auch suchen, man findet dann etwas Buchenstaub und Nelke, intensiviert sich mit Luft dann ein bißchen. Geschmacklich sehr weich und samtig, quasi fast tanninfrei. Auch hier findet man vor allem dunklere Kirschen und leicht die schwarze Johannisbeere von oben. Das Holz macht sich in gleicher Weise bemerkbar wie in der Nase. Schön finde ich das Fruchtsüße-Säure-Spiel, es verhilft dem VigNoble R zu einem frischen, unkomplizierten Charakter. Der Abgang ist mittellang und stellt sich als konsequente Fortführung des Gaumengefühls dar.

Das ist nun ein Rotweinchen ohne Fehl und Tadel, den man gut zum Essen nebenher wegschlabbern kann. Oder bei einer angeregten Unterhaltung, bei der man dem Wein nicht so viel Beachtung schenken kann. Da gibt es nichts zu meckern, es ist aber auch kein Wein, bei dem man sich genußvoll auf Aromensuche begeben kann. Jedenfalls ist man recht schnell fertig mit der Suche. Eignet sich z.B. sehr gut, wenn man Gäste hat, die nicht wie ich jeden Schluck Wein analysieren müssen, sondern ihn einfach unbeschwert wegtrinken wollen. Oder eben für ein Sößchen, das war dann auch absolut gelungen. Allerdings: es hat jemand den o.g. Preis dafür bezahlt, da gibt’s auch beim Rotwein meiner Meinung nach deutlich schönere Sachen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 11 von 25

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