Best of Sachsen…

Vor ein paar Wochen hatte eines der regelmäßigen Mitglieder unserer Weinrunden die Idee, mal einige der Weine von Martin Schwarz in einer Weingutshorizontale zu verkosten. Wir hatten sowas ja schon mal mit den Weinen vom Weingut Schlör gemacht. Nun also was aus Sachsen, einem Weinbaugebiet, das als recht teuer bei überschaubarer Qualität verschrieen ist. Ich selbst habe auch nicht so viel Erfahrung mit den Weinen aus dieser Region, am meisten noch mit denen vom Schloß Proschwitz, da ist von sehr gut bis belanglos alles im großen Portfolio vorhanden. Bei auch eher gehobenem Preisniveau. Bei einer unserer Weinrunden tauchte dann in Form eines Chardonnays der erste nicht nur sehr gute, sondern auch ungewöhnliche Wein aus Sachsen auf, eben vom Weingut Martin Schwarz. Dieser Winzer war früher beim Schloß Proschwitz als Kellermeister tätig und hat sich ab 2003 mit der Bewirtschaftung eigener kleiner Steillagen bei Radebeul schrittweise selbständig gemacht. Seit 2013 schließlich unter eigenem Dach am Mariaberg in Meißen. Es wird nur eine sehr kleine Fläche bewirtschaftet (die Heimseite weist 2,2 Hektar aus, es sind in letzter Zeit aber wohl noch ein paar Flächen dazugekommen, z.B. „Friedstein“), dies sind anscheinend ausschließlich Steillagen, die in reiner Handarbeit bewirtschaftet werden. Heraus kommen dabei ca. 10.000 Flaschen im Jahr, bei mindestens 12 Sorten sind das jeweils nicht allzu viele Flaschen einer Kreation. (Fast) Alle Weine des Guts kommen mit Holz in Berührung, teils sind dies 225 Liter-Barriques, teils (etwas) größere Holzfässer bis 500 l Inhalt. Diese stammen aus dem österreichischen Ybbstal und werden allenfalls gering getoastet, da der Winzer meint, daß zu viele Röstaromen nicht zu seinen Weinen passen. Anfangs scheint es überhaupt nur Cuvées gegeben zu haben, da aufgrund der Mini-Mengen das Keltern reinsortiger Weine nicht zielführend erschien. So entstanden dann wohl solche Kreationen wie „Spätburgunder & Portugieser“. Jetzt aber zu den Weinchen, wobei vorneweg -quasi schon traditionell- ein paar Appetitanreger in die Gläser kamen:

Wein A: 2014er Sauvignon Blanc – Tolnai PDO, Tüzkö, Tolnai

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Ein bißchen was ungarisches habe ich ja schon probiert, aber ein SB war bis jetzt nicht dabei. Dies hier ist ein Wein aus der Basislinie, der von der Herstellungsweise her erst mal keine besonderen Attribute aufweist.

Die Farbe ist ein mittleres bis helles Strohgelb, in der Nase eher verhalten, man kann aber dennoch schön Quitte und Karambole erkennen, dazu auch leicht fermentierte Kräuter. Am Gaumen wiederum Quitte, jedoch nicht ganz reif, dazu wieder Karambole, leicht Estragon und noch ein Hauch Bergamotte, was zu einer etwas herben Note führt. Der Abgang ist mittellang und dabei frisch-fruchtig.

Ein durchaus schöner, geradliniger und dennoch nicht beliebiger Sauvignon blanc, der vor allem durch die schöne Quittenaromatik punkten kann.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 16 von 25

Wein B: 2015er Schönburger – trocken – Qw, Wolkenberg, Brandenburg

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Dieser Schönburger (diese Rebsorte hatten wir neulich schon mal) paßt bereits gut zum Thema, denn Martin Schwarz, der „Vater“ der folgenden Weine, ist auch bei dem „Wolkenberg“-Projekt beteiligt. Im Rahmen der Rekultivierung von Braunkohlentagebauflächen sind auch einige Hektar mit Weinreben bestockt worden. Der Ausbau der Weine erfolgt in der Weinmanufaktur von Martin Schwarz und er ist wohl auch bei der Arbeit in den Weingärten mit involviert.

Im Glas ein helleres Goldgelb, in der Nase feinherb wirkend, fast wie ein Traminer, dazu Akazienhonig und kandierte Ananas. Am Gaumen finde ich den Schönburger etwas dropsig, Waldmeister und Apfelshampoo kommen mir in den Sinn. Der Abgang ist fruchtig-süßlich.

Hier gefällt mir die Süße-Säure-Balance nicht so besonders, am Gaumen wirkt er mir zu künstlich. Ist Geschmackssache, aber mein Fall ist es nicht so sehr, auch wenn ich den Wein generell -schon wegen seiner Herkunft- interessant finde.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 12 von 25

1. Wein: 2015er Müller-Thurgau – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Den ersten Wein der Schwarz-Horizontale hatten wir als 2014er schon mal in einer Weinrunde im „Vorprogramm“, da hat er mir bereits sehr gut gefallen. Müllers mit Holz gibt es ja nicht so häufig, schon dies macht den Wein zu einer kleinen Besonderheit.

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, in der Nase anfangs noch ein bißchen verhalten, mit steigender Temperatur und Luft wird er dann aber recht fruchtig-würzig, sehr reife Mirabellen zeigen sich in einer Mischung mit Rauch und rotem Phosphor. Später kommen auch noch Mandarinen dazu. Am Gaumen insgesamt eher filigran, schön differenziert zeigen sich leicht ins kandierte gehende Zitrusnoten, dabei leicht gerbstoffig, einiges an Kreide, leichte Braunwürze plus Kardamom, später kommt auch Khaki dazu. Sehr schöne Säurestruktur, die den Wein einerseits leicht und frisch macht, aber auch für eine gewisse Cremigkeit sorgt. Der Abgang ist recht lang bei mittlerer Intensität, dabei mineralisch-würzig, verändert sich über die Zeit in der Struktur.

Für mich -und ein paar andere Teilnehmer- ein schöner, filigraner und vielschichtiger Wein, der sich durch eine schöne Balance zwischen Extrakt, Würze, Mineralik und dezenten Holznoten auszeichnet. Ich war dann doch etwas erstaunt, daß der Wein recht polarisierend war, denn einige Teilnehmer fanden ihn schlicht langweilig, um es vornehm auszudrücken. Da zeigt sich wieder sehr schön, wie subjektiv die Empfindungen beim Weingenuß sind. Irgendwie beruhigend, daß nicht alles gleichschaltbar ist…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

2. Wein: 2013er Weiss von Schwarz – Spätburgunder – Blanc de Noir – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Dieser Blanc de Noir hat ein Barriquefaß gesehen und das vermutlich für 9 Monate. Leider habe ich für den 2013er keine dezidierte Angabe gefunden.

Der BdN ist strohgelb, dabei ins zwiebelfarbige gehend. Das Bukett zeigt Quitte, leicht Aprikose, kandierte Blutorange, dezent Himbeere, dazu Rosmarinhonig und Karamell sowie ein paar leicht rauchige Holztöne. Am Gaumen warm und dicht, weiße Johannisbeeren, wieder leicht Himbeere, kandierte Grapefruit, wenig Bergamotte sowie Korianderhonig. Die Säure vermittelt sehr schön zwischen dem vielfältigen Extrakt und dem leichten Steinbett. Der Abgang ist leicht herb-mineralisch bei insgesamt hoher Intensität, auf der Fruchtseite eher zitrusbetont.

Diesen Wein hatte ich vor ein paar Monaten schon mal im Glas, meine damalige Beschreibung weicht doch signifikant von dieser hier ab. Ob ich nun gänzlich anders drauf war oder der Wein tatsächlich diese Entwicklung vollzogen hat, wer weiß. Vielleicht auch ein bißchen von beidem. Jedenfalls nach wie vor ein sehr schöner Wein mit einer nicht alltäglichen Aromenstruktur, bei dem aber auch die etwas ratlose Diskussion aufkam, zu welchem Essen man den denn so einsetzen könnte. Für meinen Geschmack aber auch ein sehr schöner Solist.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

3. Wein: 2015er Riesling – Friedstein – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Dieser Riesling scheint von einer noch nicht so lange bewirtschafteten Lage zu stammen, jedenfalls taucht dieser Wein auf der Heimseite des Guts noch nicht auf. Ich gehe davon aus, daß der Wein -anders als der Riesling „Kapitelberg“- entgegen der sonstigen Philosophie des Weinguts im Stahltank ausgebaut wurde. Auf dem Rückenetikett und in der Preisliste steht jedenfalls nichts von Holz, anders als bei den anderen Weinen.

Goldgelb zeigt sich dieser Riesling. In der Nase Lavendel, Pfirsich und Karambole, leicht restsüß anmutend. Am Gaumen mürber Apfel und Kaktusfeige; der Extrakt ist recht dicht, demgegenüber ist die Säure für meinen Geschmack allerdings unterrepräsentiert, was den Riesling leicht cremig aber auch klebrig macht. Auf der mineralischen Seite eine leichte Schiefer- sowie Magnesiumnote. Der Abgang ist cremig-herb, auch hier fehlt es etwas an Säure, was den Trinkfluß doch deutlich hemmt.

Vielleicht ist die nicht ganz so schöne Säurestruktur jahrgangsbedingt, von den vorhandenen Aromen her hätte der Riesling schon ein paar schöne Zutaten zu bieten, aber ich fand ihn insgesamt etwas anstrengend.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

4. Wein: 2014er Riesling & Traminer – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Diese Cuvée reifte wiederum im großen Holzfaß, in 2013 war die Zusammensetzung 80% Riesling und 20% Traminer; ich gehe davon aus, daß der 2014er zumindest ähnlich ist.

Im Glas ein helleres Goldgelb, in der Nase würzig-frisch, sehr reife Pfirsiche und Aprikosen, dazu Sternanis und Muskatblüte. Am Gaumen eine dichte, leicht herbe Fruchtaromatik, viel Kernobst plus Marulas, ein paar Limettenzesten, etwas Schweizer Fladenbrot, leicht Kümmel und Muskat sowie Kalkstein. Das Süße-Säure-Spiel ist hier herausragend. Der Abgang ist anfangs recht kurz, entwickelt sich aber mit der Zeit doch noch sehr schön, würzig-dickfruchtig, dabei von mittlerer Intensität mit leicht herben Steinen unterlegt.

Ich mag diese Rebsortenkombi generell sehr gerne, die Frische des Rieslings sowie die Würzigkeit des Traminers passen aus meiner Sicht generell gut zueinander. In diesem Fall ist ein sehr schöner Wein d’raus geworden, allerdings sollte man ihm etwas Zeit geben, anfangs ist er vor allem beim Nachhall nicht ganz auf der Höhe.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

5. Wein: 2014er Chardonnay – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Der 2013er Chardonnay von Martin Schwarz war meine persönliche erste Begegnung mit diesem Weingut, auch anläßlich einer unserer Weinrunden.

Im Glas wieder ein mittleres Goldgelb. Geruchlich anfangs etwas verhalten, mit etwas Zeit wird das Bukett allerdings recht intensiv und bietet dann reife Pfirsiche, wieder mal Kaktusfeige, Orangen- und Grapefruitzesten, schon hier leicht salzig. Am Gaumen frisches Kernobst in hoher Konzentration, etwas Bergamotte bzw. Pomeranze, weißer Pfeffer, eine leicht herbe Mineralik mit deutlichem Salzbett. Das Süße-Säure-Spiel ist eigentlich schön ausgewogen, wirkt aber noch etwas kantig. Der Abgang ist recht lang, dabei herb-fruchtig-mineralisch, mit einem kleinen, aber durchaus angenehmen Bitterchen.

Ein wiederum sehr schöner Chardonnay, der durchaus auch aus dem Burgund kommen könnte und sich keineswegs verstecken muß. Aber: den oben verlinkten 2013er fand ich persönlich deutlich eigenständiger, so ist dies zwar ein sehr guter Chardonnay, aber dann doch eher einer unter vielen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

6. Wein: 2015er [Cuvée] – Rosarot – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Auch dieser Rosé wurde im Holzfaß ausgebaut, zum Einsatz kamen wohl vorwiegend Regent (ca. 80 %) und Spätburgunder sowie eine kleine Menge Dornfelder. Die Angaben im Netz bezüglich letzterer Rebsorte sind etwas widersprüchlich, ob die Sorte im 2015er tatsächlich verbaut wurde, bleibt also offen.

Von der Farbe her eigentlich kein typischer Rosé, eher ein recht dichtes Kirschrot. In der Nase Himbeerbonbon, etwas Erdbeere sowie Granatapfel, leichte Braunwürze, am Gaumen hellere Herzkirschen, wieder Granatapfel, etwas Pomeranze, leicht Nelken und Teer. Der Rosarot hat eigentlich eine gesunde Säureausstattung, dennoch wirkt die Fruchtsüße etwas „frei“. Der Nachhall hallt gut, die Früchte werden von einer leichten Bitterkeit und etwas Teer begleitet.

Ein durch den Holzausbau nicht alltäglicher Rosé, von vielen der Teilnehmer durchaus als „lecker“ empfunden, für meine Person allerdings ein Wein, der keinen Nachkaufreflex auslöst, obwohl ich durchaus „roséaffin“ bin, insbesondere bei etwas eigenständigeren Kreationen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

7. Wein: oJ [Cuvée] – Rot von Schwarz – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Diese Rotweincuvée ist jahrgangslos, es werden 70% Spätburgunder und 30% Portugieser verwendet, wobei der Spätburgunder wohl jeweils ein Jahr älter ist als der Portugieser. Die oben genannte Zusammensetzung steht für den 2010 / 2011er, welchen Wein wir nun genau hatten, kann ich mangels Angabe auf dem Etikett nicht sagen.

Rubinrot im Glas, mittlere Transparenz, an den Rändern leicht violett schimmernd. In der Nase intensiv Schwarzkirsche und Brombeere, Kakao und etwas Karamell, weiters Zeder. Am Gaumen wenige Tannine, diese leicht bitter, geringfügig adstringierend; auf der Fruchtseite Schlehen, Acerola und leicht Bergamotte, dazu eine gut eingebundene, frische Säure. Der Abgang ist leicht herb-bitter und lebt von der dunklen Fruchtseite; wenn diese langsam abschwillt, zeigen sich vermehrt ein paar nasse Steine.

Eine eigentlich interessant gemachte rote Cuvée, die aber aktuell noch recht harsch an Gaumen und Rachen wirkt. Vielleicht schleift sich das noch ein. Schön wäre ein wie auch immer gearteter Hinweis, welche Jahrgänge hier nun „verwurschtet“ wurden.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

8. Wein: 2013er Spätburgunder & Portugieser – trocken – Qw, Martin Schwarz, Sachsen

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Diese Cuvée bestand in der 2011er Variante zu 85% aus Spätburgunder und zu 15% aus Portugieser. Der Ausbau erfolgte für 18 Monate im Barrique.

Im Glas hier ein dunkles Rubinrot bei mittlerer Transparenz. Das Bukett zeigt sehr reife, dunkle und süße Kirschen sowie Heidelbeeren, dazu Vanille und Kautabak. Geschmacklich dann ebenso reife Kirschen, wieder Heidelbeere und obendrauf noch andere Waldbeeraromen, die Tannine sind sehr samtig. Die nicht geringe Fruchtsüße wird durch die Säure perfekt abgepuffert, ein leicht nasses und moosiges Steinbett bildet einen schönen Kontrapunkt. Der Abgang ist deutlich extraktsüß, dabei bleibt der Wein aber durch die schöne Säurestruktur trotz seiner Intensität recht frisch.

Diese rote Cuvée ist von der Zusammensetzung ja nicht sooo weit vom jahrgangslosen „Rot von Schwarz“ entfernt, stilistisch bzw. qualitativ liegen jedoch Welten dazwischen. Oder ist er einfach ein bißchen „fertiger“? Macht jedenfalls deutlich mehr Freude!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Soweit erst mal die Schwarz’schen Weine. Zum Ausklang gab’s -wie immer- auch noch was, als erstes mal wieder was Gereiftes aus der Überraschungskiste:

Wein C: 1987er Riesling – Ürziger Schwarzlay – Qw, Oster-Dusemond, Mosel

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Das Weingut scheint es so nicht mehr zu geben. In Kröv, der Heimat des „Nacktarsch“, gibt es noch ein Weingut „Klein-Oster“, vielleicht gibt es da eine gemeinsame Geschichte. Dieses Gut bietet jedoch auf seiner Heimseite aktuell keinen Wein aus der Großlage „Schwarzlay“ an, jedenfalls nicht erkennbar.

Die Farbe dieses Rieslings ist mit seinem schon ins orange gehenden Goldgelb recht betörend. Auch das Bukett macht mit intensiv duftender, kandierter Ananas und Orange sowie Calendula trotz einer leichten Muff-Komponente viel Spaß. Am Gaumen bleibt davon aber leider nicht mehr so viel übrig. Der Riesling hat hier zwar keine Fehltöne und ist generell noch trinkbar, aber sonderlich viel hat man hier leider nicht mehr davon. Zum Abgang kann ich auch nicht viel mehr sagen, relativ flach und leicht säuerlich, jedoch auch hier keine Fehltöne.

Das ist mir mit den alten Rieslingen einfacherer Machart schon häufiger passiert, daß für die Nase noch was geboten wird, der Rest aber leer ausgeht. Ich weiß, daß die nachfolgende Wertung kaum noch praktischen Nährwert hat, aber trotzdem:

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 9 von 25

Wein D: 2009er Riesling – Laumersheimer Steinbuckel – Auslese – 1. Lage, Philipp Kuhn, Pfalz

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Diese Auslese stammt aus der Großen Lage „Laumersheimer Steinbuckel“ und wurde von mir für lächerlich wenig Geld als Einzelflasche auf einem Schnäppchenmarkt anläßlich einer Weinverkostung hier umme Ecke erworben.

Die Farbe ist ein recht sattes Bernstein, für die Nase gibt’s ebenso satt Rosmarinhonig, kandierte Orangen, Tamarinde und etwas Zitronenmelisse. Am Gaumen ungemein cremig, auf der Fruchtseite kandierte Ananas, Blutorange und Korianderhonig, das Süße-Säure-Spiel ist einfach perfekt, unter der vielen Fruchtsüße ist tatsächlich auch noch was steiniges auszumachen. Beim Schlucken geht die Auslese langsam und viskos runter, der dicke Extrakt hakt sich an den Schleimhäuten fest und schmilzt sehr langsam dahin.

Auch bei dieser Auslese hat die Säure alle Zuckermoleküle so schön rund gemacht, daß nur noch pure Eleganz übrig bleibt. Big Fun!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Als ich dachte, es wäre schon Schluß, kam doch noch eine Flasche um die Ecke. Zwar schon nicht mehr ganz voll, aber egal:

Wein E: [Cuvée] – Fine Tawny – Port, Taylor’s, Douro

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Dieser Fine Tawny ist eine Cuvée aus Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Barroca und Tinta Roriz und wird bis zu 3 Jahre in Holzfässern gelagert.

Im Glas ist er rubinrot mit mittlerer Transparenz, in der Nase viele gedörrte Pflaumen, etwas Rumtopf, auch Brombeeren und Balsamico. Auch am Gaumen viel von der gedörrten Pflaume, recht cremig, nur wenig Säure spürbar, dennoch flutscht dieser 20-Prozenter ganz gut. Der Abgang ist lang und warm, dabei vorwiegend auf der braunfruchtigen Seite unterwegs.

Ich muß gestehen, daß ich aufgrund der Gerichte, die es in der Regel bei mir / uns gibt und zu denen ein Süßwein paßt, in der Regel eher bei den weißen Sachen lande. Aber so ab und zu ist sowas auch mal ganz nett. Das ist jetzt sicher nicht einer der komplexesten Ports (in der Richtung habe ich auch nicht übermäßig viel Erfahrung) aber für das Geld, das man für so eine Flasche investieren muß, bekommt man schon einiges an Spaß geboten.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit: Wieder mal eine sehr schöne Runde! Zu den Weinen von Martin Schwarz kann man abschließend sagen, daß sich diese durchweg auf einem recht hohen Niveau bewegen und eine sehr deutliche Handschrift tragen. Auch wenn so mancher Wein entweder bei mir oder bei den anderen Teilnehmern aufgrund der persönlichen Wahrnehmung und / oder Vorlieben nicht ganz so gut ankam, ändert das doch nichts an der Einschätzung, daß dieses Weingut klar zur Spitze Sachsens zählt und auch im bundesweiten Vergleich qualitativ ganz gut dasteht. Was in der Runde, aber auch sonst so in der Weinwelt, festgestellt wurde, ist, daß das Preis-Leistungs-Verhältnis der Weine im Vergleich mit Rest-Deutschland nicht so berauschend ist. Aber das gilt für Sachsen generell. Woran das nun im einzelnen liegt, vermag ich nicht zu sagen. Einerseits sind die Schwarz’schen Weine wohl durchgängig mit reiner Handarbeit hergestellt, die Steillagenbewirtschaftung fordert eben ihren Preis. Und die bei einem so kleinen Weingut anfallenden Fixkosten sind spezifisch natürlich höher und belasten somit die Flaschenpreise erheblich mehr. Andererseits gibt es z.B. an der Mosel ebenfalls Lagen, die nicht minder arbeitsintensiv zu bewirtschaften sind und dennoch sind hier Spitzenweine mit einem deutlich günstigeren PLV zu bekommen. Wie es auch sei, dennoch sind ein paar Weine dabei, für die zumindest ich auch in Zukunft für die ein oder andere Flasche den Preis gerne bezahlen werde, wenn auch nicht für alle.

Mal sehen, ob wir solche Horizontalen (oder auch Vertikalen) zwischen den eigentlichen Blindtasting-Treffen öfters mal realisieren können, mir hat’s jedenfalls Spaß gemacht. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an die beiden Ausrichter, die uns auch diesmal wieder mit leckeren Kleinigkeiten versorgt haben. Bis zum nächsten mal!

PS: wem was nicht paßt an meinem Geschreibsel, meckern erwünscht!

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