Keine Machos in der Lombardei

Als ich weinmäßig noch in deutlich höherem Maße im italienischsprachigen Teil Italiens unterwegs war, habe ich auch des öfteren die Weine von Nino Negri im Glas gehabt. Vor einiger Zeit liefen mir seine Kreationen mal wieder über den Weg und ich habe mir einige Flaschen in den Keller gelegt. Jetzt habe ich mir den

2011er Nebbiolo – Sfursat – Carlo Negri – Sforzato di Valtellina DOCG, Nino Negri, Lombardia

aufgemacht, um mal wieder in alten Weinerinnerungen zu schwelgen. Dies ist quasi der kleine Bruder des „Sfursat 5 Stelle“, der fast doppelt so teuer ist und schon einige der 3 Gläser im Gambero Rosso eingeheimst hat. Das hat der „Carlo Negri“ aber auch schon ein paar mal geschafft, früher zumindest war die Luft zwischen diesen beiden Weinen relativ dünn. Der „Carlo Negri“ wird übrigens aus über 3 Monate getrockneten Trauben gekeltert und darf sich ungefähr 2 Jahre im großen Holzfaß ausruhen, bevor er in die Flasche entlassen wird.

Im Glas zeigt sich der Sfursat Nebbiolo-typisch eher unscheinbar mit einer nicht allzu dunklen granatroten Farbe und recht hoher Transparenz, ginge auch als Pinot Nero durch. Irgendwie erwartet man wohl bei einem Wein mit 15,5 Umdrehungen etwas dickeres. In der Nase zwar die erwarteten Dörrpflaumen, aber es zeigt sich keine Marmeladigkeit, sondern trotz aller Dichte ein eher frisches Aroma, welches durch nicht übertriebene Holzaromen wie Vanille, Tabak und etwas Kakao, ganz leicht auch Zimt ergänzt wird. Am Gaumen zeigen sich ordentlich Tannine, diese sind aber trotz ihrer eher jugendlichen Ungestümheit erstaunlich sanft zu den Schleimhäuten, es zeigt sich nur eine ganz leichte Pelzigkeit im Mund, die sogar recht angenehm ist. Auf der Fruchtseite korrespondiert die leicht herbe, aber frische Pflaume recht schön mit einer leichten Grapefruit-Bergamotte-Kombination incl. dazugehörigem Bitterchen. Das Holz wird hier vor allem durch Vanille, Zimt und etwas Leder charakterisiert, mit der Zeit zeigen sich auch einige Nüsse. Säure gibt’s auch einiges, sie macht diesen aromatisch intensiven Wein zu einem fast frischen Erlebnis. Der Abgang zieht sich über mehrere Minuten hin und bietet auf hohem Niveau Pflaumen und Waldbeeren auf einer angenehm herb-frisch-bitteren Unterlage.

Ein ähnlich junger Barolo ist in der Regel -noch dazu ohne große Belüftung- kein solch fast samtig-frischer Genuß, insofern fühle ich mich tatsächlich an „alte Zeiten“ erinnert. Der oben erwähnte, amtliche Alloholgehalt fällt übrigens nicht negativ auf, als „Machowein“ o.ä. kann man den „Sfursat“ eher nicht bezeichnen. Ich gehe allerdings davon aus, daß der Wein mit ein paar Jahren Lagerung noch deutlich geschmeidiger wird.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

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